In einem halben Jahr beginnt in Aarau das Eidgenössische Turnfest (ETF). Bis Ende November haben sich 62 000 Turner angemeldet. Die Organisatoren sind aufgrund der Erfahrungen von anderen Turnfesten, etwa von Biel 2013, guten Mutes, dass die budgetierten 65 000 Teilnehmer im Rahmen der Nachmeldefrist bis Ende Februar noch erreicht werden. Es geht um viel Geld: Eine Festkarte kostet 160 Franken. 3000 Turner mehr oder weniger entsprechen einer halben Million Franken – ohne grossen Mehraufwand.

Grosser Zeitdruck

Auf der Stadtverwaltung in Aarau liegt noch bis zum 3. Januar eines der wenigen Turnfest-Projekte auf, dass einer Baubewilligung bedarf. Es geht um die Zusatzbrücke, die östlich des Süffelstegs entstehen soll, damit die Turner problemlos vom Schachen zum Mega-Campingplatz in Erlinsbach laufen können. Bauen soll die Brücke über die Aare die Armee. Doch diese hat nur im Februar Kapazitäten, wie den Baugesuchunterlagen entnommen werden kann. Das Turnfest-OK bitte darum den Stadtrat um eine «priorisierte Gesuchsprüfung».

Die «Stahlträger Brücke 95» (Armee-Bezeichnung) kommt auf 28 Holzpfähle zu stehen. Die Mietkosten der Brücke betragen laut Baugesuchunterlagen 36 000 Franken. Es ist vorgesehen, während des Festes auf den beiden Brücken ein Einbahnsystem für Fussgänger einzurichten: Auf dem talseitigen, provisorischen Steg sollen die Turner Richtung Erlinsbach laufen, auf dem bestehenden Süffelsteg Richtung Schachen.

Beachvolleyballfeld der Top-Klasse

Gebaut werden soll auch unmittelbar daneben in der Badi Aarau. Dort ist ein Beachvolleyballfeld mit dreiseitiger Tribüne geplant. Die Stadt kommt dabei relativ günstig zu einer Beachvolleyball- und Beachsocceranlage. Die bisherigen Beachvolleyballfelder in der Badi seien ohne feste Umrandung und Infrastrukturen erstellt worden, schreibt der Stadtrat im Budget 2019. Die neue Anlage kostet 170 000 Franken. Vom Swisslos-Sportfonds werden 68 000 Franken erwartet. Weitere 20 000 Franken steuert das Turnfest bei, sodass der Stadt der Restbetrag von 82 000 Franken verbleibt. Das Beachvolley-Feld (18 × 38 m) wird über das Turnfest hinaus benutzbar sein.

VIP- statt Badi-Parkplätze

Ein Politikum könnte die Nutzung der Badi während des Festes im Juni werden. Der Stadtrat schreibt dazu im Budget 2019: «Während des Festes ist die Zugänglichkeit des Freibades stark eingeschränkt. Zudem werden keine Parkplätze verfügbar sein. Deshalb wird mit bis zu 70 % weniger bezahlten Eintritten kalkuliert.» Weil das ETF aber über die Festkarten Gratiseintritte für alle Turner kauft, rechnet die Stadt unter dem Strich mit höheren Einnahmen bei der Badi. Dem Übersichtsplan, der dem Brücken-Baugesuch beiliegt, ist zu entnehmen, das ein Teil des Badi-Parkplatzes während dem ETF für VIPs und Sponsoren verwendet werden soll.