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Airbnb: Mit der eigenen Wohnung lässt sich Geld verdienen

Mit der eigenen Wohnung lässt sich Geld verdienen: Das Angebot des Online-Wohnungsvermittlers Airbnb boomt auch im Aargau. Es gibt ganz unterschiedliche Übernachtungsmöglichkeiten. Für Mietwohnungen ist die rechtliche Situation unklar.

Janine Gloor
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Jakob Marti ist Dolmetscher und vermietet in Othmarsingen sein ganzes Elternhaus.

Jakob Marti ist Dolmetscher und vermietet in Othmarsingen sein ganzes Elternhaus.

Chris Iseli

Der Bedarf nach individuellen Ferienunterkünften wird immer grösser. Reisende wollen nicht in unpersönlichen Hotels unterkommen, sondern günstig und authentisch wohnen und vom Insiderwissen eines lokalen Gastgebers profitieren. «Weltweit zu Hause», das ist der Slogan des Wohnungsvermittlers Airbnb. Auf einer Onlineplattform können private Anbieter einzelne Zimmer oder ganze Wohnungen zur Miete ausschreiben.

Auf der Homepage von Airbnb findet man Unterkünfte in der ganzen Welt, so auch im Aargau. Das Angebot ist nicht so vielfältig wie in grösseren Schweizer Städten oder bekannten Tourismusregionen, doch die Gäste können auch hier eine Unterkunft wählen, die am besten zu ihnen passt.

Wie wäre es mit einer modernen Stadtwohnung in Aarau oder einem gemütlichen Einzelzimmer bei einer Familie in Dürrenäsch? In Seon kann zusammen mit dem Zimmer auch noch ein indisches Tuktuk für Ausflüge gemietet werden.

Willkommener Nebenverdienst

So unterschiedlich wie die Angebote sind auch die Gastgeber auf Airbnb. Rainer Rieder bietet in Lenzburg zwei Zimmer an. Regelmässig übernachten bei ihm Gäste aus dem nahen und fernen Ausland. «Es macht mir Spass, Leute aus anderen Kulturen kennen zu lernen.»

Die Vermietung der Zimmer hat für ihn durchaus auch einen finanziellen Aspekt, monatlich nimmt er damit ungefähr 600 Franken ein, ein willkommener Nebenverdienst. Die Kostenübersicht ist transparent: Das Geld wird vom Gast zunächst an Airbnb überwiesen, ist dieser eingezogen, erhält der Gastgeber 97 Prozent der Miete. Die Nachfrage ist sogar so gross, dass Rieder sich erlauben kann, wählerisch zu sein. Auf Geschäftsleute hat er keine Lust, deren Anfragen lehnt er generell ab.

Ein Haus für Grossfamilien

Eine spezielle Unterkunft bietet Jakob Marti in Othmarsingen an. Der meist in Spanien lebende Dolmetscher brachte es nicht übers Herz, sein Elternhaus zu verkaufen oder abzureissen. Stattdessen renovierte er es aufwendig. Das geschmackvoll eingerichtete Haus hat Platz für zehn Personen, Martis Hauptkunden sind Grossfamilien. «Das Haus hat schon immer eine grosse Familie beherbergt», sagt Marti. Er hat den Unterhalt des Hauses und des dazugehörigen Gartens als Hobby für sich entdeckt.

Für Marti ist Airbnb ein Mittel der Völkerverständigung, er geniesst den Austausch mit seinen Gästen. Mit 295 Franken pro Nacht ist das herrschaftliche Haus um einiges günstiger als ein Hotel mit ähnlicher Ausstattung für zehn Personen. Das Haus ist mehr als die Hälfte des Jahres ausgebucht. Auf das Geld ist Marti nicht angewiesen, mit den Einnahmen hält er das Haus im Schuss.

Vorsicht bei Mietwohnungen

Zu Problemen kann es bei einem Bed and Breakfast kommen, wenn es sich um eine Mietwohnung handelt. Wer via Airbnb Gäste in seiner Wohnung aufnimmt, ist verpflichtet, dies als Untermietverhältnis zu melden. Verzichtet ein Mieter darauf, kann das in einer Kündigung resultieren.

Schwierig zu beantworten ist die Frage nach dem Gewinn, der ein Mieter mit der Untervermietung machen darf. Momentan hinkt das Gesetz Airbnb noch hinterher, das Bundesgericht hat die Frage nach dem Gewinn bis anhin offen gelassen. Grundsätzlich ist eine gewerbliche Nutzung einer Mietwohnung nicht vorgesehen, das heisst, es ist dem Mieter untersagt, Gewinn aus der Wohnung zu schlagen. Das Obligationenrecht schreibt vor, dass ein Mieter seinem Untermieter keinen unangemessen hohen Mietzins verrechnen darf. Verlangt man für eine Airbnb-Nacht in der eigenen Wohnung deutlich mehr, als man selber zahlt, könnte das ebenfalls ein Kündigungsgrund darstellen.

Das sagen die Hoteliers der Region: Wenig Kritik an Airbnb bezüglich Konkurrenz

In touristischen Regionen ist Airbnb den Hoteliers ein Dorn im Auge. Dies, weil die privaten Vermieter keine Kurtaxen bezahlen und sich auch nicht an die strengen Sicherheitsvorschriften für Hotels halten müssen. Im Aargau hingegen gibt es kaum Kritik an Airbnb. Barbara Studer, Geschäftsführerin von Aargau Tourismus, glaubt nicht, dass Airbnb eine bedrohliche Konkurrenz für die Hotels darstellt.

«Airbnb sehen wir als Ergänzung zum bestehenden Unterkunftsangebot, denn jedes Gästebett, das zur Verfügung steht und einen guten Qualitätsstandard aufweist, ist für das Gesamtangebot wichtig», sagt sie. Sie sieht es als Chance, wenn die Gastgeber Auswärtigen die Region zeigen und sie auf versteckte Perlen aufmerksam machen können. «So entsteht für den Gast ein ganz persönliches Reiseerlebnis, das abseits der gängigen Empfehlungen der Reiseführer stattfindet.»

Mit Studer sind auch die Hoteldirektoren der Region grösstenteils einverstanden. «Ich habe nichts gegen Airbnb, die spielen in einer anderen Liga», sagt der Direktor des Hotels Kreuz in Suhr. Wie eine Umfrage bei weiteren Hoteliers zeigt, liegt der Hauptgrund für die Gelassenheit darin, dass ihre Gäste vor allem Geschäftsleute sind, die keine speziellen Erfahrungen, sondern geregelte und schnelle Abläufe für ihre Übernachtung wollen.

Kurt Gubser, Direktor der Herberge Teufenthal, sagt ebenfalls, man sei noch nicht stark von Airbnb betroffen. Aber: «Es wäre gerechter, wenn die Anbieter auch die Tourismustaxe von einem Franken pro Nacht bezahlen würden.» Es sollen für alle die gleichen Konditionen und gleich lange Spiesse gelten, findet auch Harald Raab vom Hotel Aarehof in Wildegg. (kus)

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