Aarau
«Aktuell gibt es vor allem Verlierer» – Erneute Umstellung am Wochenmarkt sorgt für rote Köpfe

Der Aarauer Wochenmarkt wird schon wieder umgestellt. Nach den strengen Abstandsregeln, wird nun wieder etwas gelockert. Doch nicht alle Marktfahrenden sind begeistert.

Katja Schlegel
Drucken
Teilen
Stände verschwinden wieder aus der Laurenzenvorstadt.

Stände verschwinden wieder aus der Laurenzenvorstadt.

uhg

Der Aarauer Wochenmarkt ist eine Institution. Und doch wurde er in den letzten Wochen ganz schön durchgeschüttelt. Erst die wochenlange Total-Absage wegen Corona, dann der Ärger wegen der Verdrängung durch den Weihnachtsmarkt, dann die coronabedingt luftige Verteilung auf Graben, Schlossplatz und Laurenzenvorstadt. Eine Massnahme, die es insbesondere vielen Besuchern angetan hatte, bei den Marktfahrern aber wiederum für Unmut sorgte, weil die Kunden die Stände nicht mehr am gewohnten Ort fanden.

Und jetzt wird der Markt wieder umgekrempelt; morgen Samstag treten neue Rahmenbedingungen der Gewerbepolizei in Kraft. Die wesentlichsten Punkte: Die Luftigkeit bleibt dem Markt erhalten, dafür werden die Standplätze noch einmal neu verteilt.

Konkret werden die Stände am Graben weiterhin einspurig gestellt, auf dem Schlossplatz neu auf beiden Seiten. Verschwinden wird der Markt aus der Laurenzenvorstadt, wo die letzten Wochen über die Verkehrssituation mit einem Polizisten geregelt werden musste.

Marktbesucher sind Gewohnheitstiere

«Die Situation in der ‹Laurenzi› war unbefriedigend und personalintensiv», sagt die zuständige Stadträtin Suzanne Marclay-Merz. Weil inzwischen die coronabedingt geltenden Abstandsvorschriften gelockert wurden, habe man sich deshalb dazu entschieden, die Marktaufstellung anzupassen. Diese sind nicht in Stein gemeisselt, sondern gelten lediglich «auf Weiteres».

Die erneute Umplatzierung sorgt in den Reihen der über 50 Marktfahrenden für rote Köpfe. Das hat sich an der Versammlung letzte Woche im «Schützen» gezeigt, an welcher der Verein Aarauer Wochenmarkt gegründet wurde. Jeremias Niggli, neuer Präsident dieses Vereins, erklärt das Problem: «Der Marktbesucher ist mehrheitlich ein Gewohnheitstier. Findet er seinen gewohnten Stand nicht auf Anhieb, kauft er woanders ein. Die Erfahrung der letzten Wochen zeigt, dass es vier bis sechs Wochen dauert, bis sich der Umsatz nach einem Standortwechsel wieder auf gleichem Niveau einpendelt.»

Der harte Kern wird am Graben konzentriert

Gross ist der Ärger vor allem unter den Marktfahrern, die neu dem Schlossplatz zugeteilt sind. Nicht nur, weil auf diesem Platz der Schatten fehlt. Mit der Neuordnung einher geht auch die Weisung, dass auf dem Schlossplatz keine Autos mehr abgestellt werden dürfen (wichtig als Zwischenlager).

Weiter äusserten verschiedene Marktfahrer gegenüber dieser Zeitung den Verdacht, sie seien auf den Schlossplatz geschoben worden, weil sie nicht das ganze Jahr über am Markt präsent seien. Daniel Ringier, Chef der Abteilung Sicherheit, bestätigt, dass sich diejenigen Marktfahrer am Graben befinden, die laut interner Statistik am meisten Belegungstage aufweisen. «Dies auch mit dem Gedanken, dass im Strassenzug Graben, wo der Markt nur einseitig geführt wird, möglichst keine Löcher entstehen, wenn einzelne Marktfahrer im Herbst und Winter nicht erscheinen.» Ringier zeigt Verständnis für die andere Sicht und sagt auch, man müsse nun Erfahrungen sammeln. Er pocht aber auch darauf, dass mit der einreihigen Aufstellung am Graben schlicht nicht mehr genügend Platz für alle Marktfahrenden bleibe. «Das ist Fakt und zu respektieren. Wir können es mit bestem Willen nicht allen recht machen.»

Den «harten Kern» am Graben zu konzentrieren, hält auch Jeremias Niggli für vernünftig. «Wir verstehen, dass die Besuchenden und die Gewerbetreibenden am Graben von der neuen Anordnung profitieren.» Der neu gegründete Verein strebe aber an, eine Lösung zu suchen, die allen Anspruchsgruppen gerecht werde, so Niggli. «Durch die mehrfache Verschiebung der Stände gibt es aktuell vor allem Verlierer: Die Marktfahrenden und ihre Kundinnen und Kunden, welche die Stände nicht mehr finden.»

Aktuelle Nachrichten