Aarau
Aeschbachhalle: Konkurs eröffnet – Mitarbeitende haben seit zwei Monaten keinen Rappen gesehen

Weil der Konkurs des Aarauer Unternehmens lange nicht eröffnet wurde, konnten die Mitarbeitenden auch keine Insolvenzentschädigung beantragen. Jetzt atmen sie auf.

Nadja Rohner
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Die Aeschbachhalle war nur etwa anderthalb Jahre in Betrieb. Schon vor Corona gab es Liquiditätsprobleme.

Die Aeschbachhalle war nur etwa anderthalb Jahre in Betrieb. Schon vor Corona gab es Liquiditätsprobleme.

Bruno Kissling

Vor mehr als fünf Wochen verkündete Ueli Biesenkamp, Verwaltungsratspräsident der Aeschbachhalle6 AG, das Aus für die Firma. Diese beschäftigte im Aarauer Aeschbachareal rund zehn Mitarbeitende und war zuständig für den Betrieb der Eventhalle, des Restaurants, der Bar und des Co-Working sowie eines Airbnb. Man habe beim Bezirksgericht die Bilanz deponiert, schrieb Biesenkamp in einer Mail an die Firma. Das war in der Nacht vom 27. November. Dann geschah lange gar nichts mehr.

Erst jetzt ist der Konkurs eröffnet worden. Dem Vernehmen nach hatte die Geschäftsleitung zunächst nicht die Bilanz, sondern nur eine Überschuldungsanzeige eingereicht. Das Bezirksgericht musste warten, bis alle notwendigen Unterlagen nachgeliefert wurden. Gleiches spielte sich laut «Thuner Tagblatt» im Kanton Bern ab, wo drei Firmen rund um Biesenkamps Konzepthalle – das dortige Pendant zur Aeschbachhalle – in Konkurs geschickt werden sollten.

Firmengründer Ueli Biesenkamp und sein Sohn Marc – der in der Aeschbachhalle eine Leitungsfunktion innehatte – reagierten nie auf Anfragen der AZ. Offenbar sind die beiden auch für die Angestellten nur schwer erreichbar. SMS, Anrufe und E-Mails würden ignoriert oder man werde vertröstet – das berichten gleich mehrere Mitarbeitende der Biesenkamp-Firmen, die sich wütend und verzweifelt an die AZ-Redaktion gewandt haben. Sie sind oder waren für Biesenkamps in der Aeschbachhalle oder in der Konzepthalle in Thun tätig.

«Bezahlen Rechnungen vom Ersparten»

Mit Namen wollen diese Mitarbeitenden nicht in der Zeitung erscheinen, weil sie Nachteile bei der Jobsuche fürchten. Die Personen berichten aber übereinstimmend, dass sie den Oktoberlohn nur teilweise, den Novemberlohn gar nicht mehr erhalten hatten. «Seither bezahlen wir unsere Rechnungen von unserem Ersparten», schildert ein Mitarbeiter der Konzepthalle im «Thuner Tagblatt». Einzelne hätten sich sogar verschulden müssen.

Weil der Konkurs so lange nicht eröffnet wurde, konnten die Mitarbeitenden auch keine Insolvenzentschädigung beantragen. Beim RAV blitzten sie mangels gültiger Kündigung teilweise ab. «Wir haben schlicht keine Möglichkeit, unsere Forderungen irgendwo geltend zu machen. Und wenn wir an einem anderen Ort eine Arbeit anfangen, verletzen wir unseren Arbeitsvertrag», erzählt der Mitarbeiter.

Erst am 15. Dezember kam ein kurzer Brief: «Hiermit kündigen wir das Arbeitsverhältnis aus ausserordentlichem Grund mit sofortiger Wirkung. Hilfsweise kündigen wir Ihnen zum nächstmöglichen Zeitpunkt.»

Gestern wurde die vorläufige Konkursanzeige für die Aeschbachhalle6 AG publiziert. Mitarbeitende haben gleichentags Post vom Konkursamt Oberentfelden erhalten – mit Formularen für den Antrag auf Insolvenzentschädigung. Sie hoffen, dass es nun vorwärtsgeht und sie bald Geld bekommen. «Sonst reichen wir eine Klage ein», sagt eine Mitarbeiterin zur AZ.

Wie es mit der Aeschbachhalle weitergeht, ist unklar. Sie gehört der Mobimo. Die Thuner Konzepthalle ist im Besitz der Stadt. Bei beiden Vermietern stehen die Biesenkamp-Firmen in signifikanter Mietschuld.

Biesenkamps Möbeldesign- und Handelsmarke, «Das Konzept», hat ihm ein Bekannter – der Thuner Unternehmer Tom Saurer – abgekauft. Zunächst betonte Saurer, er wolle die Konzepthalle in Thun weiterführen. Mittlerweile habe er daran aber kein Interesse mehr, sagte er im «Thuner Tagblatt.»