Buchs
Alois Carigiet: Flurina kommt ins Dorfmuseum

Originale des Bündner Künstlers Alois Carigiet lassen Kindheitserinnerungen aufleben. "Zottel, Zick und Zwerg" sowie "Flurina und das Wildvöglein" können jetzt im Dorfmuseum Buchs betrachtet werden.

Nadja Rohner
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Thomas Imboden mit dem Titelbild seines Lieblingsbuchs: Flurina und das Wildvöglein

Thomas Imboden mit dem Titelbild seines Lieblingsbuchs: Flurina und das Wildvöglein

Nadja Rohner

Die Helden unserer Kindheit heissen nicht nur Globi, Papa Moll und Nemo. Sondern eben auch Flurina, Ursli und Madleina. Letztere sind bekannt aus den Kinderbüchern von Alois Carigiet (1902 bis 1985).

Teils mit Texten von Selina Chönz, teils von Carigiet selber verfasst, und immer wunderschön illustriert mit Bildern des Trunser Künstlers.

Nun können die Original-Zeichnungen von drei Carigiet-Büchern – «Zottel, Zick und Zwerg», «Maurus und Madleina» sowie «Flurina und das Wildvöglein» – im Dorfmuseum Buchs betrachtet werden.

In den Aargau geholt hat sie Thomas Imboden, Präsident der Kulturkommission. Er ist wie Carigiet in Trun aufgewachsen. Seine Grosseltern führen das Museum Sursilvan, das heute im Besitz dieser Carigiet-Werke ist. «Mein Onkel, Matias Spescha, war als angehender Künstler eine Art Protegé Carigets», erzählt er.

Die beiden sind die wohl wichtigsten Künstler des Bündner Oberlands. Ein anderer Onkel Imbodens hat einige Cariget-Bücher übersetzt. Sie sind übrigens in allen fünf rätoromanischen Dialekten erschienen.

Kafikränzli mit Carigiet-Storys

Imboden weiss eine Menge über den berühmtesten Trunser, der bei weitem nicht nur Kinderbücher illustriert hat, aber primär dafür in Erinnerung geblieben ist. Selber getroffen hat Imboden zwar Zarli Carigiet, Schauspieler und Alois’ Bruder, aber nie den Maler. «Meine Mutter kannte ihn aber und weiss einiges über ihn zu berichten», sagt Imboden.

Zusammen mit ihrem Bruder wird Hedy Imboden-Spescha deshalb auch Teil der Carigiet-Ausstellung: Am 7. Dezember erzählen die Geschwister bei Kafi und Kuchen im Dorfmuseum grosse und kleine Episödchen rund um Carigiet.

Alois Carigiet sei den «klassischen Bündner Künstlerweg» gegangen, sagt Thomas Imboden: Über Chur kam er nach Zürich, später zurück nach Trun. Als Grafiker war er anerkannt, als Künstler kam die Bewunderung erst, als das erste Buch – der Schellen-Ursli – zum Hit wurde. Noch heute wird das Buch jedes Jahr Tausende Male verkauft, es wurde in 14 Sprachen übersetzt.

Dabei vermutet Thomas Imboden, dass Carigiet diesen Illustrationsauftrag nur widerwillig angenommen hat. Der Text von Selina Chönz bestand nämlich schon, sie suchte einen Illustrator. Und es dauerte Jahre, bis sie Carigiet überzeugt und bis dieser die Arbeit vollendet hatte. Dabei wurde der einst viel umfassendere Text stark gekürzt.

«Die Bilder haben ihn in weiten Teilen ersetzt», sinniert Imboden. «Das zeigt deren Kraft – ein einzelnes Bild kann mehr aussagen als viele Worte.» Die Bergwelt, die Carigiet mit seinen Bildern eingefangen habe, sei übrigens kein Fantasiegespinst: «Vor dem Zweiten Weltkrieg sah es in vielen Bündner Tälern tatsächlich noch so aus.»

Schüler lernen Romanisch

Die Sonderausstellung im Dorfmuseum markiert die erste enge Zusammenarbeit zwischen Kultur- und Museumskommission. Und das Carigiet-Fieber beschränkt sich nicht nur aufs Museum.

Die Bibliothek macht mit (Erzähltheater und Buchausleihe), die Schule auch: Die Kinder erhalten einen Tag lang Besuch von der Bündner Lehrerin Lisa Schmidt-Candinas, die ihnen Rätoromanisch als unsere vierte Landessprache näher bringt. Auch eine Filmvorführung des Schellen-Ursli ist geplant, inklusive Fragerunde mit Schauspieler Leonardo Nigro.

Sonderausstellung Alois Carigiet

- 20. August 2017 bis 24. Juni 2018, Dorfmuseum Buchs

- Vernissage am 20. August von 14 bis 17 Uhr

- Es gibt mehrer Begleitveranstaltungen

- Alle Termine und Öffnungszeiten auf www.buchskultur.ch