Pandemie

Adventskalender auf Beinen: Das Team der Aarauer Pfarrei Peter und Paul feiert «Advent dehei»

Eine Adventsfeier mit Schutzmaske und Kirchenliedern ab Konserve. Trotzdem tut das Zusammenkommen allen Beteiligten gut.

Eine Adventsfeier mit Schutzmaske und Kirchenliedern ab Konserve. Trotzdem tut das Zusammenkommen allen Beteiligten gut.

In Zeiten der Pandemie feiert das Team der Aarauer Pfarrei Peter und Paul jeden Abend vor einer anderen Haustür «Advent dehei». Täglich ziehen so zwei Mitarbeiter der Gemeinde los, um jemandem den Advent nach Hause zu bringen.

Da riecht es nach Rauch, da muss es sein. Die beiden Männer kramen auf dem Vorplatz in ihrem Sack, zünden die Teelichter für die Laternen an, aus dem Garten dringt fröhliches Schwatzen. Es fühlt sich nach Samichlausabend an, geheimnisvoll, ein Hauch von Aufregung liegt in der Luft. Doch statt Bärten ziehen sich die Männer ihre Schutzmasken vors Gesicht.

Die beiden Männer sind Burghard Förster und Adrian Bolzern. Förster ist Diakon und Gemeindeleiter der Aarauer Pfarrei Peter und Paul, Bolzern ist Priester und ausserdem schweizweit bekannt als Pfarrer der Zirkusleute und Markthändler.

Was sie an diesem Abend in die Aarauer Telli treibt, ist eine Aktion, die aus der Not entstanden ist: «Advent dehei». Werktags ziehen jeden Abend zwei Mitarbeiter der Gemeinde los, um bei jemandem den Advent nach Hause zu bringen. Ein Adventskalender auf Beinen quasi. «Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir an sie denken, und dass wir mit ihnen feiern wollen», sagt Förster.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Hinter dem Haus sitzen Annemarie Ehrsam und Paul Wettstein mit ihren Freunden Rita und Martin Berchtold am offenen Feuer. Die Freude über die Ankömmlinge ist gross, man kennt einander, flachst und lacht. Eine Tasse Tee aber schlagen die Seelsorger aus. Vorerst. «Erst die Arbeit, dann das Vergnügen», sagt Adrian Bolzern und kramt wieder, stellt einen Lautsprecher auf den Tisch, holt Wachsplatte und Baumwollfaden aus dem Sack.

Die Feier ist kurz, aber mit Symbolkraft. «Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht» ab Konserve, weil Singen nicht erlaubt ist, ein biblischer Text aus dem Buch des Propheten Jesaja, und dann die Geschichte des einsamen Baumwollfadens, der sich mit der verzweifelten Wachsplatte zusammentut, um gemeinsam als kleines, aber feines Licht zu leuchten. Zum Schluss geben Förster und Bolzern den Gastgebern einen Wunsch und den Segen auf den Weg, dazu Wachsplatte, Docht und einen Lebkuchen. Fürs Gemüt.

Das Gemüt. Es trägt schwere Last in diesen Tagen. Da tut der Besuch der Seelsorger gut. Und den Seelsorgern wiederum tun diese so ganz anderen Feiern gut. Es ist ein Geben und Nehmen, ein gemeinsames Feiern im kleinen Kreis. Und so bleiben Förster und Bolzern nach der «Arbeit» sitzen, warmgehalten mit Heizkissen, Decken und Kirschsteinsäckli, dazu gibt es Tee, Gerstensuppe und einen guten Tropfen Wein. Bolzern und Förster strahlen unter ihren Masken. Erwarten würden sie das natürlich nicht. «Aber es freut uns sehr», sagt Bolzern. Auch Annemarie Ehrsam strahlt, sie habe sich sehr auf diesen Abend gefreut: «Wir machen einfach mehr aus dem Advent, wenn Weihnachten in seiner gewohnten Form ausfällt.»

Sechs Gottesdienste an Heiligabend

Die Idee von «Advent dehei» kommt an, das Team ist ausgebucht. Das Bedürfnis nach anderen Formen des Feierns ist gross, denn die Gottesdienste können nur von maximal 50 Personen besucht werden. Das ist wenig, viel zu wenig. Das verlangt vom Team neue Ideen ab – und grossen Einsatz. Täglich gibt es eine «Besinnung» oder einen «Aufsteller des Tages», dank Whatsapp.

Die Kirche Peter und Paul ist mit Krippenfiguren-Szenen dekoriert und für jeden offen. Und für Heiligabend sind sechs statt zwei Gottesdienste organisiert, drei davon sind bereits ausgebucht. Und doch werden die Seelsorger damit nur einem Bruchteil derer gerecht, die an Heiligabend eine Messe besuchen möchten. «Normalerweise zählen wir an Heiligabend insgesamt 1250 Besucherinnen und Besucher», sagt Bolzern. Dieses Jahr werden es 300 sein. Wenn überhaupt. «Wer weiss, was bis zum 24. noch alles passiert.»

Was auch immer noch passiert; eines ist sicher: Die Aktion «Advent dehei» soll auch im kommenden Jahr wieder stattfinden. Zu gut sind die Erlebnisse, zu schön das Miteinander im kleinen Rahmen, als das man es auf diese Ausnahmesituation beschränken möchte.

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