Bezirk Aarau

Alle Haustüren werden digital vermessen – wem nützen diese Daten?

Per Tablet werden die einzelnen Hauseingänge vermessen.

Per Tablet werden die einzelnen Hauseingänge vermessen.

Mit dem Projekt GABMO werden alle Hauseingänge der Schweiz digital erfasst. Im Bezirk Aarau muss Renato Moos dafür sorgen, dass keiner der unzähligen Eingänge vergessen geht. Doch warum braucht es diesen grossen Aufwand?

Der Plan der Stadt Aarau, der fast den ganzen Arbeitstisch von Renato Moos bedeckt, ist mit verschiedenfarbigen Punkten übersät: Sie zeigen Gebäudeeingänge an, die ein Mitarbeiter des Kreisgeometers in den Strassen und Gassen auf seinem Tablett-Computer metergenau erfasst hat. Mit den Farben werden die Punkte den Strassen und Plätzen zugeordnet.

Nicht nur die Gebäudeeingänge in Aarau sind so aufgenommen worden, auch jene von Biberstein, Buchs, Densbüren, Muhen, Hirschthal und Unterentfelden. Nun sind diesen Frühling Oberentfelden und Erlinsbach an der Reihe, bevor in den Sommerferien auch in Suhr und Gränichen die Gebäudeeingänge abgeklopft werden. Wie viele Hauseingänge das insgesamt sind, kann Kreisgeometer Hans-Urs Ackermann nicht sagen. Es sind auf jeden Fall viele, sehr viele.

Die aktuell durchgeführten Vermessungen in der Region sind Teil des Projekts GABMO («gestion des adresses de bâtiments par la mensuration officielle»), das 2001 von der eidgenössischen Vermessungsdirektion des Bundes aufgegleist wurde. Das nationale Projekt sieht vor, dass alle Kantone den genauen Standort sämtlicher Hauseingänge ihrer Gemeinden erfassen.

Der Aargau hat die Arbeiten ausgeschrieben und im Bezirk Aarau an das Aarauer Vermessungs- und Ingenieurbüro Ackermann+ Wernli vergeben. Die flächendeckende Verfügbarkeit von aktuellen und offiziellen Adressen entspricht offenbar einem echten und grossen Bedürfnis.

Die so erhaltenen Daten werden mit den Zustelladressen der Post, den Angaben des Gebäude- und Wohnregisters, des Bundesamtes für Statistik und der amtlichen Vermessung des Bundes abgeglichen. Damit soll ein schweizweit einheitlicher Standard sichergestellt werden. Geholfen ist den Rettungsdiensten, der Feuerwehr, der Polizei, der Post und Transportunternehmungen.

Die Datenerfassung ist das Eine, sie regelmässig nachzuführen das Andere und ebenso wichtig. Es ist eine Daueraufgabe, die hohe Zuverlässigkeit erfordert. Dies lässt sich an einzelnen Parzellen auf den ausgebreiteten Plänen erkennen: Ihnen zugeordnet ist zwar ein Punkt, aber noch kein Gebäude. Erst wenn das Haus gebaut ist, werden der Gebäudeeingang eingemessen, die Pläne aktualisiert und auf das Datenportal des Kantons hochgeladen.

Alle Pläne digital abrufbar

Wenn die Vermessungsfachleute des Ingenieurbüros mit ihrem Tablet-Computer in den Gemeinden unterwegs sind, müssen sie die Häuser nicht betreten. Sie identifizieren das Gebäude und erfassen die Position des Eingangs digital.

«Als Grundlage der laufenden Arbeiten dienen die Daten der amtlichen Vermessung, in welche die Haupteingänge der Gebäude aufgenommen werden», erklärt Hans-Urs Ackermann. «Die digitale Verarbeitung trägt dazu bei, dass bald alle Gebäudeadressen flächendeckend verfügbar sind.»

Die digitalen Karten sind heutzutage mehrschichtig aufgebaut und lassen es zu, dass je nach Bedarf Strassen, Gebäude mit Haus-, Parzellen- und Versicherungsnummer und auch die Werkleitungen abgerufen werden können.

Finanziert werden die aktuellen Vermessungsarbeiten von den Kantonen, die Grundeigentümer werden nicht zur Kasse gebeten.

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