Aarau

Als Honorarkonsul im Ferienparadies – dieser Aarauer lebt seit 13 Jahren am anderen Ende der Welt

Daniel Hunziker.

Daniel Hunziker.

Der Aarauer Daniel Hunziker lebt seit über zehn Jahren auf Neukaledonien. Trotz Inselleben im Südpazifik denkt er oft an seine Heimat und überlegt sich auch, in absehbarer Zeit zurückzukehren.

Daniel Hunziker muss lachen. Nein, er liege in Neukaledonien nicht den ganzen Tag Cocktail schlürfend am Strand. Im Gegenteil. Aber ja, es sei durchaus schön, beim Mittagessen einen Meerblick zu haben.

Der 54-jährige Aarauer lebt seit 13 Jahren auf Neukaledonien. Die Inselgruppe liegt etwas mehr als 1000 Kilometer östlich von Australien entfernt im Südpazifik und ist mit einer Fläche von knapp 19'000 Quadratkilometern rund halb so gross wie die Schweiz, hat mit rund 280'000 Einwohnern aber eine deutliche geringere Bevölkerungsdichte. Neukaledonien, das zu Frankreich gehört, besteht aus einer Haupt- und mehreren kleineren Inseln und ist unter anderem für kristallklares Wasser und paradiesische Strände bekannt.

Hier liegt Neukaledonien.

Hierhin gezogen, ans andere Ende der Welt, hat es Daniel Hunziker der Liebe wegen. Seine Frau, die er während seines Studienaufenthalts in den Vereinigten Staaten kennen lernte, stammt aus Neukaledonien. «Nach mehr als zehn Jahren zusammen in der Schweiz ‹glustete› es mich, es einmal hier zu versuchen.» Zwei Jahre seien geplant gewesen, «daraus sind nun bereits 13 geworden», erklärt der selbstständige Firmenberater.

Blick auf die Küste Neukaledoniens.

Blick auf die Küste Neukaledoniens.

Seit zehn Jahren Schweizer Honorarkonsul

In Aarau aufgewachsen – «und auch Aarauer Ortsbürger», wie er stolz anfügt –, machte Daniel Hunziker dort auch das KV, bevor es ihn für sein Studium und später mit seiner Frau in die Ferne zog. Trotzdem, oder gerade deshalb, liegt ihm viel an der Heimat. «Ich reise wenn möglich alle zwei Jahre in die Schweiz», sagt er. «Ich vermisse die Heimat manchmal schon. Die Freunde, Familie und natürlich auch den Maienzug.» Deswegen gebe es in der Familie Hunziker – das Ehepaar hat drei Söhne, die beiden älteren studieren derzeit in der Schweiz – immer wieder Überlegungen, in die Schweiz zurückzuziehen.

«Es ist gut möglich, dass wir irgendwann in den nächsten Jahren heimkehren», so Hunziker. Bis dahin hat er auf Neukaledonien aber genug zu tun. «Die Lebenskosten sind relativ hoch, da wir auf einer Insel leben.» Wer etwas finanzielle Stabilität wünsche, müsse wegen der vergleichsweise tiefen Löhne viel arbeiten. «Viele meiner Freunde in der Schweiz denken: ‹Neukaledonien gehört ja zu Frankreich – das heisst, 35-Stunden-Woche, viel Ferien.› Das ist aber falsch. Es braucht hier mehr Aufwand für einen vernünftigen Standard.»

Ausserdem ist Daniel Hunziker auch Schweizer Honorarkonsul. Er ist seit zehn Jahren die offizielle Vertretung der Schweiz auf der Inselgruppe. Als Honorarkonsul auf Neukaledonien ist er der Schweizer Botschaft in Paris unterstellt, anders als der Botschafter aber nicht vollamtlich von der Schweiz angestellt. Die Arbeit ist ehrenamtlich. Er vertritt die Schweiz an offiziellen Veranstaltungen auf der Inselgruppe: «Eröffnungen, politische Anlässe – meine Aufgaben sind oft repräsentativer Natur.» Ausserdem ist er erste Anlaufstelle für Schweizer vor Ort, die etwa ihren Pass verloren haben oder heiraten. «Zudem erkundigen sich viele Franzosen bei mir, wie sie in die Schweiz auswandern könnten», fügt Hunziker an.

«Wie in einer anderen Welt»

Auf Neukaledonien hat der Aarauer auch die Coronakrise und einen Lockdown im Frühjahr miterlebt. Das Virus hat auf der Inselgruppe aber kaum gewütet. 26 Fälle sind bekannt, davon tragen nur noch wenige Personen Covid-19 in sich. Dazu beigetragen hat selbstredend die geografische Abgeschiedenheit, aber auch die geschlossenen Grenzen. Seit Monaten dürfen nur noch Einheimische und Spezialisten einreisen – ähnlich wie in den grossen Nachbarn Australien und Neuseeland. Die Einreisenden müssen danach zuerst für 14 Tage in Isolation, bevor sie sich frei bewegen können. Internationale Flüge gibt es nur noch eine Handvoll pro Woche.

Auf der Inselgruppe ist laut Hunziker sonst kaum mehr etwas vom Virus zu spüren: «Die Masken sind wieder verschwunden. Das Leben verläuft normal. Wir fühlen uns hier manchmal wie in einer anderen Welt.» Vor wenigen Wochen sei beispielsweise ein Autosalon durchgeführt worden. Natürlich wirke sich Covid-19 auch auf Neukaledonien aus. So seien keine ausländischen Touristen mehr im Land, und auch der eingebrochene Nickelpreis, der für Neukaledonien wegen der Nickelvorkommen von grosser Bedeutung ist, trage dazu bei, dass die Wirtschaft leide.

Davon lässt sich Daniel Hunziker allerdings nicht unterbringen. Er konzentriert sich auf seine Familie, seine Arbeit sowie sein Amt als Honorarkonsul. Zeit, um den ganzen Tag Cocktail schlürfend am Strand zu verbringen, bleibt ihm keine.

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