Bahnhof Aarau
Absperrungen führen nachts zu gefährlicher Akrobatik

Wer am Wochenende spätnachts am Bahnhof Aarau seinen Zug erwischen wollte, staunte nicht schlecht. Der Bahnhof war durch mehrere Absperrgitter an den bekannten Ein- und Ausgängen schlicht und einfach zu. Das führte zu waghalsigen Aktionen.

Sarah Künzli
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Die Metallstreifen am Boden markieren, wo gesperrt wurde.
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Da überall der Weg vergesperrt war, sprang einer über das Geländer, um zu den Gleisen zu kommen.
Der Weg über Gleis 1 hätte direkt zu den anderen Perrons geführt.
Absperrungen am Bahnhof Aarau lösten Verwirrungen aus.

Die Metallstreifen am Boden markieren, wo gesperrt wurde.

Sarah Künzli

Die mehrheitlich jungen Leute, die gegen zwei Uhr nachts in Aarau auf den Zug nach Hause nehmen wollten, staunten nicht schlecht. Als sie den Bahnhof Aarau betreten, ist der Weg, den sie für gewöhnlich nehmen, versperrt. Weder durch die «Einsteinpassage» noch durch die beiden Zugänge (Coop und Apotheke) beim Haupteingang war ein Durchkommen möglich. Den mehreren Dutzend Passagieren blieb keine andere Wahl, als den gefährlichen Weg über die Gleise zu nehmen oder über die Metallgitterabsperrungen zu klettern, um ihren Zug nicht zu verpassen. Eine entsprechende Beschilderung oder Signalisation gab es nicht.

Was sagt die SBB zu den lebensgefährlichen Aktionen? SBB-Mediensprecherin Lea Meyer weiss: «Die Metallgitter am Bahnhof Aarau werden täglich immer um 1.30 bis um 4 Uhr nachts geschlossen, um die Verkaufsflächen zu schützen und auch die Reinigungsarbeiten rund um den Bahnhof zu ermöglichen.»

SBB überrascht über Reaktionen der Leute

Weil die Leute nicht wussten, wie sie nun ihren Zug erreichen sollten, kletterten sie in höchster Eile über die ungefähr drei Meter hohen Metallgitter oder rannten über die Gleise. Manche sprangen sogar vom ersten Stock auf die untere Etage über das Geländer. Einige hielten die Türen der Züge auf, damit auch die letzten, die über die Gleise gerannt kamen oder noch mit Klettern beschäftigt waren, mitfahren konnten.

Sie nahmen sogar waghalsige und gefährliche Unternehmungen in Kauf. «Nur wer sich auch um den Bahnhof herum gut auskennt, kann kurzfristig einen anderen Weg zu den Gleisen finden», meint einer der Jugendlichen, die um 2 Uhr vor dem gesperrten Bahnhoftreppen standen. «Ich habe nirgens Markierungen für einen Weg zu den Perrons gesehen und bin deshalb vom Obergeschoss über das Geländer beim Coop gesprungen», erzählt er.

Die SBB zeigt sich überrascht. «Wir haben bisher keine Reklamationen oder sonstige Kommentare dazu erhalten», sagt Lea Meyer. «Der Weg zu den Gleisen sollte entsprechend markiert sein», gibt sie den Ball an die Stadt weiter. Denn: Für die Wegweisungen sei die Stadt und nicht die SBB zuständig.

Möglichkeiten um zum Perron zu kommen

Möglichkeiten um zu den Perrons zu gelangen, wären die Treppen bei Gleis 1 oder via Bahnhofplatz beim Stadtdurchgang bei den Veloständern gewesen, sagt Lea Meyer. Dort hätte keine der Absperrungen im Weg gestanden, und man wäre gleich bei den Bahnsteigen gewesen.

Eine Überprüfung der az-Reporterin vor Ort zeigte, dass auch die neue Treppe beim Migrolino ausserhalb des Bahnhofgebäudes einen Zugang zum Bahnhof verschafft. Auch der WSB-Eingang an der hinteren Bahnhofstrasse steht den nächtlichen Zugreisenden offen.