Aarau
Aktionsplan: wenig Lob vom Verein, der die Energie-Initiative lancierte

Der Aarauer Stadtrat hat letzte Woche den Aktionsplan vorgelegt, mit dem für 2020 das erste Zwischenziel auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft erreicht werden soll. Das Tempo der Massnahmen zum Energiesparen sei zu zaghaft, kritisiert das ursprüngliche Initiativkomitee.

Sabine Kuster
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Gabriela Suter, Einwohnerrätin und esak-Mitglied: «Der Standardstrom sollte aus vollständig erneuerbaren Quellen stammen.»

Gabriela Suter, Einwohnerrätin und esak-Mitglied: «Der Standardstrom sollte aus vollständig erneuerbaren Quellen stammen.»

zvg

Letzte Woche hat der Aarauer Stadtrat den Aktionsplan vorgelegt, mit dem das erste Zwischenziel im Jahr 2020 auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft erreicht werden soll. Beschlossen wurden die Ziele 2012 an der Abstimmung über «Energiestadt Aarau konkret», kurz «esak».

Der gleichnamige Verein brachte damals seine Initiative zur Abstimmung. Er forderte, dass die Stadt Aarau bis 2025 durch die IBAarau AG keine Atomenergie mehr einkauft und ihr Strom aus vollständig erneuerbaren Quellen stammt. Das Volk nahm den gemässigteren Gegenvorschlag des Stadtrates an, welcher die 2000-Watt-Gesellschaft erst 2150 vorsieht.

Der Verein esak blieb aber bestehen. Nun nimmt er Stellung zum Aktionsplan des Stadtrates: Man nehme «irritiert zur Kenntnis», dass die Verwaltung zweieinhalb Jahre benötigt habe, um einen Aktionsplan vorzulegen, der erst ab 2016 – vier Jahre nach der Abstimmung – in Kraft treten solle.

Falls die Ziele für das Jahr 2020 erreicht würden, sei dies der IBAarau AG zu verdanken. «Diese hat, was uns sehr gefreut hat, rasch und unkompliziert den Auftrag der Aarauer Bevölkerung verstanden und beispielsweise mit der Planung und dem Bau von Fernwärmenetzen wichtige und wirkungsvolle Schritte in eine nachhaltigere Energiezukunft eingeleitet», schreibt der Verein.

Trotz der Kritik wird betont, man begrüsse den vorgezeichneten Weg: «Die vorgeschlagenen Massnahmen scheinen stimmig und versprechen eine Reduktion der Umweltbelastung.» Zusätzliches Potenzial sehen die esak-Mitglieder bei der Mobilität. Beispielsweise könnte mit dem Einbezug der Busbetriebe ein wichtiger Player des lokalen Verkehrs direkt in die Massnahmenplanung involviert werden. «Weiter wünschen wir dem Stadtrat mehr Mut.» Mit dem Prüfen von Massnahmen sei nichts erreicht, sondern zügige und umfassende Umsetzung sei gefragt.

Damit das Energiesystem umgebaut werden könne, seien Abgaben auf die Energie richtig. «Wir regen jedoch an, Abgaben nicht nur auf die Elektrizität zu erheben, sondern wenn möglich auch auf den fossilen Energieträger Erdgas.»

IBA hätte nicht genug Ökostrom

Die az hatte am Freitag publiziert, dass nur 12 Prozent des bei der IBAarau bezogenen Stroms Ökostrom ist. Darauf reagierte Gabriela Suter, SP-Einwohnerrätin und esak-Vereinsmitglied. Sie sagt, man hätte diesbezüglich schon lange eine Idee, wie der Atomstrom reduziert werden könne: «Der Standardstrom der IBAarau sollte aus vollständig erneuerbaren Quellen stammen, wie dies in der Stadt Zürich bereits der Fall ist.» Es sei ein Unterschied, ob man als Kunde aktiv etwas Neues wählen müsse oder den erneuerbaren Strom standardmässig angeboten bekomme.

Die IBAarau sah bisher aber davon ab. Laut CEO Hans-Kaspar Scherrer hätte das Unternehmen dazu nicht genug Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Mit Investitionen in Kleinwasserkraftwerke zum Beispiel an der Suhre und mit der Vergrösserung des eigenen Kraftwerkes im Rahmen der Neukonzessionierung will die IBAarau aber bis im Jahr 2035 zumindest 90% erneuerbaren Strom für alle Kunden anbieten können.

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