Aarau
AKB zahlt 3 Millionen an Reithalle – unter einer Bedingung

Die Aargauische Kantonalbank bringt das Projekt «Alte Reithalle» in Schwung. Sie ist bereit für den Umbau drei Millionen Franken beizusteuern. Doch die Kantonalbank setzt eine Frist bis 2019.

Sabine Kuster
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Das Argovia Philharmonic testet mit Rimsky-Korsakows «Scheherazade» die Akustik der Alten Reithalle. Jürg Nyffenegger

Das Argovia Philharmonic testet mit Rimsky-Korsakows «Scheherazade» die Akustik der Alten Reithalle. Jürg Nyffenegger

Jürg Nyffenegger

Es waren überraschend optimistische Worte vom Aarauer Stadtrat Hanspeter Hilfiker im Oktober des letzten Jahres: «Substanzielle Sponsoringbeiträge» dürften erwartet werden, jetzt, da die Alte Reithalle in Aarau nicht nur Theater-, sondern auch Konzertsaal werde. Offenbar wusste der Stadtrat damals schon, was die Aargauische Kantonalbank (AKB) am Montag mitteilte: Sie macht für den Umbau der Alten Reithalle drei Millionen Franken locker.

Nun zeigt sich, dass es tatsächlich ein cleverer Schritt war, nicht nur dem Aargauer Theater, sondern gleichzeitig auch dem Symphonieorchester Argovia Philharmonic eine neue Heimat zu schaffen. Denn die Argovia Philharmonic können mit der Aargauer Kantonalbank als Hauptsponsor auf deutlich mehr finanzielle Unterstützung zählen als die Theaterszene.

Sponsoren schliessen Lücke

Und ohne Sponsor würde wohl noch lange nichts aus diesem Kulturraum, der als Leuchtturm über den Kanton hinausstrahlen soll. Denn gratis ist er nicht zu haben: Knapp 20 Millionen soll der Umbau kosten.

Ohne Sponsoren kommt das Geld nicht zusammen, weil der Stadtrat im Rahmen des Sparprogrammes «Stabilo2» beschlossen hat, dass die Stadt statt der ursprünglich vorgesehenen 10,5 Millionen Franken nur noch 8 Millionen an den Umbau zahlen soll. Und weil abgemacht ist, dass der Kanton den gleichen Betrag beisteuert, fehlen nun knapp 4 Millionen Franken.

Die 3 Millionen der AKB schliessen die Finanzierungslücke also nicht ganz. Doch das Engagement der AKB soll weitere Private zum Sponsoring animieren. «Wir werden noch andere angehen», sagt Stadtrat Hanspeter Hilfiker. So hat sich das auch AKB-Direktionspräsident Rudolf Dellenbach gedacht: «Wir wollten ein Zeichen setzen, damit das Projekt zum Fliegen kommt», sagt er. Dellenbach ist bekannt als Klassik-Liebhaber und spielt selbst Cello.

Konzerthalle für den Aargau

Dass das Symphonieorchester Argovia Philharmonic seit dem Umbau des Saalbaus im Kultur- und Kongresshaus (KuK) in Aarau keine gute Konzerthalle mehr hat, reut Rudolf Dellenbach. Wie Tests ergeben haben, wäre die Akustik in der Alten Reithalle um ein Vielfaches besser. Dellenbach hat sich davon bei einer Probe des Symphonieorchesters selbst überzeugt.

Er findet: «Mit dem Umbau der Alten Reithalle ergibt sich die perfekte Gelegenheit, mitten im Herzen von Aarau eine Bühne für Theater, aber auch eine akustisch hervorragende Plattform für Proben und Konzerte des Argovia Philharmonic zu schaffen, wie es sich die Freunde klassischer Musik im Aargau schon seit langem wünschen.»

Dellenbach war es denn auch, der nach Gesprächen mit Orchester-Intendant Christian Weidmann und der Stadt Aarau das Sponsoring der AKB initiierte. Dass das Geld nicht nur der Klassik, sondern auch Theater und Tanz zugutekommt, stört ihn nicht, im Gegenteil: «Die Alte Reithalle soll ein multikultureller Ort werden», findet er.

Eine Bedingung hat die AKB aber an die Millionen geknüpft: Mit dem Umbau der Halle muss spätestens bis Ende 2019 begonnen werden. Was sagt Hilfiker zu diesem Zeitdruck? «Das hilft», findet er. «Wir arbeiten mit Hochdruck an den Nutzungsbestimmungen und der Kostenschätzung. Im Sommer sollten wir Klarheit haben.» Dann muss das Projekt noch vors Volk. Hilfiker hofft, dass die Aarauer die Tatsache, dass der Beitrag der Stadt gekürzt wurde, wohlwollend mit einem Ja zur neuen Alten Reithalle quittieren.

Aussergewöhnliches Sponsoring

Ein Sponsoring von drei Millionen ist auch für die AKB keine Alltäglichkeit: «In dieser Höhe hat es noch nie ein Mäzenatentum gegeben», sagt die Leiterin der Kommunikation, Ursula Diebold. Und nicht nur das: Drei Millionen sind mehr als der Gesamtbetrag, der die Bank jährlich für ihr reguläres Sponsoring ausgibt. Dazu zählt auch die Lenzburgiade, in welcher die AKB als Hauptsponsorin involviert ist.