Aarau

Ärgernis leere Elektro-Parkplätze: Was drohen den Sündern für Bussen?

Viele Kontrolleure drücken noch beide Augen zu. Etwa die Stadtpolizei Aarau.

Wo darf der Automobilist parkieren? Die Regeln sind komplex (siehe auch Beispiele am Ende). Und die Vergesslichkeit ist gross – die Theorieprüfung liegt bei den meisten Jahre zurück. Unstrittig ist: Man stellt sein Auto nicht auf einen Behindertenparkplatz. Zuwiderhandlungen werden mit einer Busse von 120 Franken geahndet. Aber wie ist es bei den Parkplätzen mit Ladestationen für Elektroautos? Fakt ist: Es gibt davon immer mehr – und sie stehen meistens leer. Auch dann, wenn die Parkplätze und -häuser voll sind. Automobilisten haben Hemmungen, ihre Benzin- oder Dieselfahrzeuge auf einen E-Parkplatz zu stellen. Dabei drohen ihnen in der Praxis kaum Sanktionen, wie das Beispiel Aarau zeigt.

Erst jedes zwanzigste Aargauer Auto ist ein Stromer

Die Ausgangslage: Die Elektroautos, so die Industrie, stehen unmittelbar vor dem grossen Durchbruch. Entsprechend wird die E-Mobilität gefördert. Aber noch (Stand Ende September) gibt es im Aargau erst 2517 Personenwagen mit Elektroantrieb. Das entspricht einem Anteil 0,6 Prozent. Immerhin ist das Wachstum beachtlich: plus 60 Prozent innerhalb eines Jahres.

Die Bemühungen, die Infrastruktur für die E-Mobilität zu schaffen, sind gross. So hat sich die Eniwa zum Ziel gesetzt, 100 Ladepunkte zu installieren. Ende 2018 betrieb sie 52 Ladepunkte. Diese wurden im letzten Jahr durchschnittlich 17,9 Stunden genutzt – also nicht einmal an 1 von 365 Tagen. Die Einrichtung und der Betrieb von Ladestationen ist vergleichsweise teuer: Externe, die den Strom bei der Eniwa beziehen, zahlen für die Infrastruktur einmalig 600 Franken und monatlich 89.60 Franken. Beim AEW (neun öffentliche Ladestationen) kostet der Strom für Automobilisten 30 Rappen pro Kilowattstunde.

Noch nie einen E-Parkplatz-Sünder gebüsst

Auf öffentlichen Parkplätzen kommt für Besitzer von Stromautos neben den Energiekosten die ordentliche Parkgebühr dazu. In der Praxis haben sie das Privileg, dass sie nahezu stets einen freien Parkplatz finden. Was passiert mit denjenigen, die ihren Benziner sachfremd auf einen E-Parkplatz stellen? «Wenn zurzeit ein Personenwagen mit Verbrennungsmotor (Benzin/Diesel-Auto) auf einem E-Parkplatz parkiert und die Parkgebühr für diesen Parkplatz ordentlich bezahlt wird, wird keine Ordnungsbusse ausgestellt und auch keine Verwarnung ausgesprochen», schreibt Daniel Ringier, Leiter Abteilung Sicherheit von Aarau. Die Stadtpolizei hat noch nie einen E-Parkplatz-Sünder gebüsst.

Und wie ist es bei privaten Parkplatz-Betreibern? Bei der Aare Parking AG, der grössten Parkplatz-Betreiberin in Aarau (etwa «Bahnhof» und «Kaserne»-Parkhaus) werden Sünder von Betriebsmitarbeitern aufgeklärt – bis heute ohne Kostenfolge.

Ist Parkieren hier erlaubt? Zwei Beispiele

Wer hier parkiert, zahlt 40 Franken Busse.

Wer hier parkiert, zahlt 40 Franken Busse.

Auf den gelben Feldern auf der Kasinostrasse darf man anhalten, um Personen ein- und aussteigen zu lassen und/oder, um Güterumschlag zu tätigen (nicht nur eine kleine Einkaufstasche).

Legal, weil der nächste markierte Parkplatz weit hinten liegt.

Legal, weil der nächste markierte Parkplatz weit hinten liegt.

Entlang von Quartierstrassen darf man parkieren, wenn die Distanz zum nächsten markierten Feld mindestens 5 bis 6 Autolängen beträgt – eine minimale Strassenbreite ist nicht definiert.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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