Oberentfelden
Abgestürzte Spitze thront wieder über dem Oberentfelder Kirchturm

Die Oberentfelder Kirche hat ihre Spitze zurück, die vor einem Jahr in den Kirchengarten gestürzt war. Der vergoldete Gockel und die Kugel werden voraussichtlich Ende Woche montiert.

Pascal Meier
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Am Montagmorgen wurde die reparierte Spitze auf dem Kirchturm verankert.

Am Montagmorgen wurde die reparierte Spitze auf dem Kirchturm verankert.

Pascal Meier

Die reformierte Kirche in Oberentfelden hatte im Sommer 2013 schweizweit für Schlagzeilen gesorgt. An einem Donnerstag vor den Sommerferien löste sich die rund 100 Kilo schwere Spitze vom Kirchturm und stürzte in die Tiefe. Der an der Spitze befestigte Wetterhahn blieb am Dach hängen, die Spitze krachte mitsamt goldener Kugel auf den Vorplatz der Kirche – nur wenige Meter neben einem vorbereiteten Apéro für eine Beerdigung, die kurz darauf stattfand. Verletzt wurde niemand. «Gott sei Dank«, sagte der Pfarrer damals. «Ich habe gespürt, da ist eine höhere Fügung im Spiel.»

Die Aargauer Staatsanwaltschaft beschlagnahmte darauf die zerbeulten Teile der Turmspitze und eröffnete eine Strafuntersuchung. Die Bruchstelle auf dem Kirchturm wurde provisorisch mit einem Deckel geschlossen.

Holzkonstruktion war morsch

Seither ist die Oberentfelder Kirche ohne Spitze, Kugel und Güggel – bis gestern Morgen. Mit einem Kran wurde die drei Meter hohe Spitze auf den eingerüsteten Kirchturm gehoben und verankert. Schaulustige reckten unten die Köpfe und verfolgten die Arbeiten.

Die montierte Spitze ist jedoch erst ein Gerüst. Dieses wird in den nächsten Tagen mit Kupfer verkleidet. Die neue Kirchturmspitze soll sich äusserlich kaum von der alten unterscheiden. Voraussichtlich Ende Woche werden dann Kugel und Güggel an der Spitze montiert.

Die Kupferkugel, in der jeweils alte Dokumente für künftige Generationen hinterlegt werden, musste wegen der Schäden neu gefertigt werden.

Spitze und Gockel wurden seit März repariert. Die Staatsanwaltschaft hatte die Teile zuvor nach acht Monaten freigegeben. Dabei bestätige sich, was als Ursache für den Absturz bereits vermutet wurde: Die 150 Jahre alte Holzkonstruktion, in der die Spitze steckte, war wegen einer undichten Stelle in der Abdeckung durchgefault.

Busse von 1800 Franken

Der Absturz der Kirchturmspitze hatte auch ein Nachspiel für den verantwortlichen Architekten. Die Staatsanwaltschaft brummte diesem Anfang Februar wegen Verstoss gegen das Baugesetz eine Busse von 1800 Franken auf.

Denn Paragraf 52 Absatz 1 im Kantonalen Baugesetz besagt: «Alle Bauten sind so zu unterhalten, dass ihre Benutzenden und diejenigen von benachbarten Liegenschaften nicht gefährdet werden.»

Die Staatsanwaltschaft warf dem Architekten vor, die Umgebung der Kirche nicht sofort abgesperrt zu haben. Denn der verantwortliche Kirchenpfleger hatte diesen zwei Tage vor dem Absturz informiert, dass die Kirchturmspitze schräg stehe. Der Architekt überprüfte darauf den Turm mit einem Feldstecher und kam zum Schluss, dass keine Gefahr bestehe.

Man entschied aber, in den nächsten Tagen mit einer Hebebühne den Schaden aus nächster Nähe zu beurteilen. Dazu kam es nicht, tags darauf stürzte die Spitze zu Boden. Der Architekt hat die Busse akzeptiert.

Die reformierte Kirchgemeinde will die ganze Geschichte nun mit einem Happy End abschliessen. Am Sonntag, 14. September, findet um 10 Uhr die grosse «Güggel-Party» statt.

Nach dem Gottesdienst mit den Gospelujah-Singers und Kinderprogramm sind diverse Attraktionen geplant. Unter anderem wird unter Tambouren-Getrommel der Güggel feierlich enthüllt. Danach kann der Turm bestiegen werden. Auch Besucher mit knurrendem Magen kommen voll auf ihre Kosten: Auf dem Grill brutzeln frische Güggeli.