Aargau

«Als hätte ich zum ersten Mal richtig gelebt»: Sie hat ihren Job hingeschmissen und wurde Schauspielerin

Annette Burkhardt, vom Optik-Geschäft auf die Bühne.

Annette Burkhardt, vom Optik-Geschäft auf die Bühne.

Die frühere Optikerin Annette Burkhardt tritt im «Fabrikpalast» auf.

Viele träumen davon, den Bettel hinzuwerfen und mit dem Leben etwas anderes anzufangen. In die Tat umsetzen tun dies aber nur Wenige. Eine, die den Mut dazu gefasst hat, ist die Aarauerin Annette Burkhardt. Über 20 Jahre lang war sie Optikerin im Brillengeschäft Urech an der Vorderen Vorstadt.

Den Job machte sie nicht ungern, ihren Beruf hatte sie sogar geliebt, wie sie sagt. Doch da gab es noch eine Berufung in ihrem Leben, die stärker war. «Ich war 25, als ich mal übers Wochenende an einem Theater-Workshop in Zürich teilgenommen habe», erzählt die heute 47-Jährige.

Ihre Begeisterung für die Schauspielerei wurde dort entfacht. «Ich habe mich gefühlt, als hätte ich zum ersten Mal richtig gelebt», sagt sie. «Das war so stark – ich hätte meinen Beruf sonst später nicht aufgegeben.»

Annette Burkhardt arbeitete damals bereits «beim Urech», reduzierte ihr Pensum und begann, an der privaten Theaterschule Comart Bewegungsschauspiel zu studieren. An verschiedenen Jazzschulen erlernte sie danach Tenorsaxofon, Querflöte und Gesang, trat dem Musiktheaterquartetts «Plissé» bei, gründete die Künstleragentur «Vogelfänger» und wurde später Theaterpädagogin an einer Schule in Stäfa.

Optikerin blieb sie nebenbei stets, sie gab sogar zuerst die Stelle in Stäfa auf – zu sehr gefiel ihr die Arbeit im Aarauer Brillengeschäft. Vor knapp einem Jahr aber wagte sie auch diesen Schritt. «Ich habe parallel immer so viele Sachen gemacht – ich wollte einmal etwas ganz machen», sagt sie.

Das Optikerdasein liess sie zwar los, es blieb aber offenbar ein Teil von ihr: Das erste Solostück, das sie nun als Vollzeit-Schauspielerin präsentiert, hat nämlich ausgerechnet mit ihrem vorherigen Beruf zu tun. Annette Burkhardt spielt dort eine Optikerin und zeigt auf humorvolle, oft zugespitzte Weise verschiedene Erlebnisse, die sie mit den vielen Kunden in ihrer über 20-jährigen Laufbahn erlebt hat.

«Fast alles im Stück ist auch tatsächlich passiert», sagt sie. So mancher Kunde vom Optikergeschäft Urech dürfte sich also wiederkennen. Die Geschäftsführer jedenfalls hätten grosse Freude, sagt Burkhardt. Auf dem Flyer zum Stück treten sie denn auch als Sponsoren auf.

«Ein Stück, das ins Auge geht»

«Monocle», so der Name des Stücks, beschreibe «den ganz alltäglichen Optikerwahnsinn». Es sei ein «zutiefst menschliches» Solostück, an dem Annette Burkhardt über ein Jahr lang mit Regisseurin Franca Basoli gearbeitet hat. Monologe, Bewegungstheater, Musik und gar eine Szene mit Puppen kämen vor.

«Im Stück ist alles drin, was ich im Leben gemacht habe und was ich bin», sagt Annette Burkhardt. Zwinkernden Auges werde dem Publikum den Staub von den Brillengläsern weggefegt und freie Sicht auf die Abgründe des Alltags geschafft. «Es ist ein Stück, das ins Auge geht», sagt sie humorvoll.

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