Schloss Hallwyl
Acht Jahre nach Vergiftung wieder grösste Dohlen-Kolonie der Schweiz

2014 wurden über 80 Brutpaare registriert – fast so viele wie vor dem Anschlag im Jahr 2006. Fast jede Nische ums Schloss ist heute wieder von Dohlen besetzt.

Fritz Thut
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Eine Dohle der Schloss-Hallwyl-Kolonie auf einem Stuhl des Schlosscafés.

Eine Dohle der Schloss-Hallwyl-Kolonie auf einem Stuhl des Schlosscafés.

Fritz Thut

Schloss Hallwyl hat die Burg Riom im bündnerischen Oberhalbstein von der Spitze der Rangliste der grössten Dohlenkolonien in der Schweiz verdrängt. Über 100 Standorte vermerkt die Schweizerische Vogelwarte in Sempach auf ihrer Liste «Bestandesüberwachung Dohle, Resultate 2012–2014». Der Zusammenstellung kann entnommen werden, dass die Kolonie bei Hallwyl mit «über 80 Paaren» seit dem letzten Jahr wieder die grösste ist.

Dies ist nicht selbstverständlich, denn die Kolonie beim Seetaler Wasserschloss erlitt im Sommer 2006 einen herben Rückschlag, als nach einem Anschlag mit vergifteten Körnern die meisten Tiere gestorben sind. Trotz grossem Aufwand konnten damals die Untersuchungsbehörden den oder die Täter nicht eruieren.

Der Einbruch bei den beobachteten und gezählten Brutpaaren war damals massiv. Gemäss Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach wurden im Frühjahr 2006 92 Brutpaare gezählt; im darauffolgenden 2007 waren es noch 33 Paare. Damit war das Attribut «grösste Turmdohlenkolonie der Schweiz» verloren.

«Eine hoch gesellige Art»

In der Zwischenzeit hat sich der Bestand kontinuierlich erholt und seit letztem Jahr wieder den nationalen Spitzenwert erreicht. Für die grossen Schwankungen – auch ausserhalb von bekannten externen Eingriffen wie der Vergiftung – sind gemäss der Vogelwarte viele Faktoren verantwortlich: Vögel brauchen Brutplätze und genügend Nahrung.

Bei den Dohlen kommt hinzu, dass sie «eine hoch gesellige Art» sind, weshalb sich der Bestand deutlich verändern kann, wenn sich eine Gruppe im Umfeld einen neuen Lebensraum sucht. «Die Gründe der Dynamik dieser wechselnden Bestände hat man noch nicht zu 100 Prozent erkannt», so Michael Schaad von der Vogelwarte. Ebenfalls fehlen «Erfahrungen bei einer Teilauslöschung einer Kolonie».

Immerhin kann festgehalten werden, dass es den Dohlen beim Schloss Hallwyl gefällt. Hier sind offensichtlich viele Voraussetzungen erfüllt. Dies ist dem Kanton und lokalen Naturschützern zu verdanken. Bei der Gesamtsanierung des Wasserschlosses zur Jahrtausendwende hat man kooperiert und grossen Wert darauf gelegt, die Nist- und Brutplätze der Dohlen zu erhalten.

Jede Nische ist belegt

Gross ist deshalb die Freude vor Ort, dass sich die Kolonie nach dem Rückschlag von 2006 derart schnell erholt hat. Markus Haller, Vorstandsmitglied des Vereins Natur und Umwelt Boniswil, hat mit seinem Kollegen festgestellt, dass «fast jede Nische ums Schloss belegt ist». Auch Mauerhöhlen knapp oberhalb der Wasserlinie mit nicht idealen Voraussetzungen für die Aufzucht der Jungtiere habe man im letzten Jahr besetzt vorgefunden.

Die vorhandene Anzahl von Nistmöglichkeiten wird die Grösse der Schloss-Hallwyl-Kolonie limitieren. Tritt bei den Dohlen Wohnungsnot ein, werden sich wohl einige Vögel anderswo nach einer Bleibe umschauen, so Haller.

Der Boniswiler Tierschützer ist sich bewusst, dass der grosse Bestand nicht überall auf Gegenliebe stösst: «Nicht alle sind von den vielen Dohlen hier begeistert», so Markus Haller, wobei er etwa an die benachbarten Erdbeerbauern denkt.