Grüsel-Imbiss
Abgelaufene Würste und dreckiger Kühlschrank: Take-away-Betreiber stand vor Gericht

Miserable Hygienezustände und der Verkauf von abgelaufenen Esswaren: Das Gericht spricht den Inhaber eines Take-aways schuldig. Er muss eine Busse bezahlen.

Noemi Lea Landolt
Merken
Drucken
Teilen

Dreissig abgelaufene Bratwürste, zehn abgelaufene Cervelats, zwei Packungen abgelaufener «Grana Padano». 16 Grad warme Fleischkäsesandwiches. Ein dreckiger Kühlschrank. Ein unhygienisches nach Urin stinkendes WC. Die Lebensmittelkontrolleure hatten Ende Juni 2017 in einem Take-away in Aarau viel zu beanstanden. Sie ordneten eine sofortige und dauerhafte Beseitigung der Mängel an und kündeten einen weiteren Kontrollbesuch an.

Zwei Monate später stehen sie wieder vor dem Imbiss und stellen fest: alles beim Alten. Weiterhin fehlt ein Hygienekonzept. Der Lachs in den Sandwiches ist angetrocknet. Die Herkunft des Fleisches nicht deklariert. Die Würste im Kühlschrank viel zu warm. 15,2 Grad messen die Kontrolleure. Sie entsorgen die Würste und stellen ein Benutzungsverbot für den Kühlschrank aus.

Anzeige in gravierenden Fällen

Zudem zeigt das Amt für Verbraucherschutz den Inhaber des Imbisses an. Das geschieht selten. «Im Jahr 2017 hatten wir rund 20 Anzeigen auf 2800 Inspektionen», sagt Alda Breitenmoser, Leiterin Amt für Verbraucherschutz des Departements Gesundheit und Soziales. Strafanzeige werde bei «gravierenden Vorfällen oder bei wiederholter Feststellung desselben mangelhaften Sachverhaltes» erstattet.

Der Inhaber des Take-aways wurde per Strafbefehl zu einer Busse von 1500 Franken verurteilt. Zusätzlich soll er die Strafbefehlsgebühr von 1000 Franken zahlen. Dagegen erhob der 53-Jährige Einsprache, weshalb der Fall vor dem Aarauer Bezirksgericht landete. Wie viele Fälle vor Gericht enden, kann Breitenmoser nicht beziffern. «Es sind aber sicherlich Einzelfälle.»

Der Beschuldigte erscheint am Dienstagmorgen ohne Anwalt zur Verhandlung. Er trägt weisse Turnschuhe, eine weisse Trainerjacke und blaue Trainerhosen. Er versteht nicht, warum er ein Hygienekonzept braucht: «Ich hatte das die letzten 25 Jahre auch nicht». Er wisse doch, dass man abgelaufene Lebensmittel entsorgen müsse. Aber als Inhaber könne er nicht überall sein und seine Angestellten kontrollieren.

Er habe Take-aways in der ganzen Schweiz und «so etwas passiert mir nur in Aarau, wo ich keinen Franken verdiene», sagt er Gerichtspräsidentin Bettina Keller. Vor Gericht beteuert er, es habe sich «alles total verbessert». Ausserdem führe den Take-away in Aarau unterdessen sowieso ein anderer Geschäftsführer im Franchising-Modell. Er sei nur noch Inhaber.

Er möchte Probleme diskutieren

Auch für die hohen Temperaturen im Kühlschrank hat der Beschuldigte eine Erklärung: «Im Sommer kann die Temperatur höher werden, wenn Mitarbeiter die Kühlschranktür öffnen.» Die Temperatur sei aber in den Würsten gemessen worden, sagt Keller. «Es kann sein, dass ein Kühlschrank kaputtgeht.»

Er verstehe nicht, warum man mit ihm nicht einen Termin vereinbart habe, sagt er in seinem letzten Wort. «Ich finde, wir sollten miteinander über Probleme diskutieren.» Doch diese Wurst ist längst abgelaufen. Er habe mehrmals die Möglichkeit gehabt, die Mängel zu beseitigen, sagt Keller.

Der Beschuldigte wird wegen mehrfacher vorsätzlicher Widerhandlung gegen das Lebensmittelgesetz sowie Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen schuldig gesprochen. Er muss eine Busse von 1500 Franken sowie die Gebühren zahlen. Keller klärt ihn auf, dass er gegen das Urteil innert zehn Tagen Einsprache erheben könne. «Das werde ich tun», kündigt er an. Wenn es sein müsse, gehe er bis vor die Bundesrichter in Lausanne: «Dann mit Anwalt.»