Aarau
Ab in die digitale Zukunft: Die Bibliothek erfindet sich neu

Die Aarauer Stadtbibliothek befindet sich seit einem halben Jahrhundert am Graben. Dank stets neuen Angeboten ist sie jung geblieben

Daniel Vizentini
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Sie führen die Aarauer Bibliothek erfolgreich in die Zukunft (v.l.): Die Bibliothekarinnen Beatrice Altorfer und Lilo Moser mit Stadtrat Daniel Siegenthaler.

Sie führen die Aarauer Bibliothek erfolgreich in die Zukunft (v.l.): Die Bibliothekarinnen Beatrice Altorfer und Lilo Moser mit Stadtrat Daniel Siegenthaler.

Daniel Vizentini

Sie ist der beliebteste Treffpunkt von Aarau: 600 Menschen besuchen jeden Tag die Stadtbibliothek. Vor allem jetzt in den kälteren Jahreszeiten ist sie ein angenehmer, geheizter Ort, an dem man ohne Konsumzwang verweilen kann.

Und: Sie wird am Dienstag 50 Jahre alt, jedenfalls am heutigen Standort. An einer Medienkonferenz am Freitag führten Bibliotheksleiterin Lilo Moser und Stadtrat Daniel Siegenthaler durch die bewegte Geschichte der Bibliothek, die «für viele eine wichtige Funktion erfüllt und auf die der Stadtrat sehr stolz ist», sagte Siegenthaler.

Von einer Erfolgsgeschichte kann man bei der Bibliothek tatsächlich sprechen. Vielleicht, weil man dort bemüht ist, immer wieder neue Angebote einzuführen. In den 80er-Jahren eröffnete die Aarauer Stadtbibliothek als eine der ersten in der Schweiz eine Phonothek mit ausleihbaren Schallplatten und CDs.

Diese wird nun aufgelöst – CDs sind kaum noch gefragt –, dafür wird das digitale Angebot ausgebaut, denn die Anzahl ausgeliehener elektronischer Medien wächst rasant: Von 14105 im Jahr 2015 auf 38041 im 2018. E-Books der Aarauer Stadtbibliothek können heute per Internet von irgendwo auf der Welt aus von Mitgliedern ausgeliehen werden.

Vor Ort in Aarau kann man seine Bücher schon seit sechs Jahren an einer Maschine selber ausleihen und zurückgeben. Damit wurden personellen Ressourcen frei, die in Projekte und Veranstaltungen investiert werden konnten. 311 Events mit über 6500 Besuchenden führte die Bibliothek letztes Jahr durch – so viele wie noch nie. 2018 wurde auch der absolute Ausleiherekord erreicht: 7027 Kunden liehen 325988 Medien aus. Seit vier Jahren ist die Bibliothek im Winterhalbjahr auch sonntags offen.

Angebote wie das Drehen von Stop-Motion-Filmen, Game-Nachmittagen oder das Gruppenspiel Escape Room zeigen, wie breit gefächert die Aktivitäten in der Stadtbibliothek sind. Als Nächstes wird man sogar kleine Roboter programmieren lernen können.

Die Zukunft ist klar digital, dafür arbeitet die Bibliothek gerade am Projekt «Open Library». Sie wird dabei ein wichtiger Bestandteil der vom Stadtrat angestrebten «Smart City» Aarau werden. Digital ist der Medienkatalog schon längstens: Dafür verantwortlich war Lilo Moser selbst, gleich nachdem sie die 1996 die Leitung der Bibliothek übernahm.

Diskutiert wurde diese Informatisierung übrigens während Jahren: 1991 noch fiel sie Sparmassnahmen der Stadt zum Opfer. Dabei war die Bibliothek von ihrer ersten Stunde an sehr beliebt: 1300 Menschen kamen an die Eröffnung, als sie von ihrem alten Standort über der Alten Post in das Hübscherhaus zügelte.

«Die Bibliothek schlug ein wie eine Bombe, die Aarauer haben sie so richtig gefeiert», sagt Lilo Moser. Karl Ernst, ihr ehemaliger Chef und Bibliotheksleiter während 30 Jahren, wird am Dienstag in der Bibliothek anwesend sein. Dann werden auch die Preise für den fürs Jubiläum lancierten Geschichtenwettbewerb vergeben.