Egerkingen
Aargauer Transportriese Dreier investiert 40 Millionen in neuen Stützpunkt

Das Aargauer Logistikunternehmen Dreier AG baut in Egerkingen ein nationales Kompetenzzentrum. Auslöser waren auslaufende Mietverträge in Hunzenschwil, Aarau und Schöftland.

Erwin von Arb und Nadja Rohner
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So soll das Dreier- Kompetenzzentrum dereinst aussehen.

So soll das Dreier- Kompetenzzentrum dereinst aussehen.

ZVG

Es ist «die grösste je in der Firmengeschichte getätigte Investition». So steht es in einer Mediemitteilung, die die Dreier AG zu ihrem 111-Jahr-Jubiläum im letzten Herbst verschickt hat. Damals war von einem Betrag im zweistelligen Millionen-Bereich die Rede. Jetzt weiss man: Es sind rund 40 Mio. Franken.

Damit will die Logistik- und Transportfirma mit Hauptsitz in Suhr AG (450 Beschäftigte, 90 Mio. Franken Jahresumsatz im 2016) einen Neubau realisieren, der als Kompetenzzentrum für den kombinierten Verkehr dienen soll. Und zwar nicht in der Region, sondern im solothurnischen Gäu, genauer: in Egerkingen. An zentraler Lage mit Autobahnanschluss, in direkter Nachbarschaft zu anderen Logistikbetrieben wie Emil Egger, Planzer, Murpf.

Der Raum Aarau-Lenzburg verliert das also das Herz eines Traditionsunternehmens. Wegen auslaufenden Mietverträgen für Baustofflager an den Standorten Hunzenschwil, Aarau und Schöftland musste sich die Dreier AG nach einem anderen Standort umsehen, um ihren Dienstleistungsumfang in diesem Segment weiter führen zu können.

Die Dreier AG konnte das L-förmige Landstück nördlich der Industriestrasse in Egerkingen käuflich erwerben.

Die Dreier AG konnte das L-förmige Landstück nördlich der Industriestrasse in Egerkingen käuflich erwerben.

AZ

Künftiger Dreh- und Angelpunkt

Das von der Dreier AG erworbene Landstück befindet sich an der Egerkinger Industriestrasse. Auf der rund 20 000 Quadratmeter grossen Parzelle soll ein 60 Meter breites, 140 Meter langes und 20 Meter hohes Gebäude errichtet werden. Unterirdisch reicht der Bau 7,5 Meter in die Tiefe. Im Erdgeschoss sind 23 Rampen und im mit Lastwagen befahrbaren Unterschoss
5 Kombi-Rampen geplant.

Das Neubauprojekt soll ein Kompetenzzentrum sein, welches für die Dreier AG zum Dreh- und Angelpunkt für alle Verkehrsarten im kombinierten nationalen Verkehr werden soll. Dies vor allem mit Blick auf den Anteil beim Schienenverkehr, den die Dreier AG auf 50 Prozent erhöhen will, wie Hanspeter Dreier auf Anfrage des Oltner Tagblatts erklärt. Der Kauf des Areals mache in mehrfacher Hinsicht Sinn, zumal damit auch die Zusammenarbeit mit dem Paketzentrum der Post in Härkingen optimiert werden könne. Gleiches gelte für die Textillogistik, welche Dreier für H & M in Neuendorf abwickle. Mit dem Neubau könnten somit Synergien geschaffen werden, so Dreier.

Textilaufbereitung für H & M

Im geplanten Kompetenzzentrum sind denn auch für die Aufbereitung (auszeichnen und bügeln) der H & M-Textilien rund 2600 Quadratmeter eingeplant. Als Lagerfläche sind rund 20 000 Quadratmeter vorgesehen. 8580 davon befinden sich im Untergeschoss und sollen als Baustofflager dienen. Im Erdgeschoss ist ein 5800 Quadratmeter grosser Lager- und Umschlagplatz geplant, im zweiten Obergeschoss ein weiteres, 4800 Quadratmeter grosses Lager.

In Egerkingen angesiedelt sollen des Weiteren die Dispositionen «Baustoffe» und «Kombinierte Verkehre» sowie Administration und Verwaltung mit Besprechungsräumen, wofür insgesamt rund 1300 Quadratmeter vorgesehen sind. Dazu kommen weitere 1800 Quadratmeter vermietbare Bürofläche. Im Parkdeck im ersten Oberschoss sind 77 gedeckte Parkplätze geplant.

So soll das Dreier- Kompetenzzentrum dereinst aussehen.

So soll das Dreier- Kompetenzzentrum dereinst aussehen.

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Neue Stellen in Egerkingen

Mit der Realisierung des Dreier-Kompetenzzentrums würden auch über 200 Stellen ins Gäu verlagert oder teilweise neu geschaffen. 110 davon betreffen Chauffeure inklusive Lernende und sind daher nicht ortsfest. Ortsgebunden wären hingegen die 34 Arbeitsplätze im Baustoffbereich sowie die zehn Arbeitsplätze in der Textilaufbereitung. Dazu kommen 22 weitere Stellen samt Lernenden für Disposition, Administration und Verwaltung. Die Vermietung von Büroflächen soll weitere 40 Arbeitsplätze generieren.

Derzeit liegt auf der Bauverwaltung in Egerkingen der Gestaltungsplan «Dreier Industriestrasse» zur Mitwirkung auf. Architekt Claude Belard, der für die Planung zuständig ist, hofft auf einen Baubeginn im Frühling 2018. Der Bezug ist für Herbst 2019 vorgesehen. Darauf hofft auch Hanspeter Dreier. Denn damit könnten die Baustofflager in Hunzenschwil, Aarau und Schöftland in geordnetem Rahmen geräumt und die in Egerkingen gemieteten Umschlags- und Parkplätze bei der Dörfliger AG, der Pangas AG und bei der Valora aufgelöst werden.