Gränichen
Alle Parteien sollen in der Verantwortung stehen

In Gränichen muss die wählerstärkste Partei, die SVP, bei den Gemeinderatswahlen vom 24. September den zurücktretenden Ruedi Gautschi ersetzen.

Ueli Wild
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Die SVP spielt zwei Trümpfe: Regina Heller und Hanspeter Steuri.

Die SVP spielt zwei Trümpfe: Regina Heller und Hanspeter Steuri.

Ueli Wild

Mit ihrem Parteipräsidenten Hans-Peter Steuri (58) und und der aktuellen Schulpflegepräsidentin Regina Heller (57) präsentiert die SVP zwei Kandidaturen, die durchaus beide reüssieren könnten. Beide sind im Vereinsleben gut vernetzt und haben Kommissionsarbeit geleistet. Hans-Peter Steuri ist seit 2012 Verwaltungsrat der Technischen Betriebe Gränichen und seit 2016 Mitglied der Einbürgerungskommission. Regina Heller gehört seit 2006 der Schulpflege an, seit 2009 als deren Präsidentin. Und dreimal stand sie dem Schulfest-OK vor. Wenn Hans-Peter Steuri sagt: «Wir stehen nicht in Konkurrenz zueinander», schwingt auch das erklärte Ziel der Partei mit, beide Kandidaturen ans Ziel zu bringen, einen zweiten Sitz im fünfköpfigen Gemeinderat hinzuzugewinnen.

Gemeinderatswahlen gleich Personenwahlen hin oder her: Den Anspruch seiner Partei kann Steuri leicht begründen. Bei den nationalen wie bei den kantonalen Wahlen holte die SVP in Gränichen, die bis 2012 zwei Gemeinderäte stellte, weit mehr Listenstimmen als die SP, die im Gemeinderat gar nicht vertreten ist, dies aber mit der Kandidatur ihres Parteipräsidenten André Muhmenthaler (48) ändern möchte. Noch grösser war der Vorsprung der SVP bei den Grossratswahlen vor einem Jahr auf die FDP, die aber zwei Gemeinderatssitze innehat.

Die beiden andern aktuellen Ratsmitglieder waren bei ihrer Wahl als Parteilose eigentliche Kandidaten der wichtigen Ortsbürgergemeinde. Einer von ihnen, Ammann Rolf Arber, tritt Ende Jahr zurück. Der andere, Peter Stirnemann (64), ist der einzige Kandidat für Arbers Nachfolge. Das Gränicher «Urgestein» Stirnemann geniesst im Dorf überaus breite Akzeptanz.

Unter den Parteien herrsche ein gutes Einvernehmen, sagt Hans-Peter Steuri. Und: «Wichtig ist, dass die SP in der Verantwortung ist.» Eine Aussage, die es in sich hat, denn: Wird André Muhmenthaler gewählt, scheitert wohl die SVP-Doppelvertretung – oder einer der beiden bisherigen Freisinnigen – Peter Hofmann (68), Vizeammann Hanspeter Lüem (61) – muss über die Klinge springen. Das alles unter Voraussetzung, dass von den Aussenseitern Hans Schweizer (27, parteilos), Simone Hartmann (parteilos, 48) und Ignatius Ounde (37, GLP) keiner einen Überraschungscoup zu landen vermag.

Beide Geschlechter

Wie stellt sich SP-Kandidat Muhmen- thaler die «Wunschzusammensetzung» des Gemeinderates vor? Eigentlich ganz ähnlich wie die SVP: Ihm als überzeugtem Anhänger der Parteien- und Meinungsvielfalt, antwortet er, sei es ein Anliegen, dass sämtliche Ortsparteien – FDP, SVP und SP – im Gemeinderat vertreten seien. «Auch sollten beide Geschlechter vertreten sein.» Und nebenbei: «Eine Verjüngung würde dem Gemeinderat sicher auch gut tun.»

Die Tendenz zur Überalterung, sagt auch Regina Heller, sei nicht von der Hand zu weisen. Der parteilose Aussenseiter Hans Schweizer stellt sich daher auf den Standpunkt, es könne nicht sein, dass nur Pensionierte Zeit fänden, sich zu engagieren (Schweiz am Wochenende, 27.08.). Es brauche auch immer das Entgegenkommen des Arbeitgebers, gibt hierzu Hans-Peter Steuri, der bei einer Wahl sein berufliches Pensum auf 80 Prozent reduzieren wird, zu bedenken. «In meinem Fall wäre das vor vier Jahren noch nicht möglich gewesen.» Molkereimeister Steuri ist stellvertretender Standortleiter bei der Emmi AG in Suhr. Auch Regina Heller profitiert punkto Kapazität von guten Rahmenbedingungen: Mit 30 Prozent als Sachbearbeiterin und Klassenassistentin an der Schule Suhr und einem kleinen Pensum in Schöftland ist sie flexibel. «Und die anderthalb Tage, die ich pro Woche für die Schulpflege aufgewendet habe, werden ja frei.»

Lob für den Gemeinderat

Dem aktuellen Gemeinderat bescheinigen Hans-Peter Steuri und Regina Heller, er habe in den letzten vier Jahren gute Arbeit geleistet und sei als Einheit aufgetreten. Auch André Muhmenthaler, der beruflich seit 18 Jahren in Gontenschwil als Steueramtsvorsteher tätig ist, attestiert dem amtierenden Gemeinderat, er habe in den letzten vier Jahren «gute und engagierte Arbeit» geleistet. Insbesondere habe er mit dem Neubau des Werkhofs und der Erschliessung Oberfeld «zwei wichtige, zukunftsweisende Projekte mehrheitsfähig gemacht, obwohl sie sehr kostenintensiv sind». Muhmenthaler weiss, wovon er hier spricht. Seit 12 Jahren gehört er der Gränicher Finanzkommission an, seit acht Jahren als deren Präsident. Eins bedauert der SP-Kandidat jedoch: Dass die Arbeitsgruppe Alter nach kurzer Zeit wieder aufgelöst wurde.

Anlass, viel in der Gränicher Dorfpolitik zu ändern, kann Hans-Peter Steuri nicht erkennen. «Ich unterstütze die bisherige Investitions- und Budgeteinhaltung. Hingegen könnte man die Vorgaben des Kantons kritischer hinterfragen.» Beim Kreiselprojekt im Rahmen der Erschliessung Oberfeld etwa hat der SVP-Vorstand eine Eingabe gemacht, die eine Zweitmeinung verlangt mit dem Ziel, Kosten und Umsetzungszeit zu optimieren. Gerade bei den Millionenprojekten, sagt Steuri, komme es drauf an, die Kosten im Griff zu haben. Beim Budget um ein paar Franken zu feilschen, sei dagegen vergleichsweise unergiebig. – Der für das Ressort Bau zuständige Gemeinderat Peter Stirnemann hat die Umsetzung des Begehrens mittlerweile aufgegleist.

André Muhmenthaler, Gemeinderatskandidat SP «Mir ist es ein Anliegen, dass sämtliche Ortsparteien  – FDP, SVP und SP – im Gemeinderat vertreten sind. Auch sollten beide Geschlechter vertreten sein.»

André Muhmenthaler, Gemeinderatskandidat SP «Mir ist es ein Anliegen, dass sämtliche Ortsparteien  – FDP, SVP und SP – im Gemeinderat vertreten sind. Auch sollten beide Geschlechter vertreten sein.»

Ueli Wild

Wo ortet André Muhmenthaler Verbesserungspotenzial? Als Gemeinderat, lässt er durchblicken, würde er sich «für eine offenere, aktivere Kommunikationspolitik und für mehr Sorgfalt im Umgang mit Mensch, Natur und finanziellen Ressourcen» einsetzen. Zu den drängendsten Problemen in der Dorfpolitik zählt nach Muhmenthalers Meinung die Integration: «Die vielen Zuzüger unterschiedlichster Herkunft und Bildung müssen in das Schulwesen, ins Dorf- und Vereinsleben integriert werden können, damit Gränichen für alle ‹das Dorf zum Daheimsein› bleiben kann.» Als gelungenes Beispiel für aktive Integration bezeichnet der SP-Kandidat die Angebote des Vereins «integränichen».

Ganz zuoberst steht für ihn das Thema «Verkehr und Verkehrssicherheit». «Hier müssen Lösungen gefunden werden, in erster Linie auf den Schulwegen», sagt Muhmenthaler und verweist auf die Unterschriftensammlung für Tempo 30 am Holtengraben und in der Ruus, wo die SP federführend war. Mit Tempo 30 flächendeckend auf den Quartierstrassen – das ist inzwischen die Vorlage, welche der Gemeinderat der Gmeind Ende November vorlegen will – können auch die SVP-Kandidaten Steuri und Heller gut leben. Ihnen liegt aber daran, dass das Ganze mit minimalem Kostenaufwand realisiert wird. Heisst: Kein Täfeliwald und keine Schikanen, sondern einfach eine entsprechende Signalisation bei den Quartiereingängen.

Gesunder Menschenverstand

Die Parteipolitik steht im Gemeinderat nicht im Vordergrund. Wichtiger, betont Hans-Peter Steuri, sei der gesunde Menschenverstand. «In einer Gemeinde», so André Muhmenthaler, «soll lösungs- und zukunftsorientierte Sachpolitik betrieben werden – über alle Parteigrenzen hinweg.» Trotzdem findet es der SP-Kandidat wichtig, dass mehrheitlich Parteivertreter im Gemeinderat sitzen. Bei einem Kandidaten mit Parteibuch sei es einfacher abzuschätzen, wo dieser politisch stehe. Zudem müsse ein Parteivertreter seiner Partei Rede und Antwort stehen.