Erinnerungen an die Sonntagsspaziergänge werden wach: Vater und Mutter munter vorneweg – ach, wie gut tut diese frische Luft –, dahinter die schlarpenden Kinder mit den Rucksäckli, gefüllt mit Thermosflasche und Cervelats. Und wo ging es hin? In den Wildpark Roggenhausen, zu den Hirschen, Steinböcken und Wildschweinen.

Das «Roggi» sei ein Inbegriff für Kindheitserinnerungen, sagte auch Silvio Bircher, Präsident des Vereins Wildpark Roggenhausen, an der gestrigen Präsentation der neusten Schrift über den Park mit dem Titel «Der Wildpark Roggenhausen – schönster Hirschpark der Schweiz». «Hierher kommt man immer wieder zurück, ob als 10-Jähriger oder später als Grossvater mit den Enkeln im Schlepptau», so Bircher.

Erst der Hirsch, dann der Park

Seit über 110 Jahren ist der Park im Roggenhausen-Täli zwischen den Kantonen eine stille Oase am Rande Aaraus, ohne Autos, ohne Rummel. Und das, obwohl vor gut 130 Jahren Pläne bestanden, einen Schiessstand im Roggenhausen zu errichten. 1902 wurde dann die Idee lanciert, hier einen Wildpark zu gründen. Der erste Dammhirsch wurde dem umtriebigen Komitee unter Stadtrat Gottfried Keller bereits gespendet, als sich dieses noch mit Kritikern herumschlug und im Tal noch kein Pfosten versenkt und kein Nagel eingeschlagen war. Im Hochsommer 1903 wurden das Drahtgehege, das Futterhaus und verschiedene Krippen eingeweiht.

Anbauschlacht im «Roggi»

In all den Jahren seit der Eröffnung ist einiges passiert, hält Historiker Hermann Rauber im Kapitel zur Geschichte des Wildparks fest: So wurden beispielsweise zu Kriegszeiten auf einem Teil des Landes Rüebli, Kartoffeln und Kohl angepflanzt, um die Bevölkerung zu versorgen. Unvergessen ist auch das Wetterpech, das seit jeher die grossen Feste im «Roggi» verfolgt, oder die Schlagzeilen 2005, als wegen der drohenden Vogelgrippe sämtliches Geflügel im Stall eingeschlossen werden musste.

Allerlei tierische Geschichten weiss auch Wildparkleiter und Stadtoberförster Christoph Fischer zu erzählen: vom verspielten Marder über die wählerischen Wildschwein-Damen bis hin zu den freiheitsliebenden Murmeltieren.

Jubiläumsschrift komplett

Genauso, wie man immer wieder gern ins «Roggi» geht, liest man auch immer wieder gern darüber. Nachdem 2002 eine – heute vergriffene – Jubiläums-Schrift erschienen war, haben die drei Autoren diese nun komplett überarbeitet, teilweise gänzlich neu geschrieben und mit den Geschehnissen und Veränderungen des letzten Jahrzehnts ergänzt.

Entstanden ist eine 44 Seiten starke, ausführlich bebilderte Schrift, die von der Geschichte über den Tierbestand bis hin zur Entstehung der Trägerschaft, der kantonsweit einzigartigen Naturkläranlage und einem Situationsplan alles enthält, was in den über 110 Jahren «Roggi» alles passiert ist.

Die Schrift «Der Wildpark Roggenhausen – schönster Hirschpark der Schweiz» gibt es in den Aarauer Buchhandlungen, bei aarau info und bei der Ortsbürgerverwaltung im Rathaus für 15 Franken.