Aarau
Abendliches Shopping: Nicht für den Profit, sondern fürs Gemüt

Am 11. Night Shopping wollen Gewerbler nicht primär verkaufen, sondern Beziehungen pflegen. Das geht auf.

Deborah Onnis
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Deborah Onnis

Schon sehr bald fängt die Adventszeit an. In der Aarauer Altstadt findet man aber noch nicht überall Hinweise darauf. Wie jedes Jahr wird sie wohl erst mit dem Night Shopping am Freitag vor dem ersten Advent, also diesen Freitag, richtig eingeläutet. Parallel zum amerikanischen Black Friday, dem Freitag nach Thanksgiving, an dem Geschäfte mit Sonderangeboten und Werbegeschenken Kunden in grossem Mass in die Läden locken.

Die Vorbereitungen in den beteiligten Aarauer Läden laufen auf Hochtouren – über 80 sind beim Verein Zentrum Aarau Mitglied. Weit mehr Läden bleiben an diesem Abend aber geöffnet, wie Vereinspräsident Stefan Jost sagt. Dennoch bilden sie zusammen quasi ein grosses Einkaufszentrum. Das Night Shopping habe sich bis jetzt stets bewährt, deshalb wolle man es wie gewohnt fortsetzen.

Aber was ist eigentlich das Erfolgsrezept des Aarauer Vorweihnachts-Events? Vielleicht das ganze Lichtkonzept mit den romantischen Leuchten vor den Läden, die Musik in den Gassen, die lockere Begegnungsatmosphäre in den Läden oder ganz einfach die Beständigkeit? Wohl eine Mischung aus allem. Dieser Tag ist aber nicht nur für die Besucher aussergewöhnlich, sondern auch für viele Gewerbler, die an diesem Abend Besonderes planen.

Ein DJ und ein Nagelstock

Angefangen beim Rolling Rock Shop an der Rathausgasse. Dort wird im Schaufenster ein DJ für Sound sorgen. Aufwärmen kann man sich mit Irish Coffee und Glühwein. Und auf einem Nagelstock «so richtig den vorweihnachtlichen Stress rausprügeln können», wie es Laden-Mitarbeiterin Melanie Haiss beschreibt. «Der Abend ist wegen der lockeren Stimmung auch für uns cool», sagt sie. «Es ist schön, sich mit Kunden mal bei dieser Atmosphäre auszutauschen und zu begegnen.»

Wenige Meter weiter gibts im Möbelgeschäft Strebel den ganzen Abend Whisky und ein Jazz-Livekonzert. «Diesmal haben wir es edler gestaltet, weil wir denken, dass dies dem Geschmack unserer Kunden entspricht», sagt Rahel Meier, Mitarbeiterin und Organisatorin des Abend-
events. «Wir möchten mit unseren Kunden einfach einen schönen Abend verbringen.» Der Verkauf stehe bei ihnen nicht im Vordergrund. «Wir haben also auch keine Erwartung, dass sie etwas kaufen.» Es gehe viel mehr um die Beziehungspflege. Unter dem Strich nützt der Event dem Laden auch, da viele Kunden auch Freunde mitbringen, die den Laden kennen lernen können.

Vis-à-vis freut sich auch Esther Suter von Terra Pierra auf das Night Shopping. «Das ist der beste Anlass im Jahr.» Der Laden sei dann zeitweise ganz voll. «Das gibt ein gutes Gefühl für die Weihnachtssaison.» Einige Leute würden vielleicht nicht unbedingt gleich kaufen, aber nach diesem Tag kämen viele wieder zurück in den Laden. Die gleiche Erfahrung machte bis jetzt auch Marianne Bolliger vom Laden «Zauberhaft». «Viele Kunden sind zu einem späteren Zeitpunkt wieder gekommen.»

An der Metzgergasse hängen im Schaufenster des «Kaufhaus zum Glück» eingepackte Bilder: ein Adventskalender, der am Night Shopping mit Mirjam Graser, der Schöpferin der Bilder, eingeweiht wird. Inklusive Prosecco für die Gäste. Dazu gibt es Sound von einer DJane. «Das Night Shopping ist ein Highlight in der Vorweihnachtszeit», sagt Geschäftsführerin Karin Hostettler. An diesem Abend hätten sie erfahrungsgemäss mehr Kundschaft als üblich. «An diesem Abend sind wir aber nicht nur Laden, sondern auch ein Treffpunkt», sagt sie.

Für kleine Läden ein Segen

Auch an der Kronengasse ist der Laden «Küchenpunkt» an diesem Abend auf Begegnungen ausgerichtet. Draussen gibt es an einem kleinen Feuer heisse Gwürzschoggi und süsses Gebäck. Viele kleine Lichter sollen dann das Night-Shopping-Motto «Feuer und Flamme» unterstützen. «Dieser Abend ist für uns eine schöne Einstimmung und der Startschuss ins Weihnachtsgeschäft», sagt Geschäftsführerin Christina Jost. «Das Kleingewerbe schätzt den Event sehr.»

Gleicher Meinung ist Ralph Brütsch, Geschäftsführer von «Home Street Home» an der Pelzgasse. «Dann werden auch kleine, versteckte Läden gut wahrgenommen.»