Suhr

Ärger über Aufhebung des Lastwagenfahrverbots: Helgenfeld-Anwohner fühlt sich getäuscht

Nach den Mega-Staus wurde das Verbot doch aufgehoben: Die Ringstrasse vorher und nachher.

Nach den Mega-Staus wurde das Verbot doch aufgehoben: Die Ringstrasse vorher und nachher.

Im Vertrauen darauf, dass die Gemeinde Suhr das Lastwagenfahrverbot auf der Ringstrasse nicht aufheben werde, verzichtete Hans Mauch auf eine Einsprache gegen das Linksabbiegeverbot beim «Kreuz» – nun kam es doch anders.

Seit Montag dieser Woche verkehren Lastwagen legal auf der Ringstrasse in Suhr. Das Stau-Chaos im Dorfzentrum hat die Gemeinde dazu bewogen, nun doch vom bisherigen Regime abzuweichen.

Anders als der übrige Verkehr von Gränichen her, der während der Dauer der Grossbaustelle in Suhr via Ringstrasse und Weltimatt in Richtung Oberentfelden dirigiert wird, mussten die Lastwagen zunächst via «Kreuz» und «Bären» verkehren, beim Pfister-Kreisel wenden und erneut die Grossbaustelle passieren, um zur Bernstrasse West und so nach Oberentfelden zu gelangen.

Der Mega-Stau und die kritischen Situationen, die sich bei den engen Verhältnissen nicht zuletzt der Lastwagen wegen ergeben, hat der Gemeinderat entschieden, die Ringstrasse temporär auch für die schweren Kaliber freizugeben. Der Beschluss wird aus Sicherheitsgründen bereits vollzogen. Die Auflage mit 30-tägiger Einsprachefrist erfolgt parallel.

Einer, der sich dadurch vor den Kopf gestossen fühlt, ist Hans Mauch, Anwohner des von der Ringstrasse tangierten Helgenfeldquartiers. Mauch sorgte sich schon 2011 um die Sicherheit der Radfahrer und Fussgänger auf der Ringstrasse. Seither wurden Verbesserungen aufgegleist: Der Radweg, zumindest durch die Weltimatt, steht kurz vor der Vollendung, und die Tempo-30-Zone für das Wohnquartier und die Ringstrasse, die sich Mauch 2011 wünschte, liegt derzeit öffentlich auf.

Dass nun temporär das Lastwagenfahrverbot auf der Ringstrasse gefallen ist, bringt Mauch aber in Rage: «Ich bin mehr als konsterniert, dass nun auf dem Dringlichkeitsweg ohne vorgängige amtliche Bekanntmachung respektive Ausschreibung das Verbot mir nichts, dir nichts aufgehoben werden konnte.» Ihn nähme Wunder, auf welche Rechtsgrundlagen sich der parallel zur Auflage erfolgende Vollzug überhaupt stützt.

Mauch sieht sich von den Behörden getäuscht. Die Vorgeschichte dazu: Am 27. Februar erfuhr Mauch aus der AZ, dass das Linksabbiegen beim «Kreuz» in Richtung Oberentfelden während der Bauzeit unterbunden werde.

Tags darauf wandte er sich schriftlich an den kantonalen Baudirektor Stephan Attiger sowie an Suhrs Gemeindepräsidenten Marco Genoni. Ein zentrales Anliegen war ihm die Führung der Lastwagen. Schon heute, schrieb er, verkehrten fast täglich unautorisierte Lw auf der inoffiziellen Südumfahrung von Suhr. Und nun? «Wird da einfach das Lw-Fahrverbot/Zubringerdienst aufgehoben und quasi die ‹Südumfahrung› schleichend zementiert?»

Absichtserklärung der Gemeinde

Damals dachten die Behörden, insbesondere Projektleiter Alex Joss und der für Verkehrsanordnungen auf Gemeindestrassen zuständige Gemeinderat kaum an eine Aufhebung des Lastwagenfahrverbots auf der Ringstrasse.

Nach einem Gespräch mit dem Projektleiter und Philippe Woodtli, dem Geschäftsführer der Suhrer Verwaltung, erhielt Mauch denn auch per Brief vom 15. März von Woodtli den Bescheid, die Zuständigkeit liege bei der Gemeinde.

Und: «Die Gemeinde beabsichtigt, dieses Verbot weiterhin aufrechtzuerhalten.» Insbesondere so lange das Linksabbiegeverbot in Kraft sei, werde die Gemeinde «das Lastwagenfahrverbot verstärkt durchsetzen».

Nur: Die effektiv gewählte Lösung bewährte sich in der Praxis nicht und zwang die Gemeinde zu einer neuen Lagebeurteilung. Diese führte zum Abrücken vom ursprünglich angeordneten Lastwagen-Regime. Was Mauch besonders frustriert: Aufgrund des Bescheids der Gemeinde, lässt er gegenüber der AZ durchblicken, habe er im März darauf verzichtet, gegen das Linksabbiegeverbot beim «Kreuz» Einsprache zu machen.

Diesen Verzicht, argwöhnt er, habe sich die Gemeinde von der ihm gegenüber geäusserten Absichtserklärung wohl erhofft. Diese Rechnung sei nun «für die Behörden wunderbar aufgegangen». Im Übrigen sei nur das Linksabbiegeverbot aufgelegt und das Rechtsabbiegeverbot in der Gegenrichtung verschwiegen worden. Eine Täuschung der Öffentlichkeit sei das gewesen, findet Mauch.

Was aber, wenn sich die Lw weiterhin durchs Baustellengewühl zwängen müssten? Das wäre ja die Konsequenz, wenn das Lastwagenfahrverbot auf der Ringstrasse bestehen bliebe. Dringend nötig, findet Mauch, wären so oder so provisorische Überführungen vom «Bären» zum Bahnhof und zur Migros sowie beim «Dobi»-Fussgängerstreifen.

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