Küttigen
Albanische Kinder erobern singend die Bühne der Mehrzweckhalle

Die Mehrzweckhalle war am Samstag ganz in jugendlicher albanischer Hand. Die Kinder zeigen, was sie im HSK-Unterricht gelernt haben.

Peter Weingartner
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Schulschlussfeier des HSK-Unterrichts der albanischen Schulkinder im Kanton Aargau (HKS heisst «Heimatliche Sprache und Kultur»)
15 Bilder
Gemeinderat Tobias Leuthard
Beim Unfall kam eine Fahrradfahrerin ums Leben.
Auch Musik wurde gemacht.
Chorgesang
Inbrunst
Bajram Mulaj aus Burg mit Neffe Arlind und Nichte Eliona
Sie singen vor Fahnen.
Sie singen.
Riza Demaj und Tobias Leuthard am Buffet mit albanischen Spezialitäten
Riza Demaj
Singen in Rot
Solo vor Fahnen in traditioneller Tracht
Tanz nach albanischer Art.
Singen und Musizieren.

Schulschlussfeier des HSK-Unterrichts der albanischen Schulkinder im Kanton Aargau (HKS heisst «Heimatliche Sprache und Kultur»)

Peter Weingartner

«Bevor wir wissen, wohin wir gehen, müssen wir wissen, woher wir kommen», sagte Tobias Leuthard, Küttiger Gemeinderat, an der Schulschlussfeier des HSK-Unterrichts der albanischen Schulkinder im Kanton Aargau. HSK? «Heimatliche Sprache und Kultur». Die fremdsprachigen Volksgruppen, ob Finnen, Chinesen oder Tamilen, Spanier oder Serben, haben Anrecht auf einen Gratis-Schulraum.

Für die Albaner im Aargau – meist stammen sie aus dem Kosovo – ist der Albanische Lehrer- und Elternverein für diesen Unterricht zuständig. «Neun Lehrpersonen unterrichten die rund 300 Schülerinnen und Schüler an 18 Standorten im Kanton», sagt Riza Demaj aus Suhr, Präsident und treibende Kraft des Vereins. In seinem Eingangsvotum vor rund 600 Personen dankte er der Schweiz und machte deutlich, dass deren «Grundwerte nicht verhandelbar sind». Der HSK-Unterricht fördere die Integration.

Chancen der Mehrsprachigkeit

Die Wettinger Grossrätin Lilian Studer (EVP) konnte in ihrer Grussadresse auf eigene Erfahrungen des Fremdseins Bezug nehmen. Sie verwies auf die Chancen, die Vielsprachigkeit bietet. Neue Sprachen könnten leichter erlernt werden. Als Kind mit Schweizer Vater und norwegischer Mutter habe sie aber auch ihre Identitätskrise gehabt: Wohin gehöre ich? «Ich musste lernen, dort zu Hause zu sein, wo ich lebe», sagte sie. Das müssten auch Migranten lernen. Die Wurzeln verleugnen? Nein: «Seid stolz auf eure Fussballer!» Wie sie selber stolz gewesen sei, als beim FC Basel ein Norweger zu einem Titelgewinn mitgeholfen habe.

Auf der Bühne der Mehrzweckhalle Küttigen hängen die Flaggen von Albanien, der Schweiz und Kosovos. Dazu das Bild eines Autors, der sich gegen die Osmanen starkgemacht hat. Vor den Darbietungen wird die albanische Nationalhymne gesungen. Stehend. «Kosovo hat keine», sagt Riza Demaj. Nach den Ansprachen – ein Vertreter der Botschaft Kosovos dankt der Schweiz: «Sie war immer für uns da, wenn wir sie gebraucht haben» – gehört die Bühne den Kindern aus den HSK-Kursen im Aargau.

Die Kinder zeigen, was sie im HSK-Unterricht, der am Mittwochnachmittag oder am Samstagmorgen, manchmal auch an einem Abend stattfindet, freiwillig ist und drei Stunden dauert, auch gelernt haben: Singen, Tanzen, Musizieren, Gedichte vortragen. Sie tun das teils in albanischen Trachten oder im T-Shirt mit albanischem Adler. Rot-Schwarz herrscht vor. Die Lieder haben oft einen orientalischen Einschlag, aber auch Balkan-Pop kommt vor. Und was spielen die beiden Buben für ein Instrument? «Das ist eine Art albanische Mandoline», weiss Bajram Mulaj aus dem Wynental, dessen Hobby die Imkerei ist.

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