Der Brief macht tief betroffen. «Täglich erkranken in der Schweiz Kinder und Erwachsene an lebensbedrohlichen Blutkrankheiten wie Leukämie. Diese Erkrankung betrifft leider auch unseren Schüler X*. Bei einem Teil der Erkrankten kann eine Chemo- und Strahlentherapie zur Heilung führen. Leider haben diese Behandlungen bei X. nicht zum gewünschten Erfolg geführt, sodass er nun auf eine Blutstammzellspende angewiesen ist.»

Es ist ein Auszug aus dem Brief, den Gesamtschulleiterin Denise Widmer und Martin Meyer, Schulleiter der Bezirksschule, Ende letzter Woche an die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Bezirksschule Suhr verschickt haben. Ein Brief mit dem Hinweis auf die Website Blutspende.ch, auf der sich Jeder und Jede als Stammzellspender registrieren kann.

Formuliert ist dies explizit als Hinweis, nicht als Bitte; das ist Denise Widmer wichtig. «Wir wollen niemanden dazu drängen, sich zu registrieren», sagt sie. Deshalb auch der Elternbrief. «Unserer Meinung nach gehört das Thema nicht ins Schulzimmer, um niemanden unter Druck zu setzen. Das sollen die Kinder mit ihren Eltern daheim besprechen.»

Gemeinsam mit Familie

Mit dem aktuellen Fall aus dem Zurzibiet, bei dem ein Spitalarzt mit einem Aktionstag den Spender und Lebensretter für ein 15-jähriges Mädchen finden will, hat Widmers Schritt an die Öffentlichkeit direkt nichts zu tun. «Ich habe vom Zurzibieter Fall erst später gehört», sagt Denise Widmer. Ihr und der ganzen Schulleitung sei es einfach nur ein grosses Bedürfnis, dem Buben und seiner Familie zu helfen. «Wir haben die Familie gefragt, wie wir helfen können, und haben uns gemeinsam dazu entschlossen, diesen Brief zu formulieren.»

Denise Widmer hofft nun, dass sich möglichst viele Menschen auf der Datenbank als Spender registrieren. Denn damit eine Blutstammzellspende erfolgreich ist, müssen die Gewerbemerkmale von Spender und Patient möglichst identisch sein. Dafür braucht es Abertausende registrierter Spender, die Quote passender Merkmalskombinationen ist verschwindend gering.

Doch für Denise Widmer zählt jeder Einzelne, der sich registrieren lässt, denn mit jedem steigt die Chance auf einen Treffer. «Wenn wir mit diesem Schreiben bewirken können, dass sich auch nur ein Dutzend neuer Spender auf der Website registriert, haben wir etwas erreicht. Und wer weiss, vielleicht findet sich ja jemand, dessen Gewebemerkmale so gut passen, dass unserem Schüler geholfen werden und er wieder vollständig genesen kann.»

Wer wie helfen kann

Auf www.blutspende.ch/de/blutstammzellspende können sich Spenderinnen und Spender bei Swiss Blood Stem Cells (SBSC), die im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit das Register für Blutstammzellspender in der Schweiz führt, registrieren. Spender müssen zwischen 18 und 55 Jahre alt, in guter gesundheitlicher Verfassung und in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein krankenversichert sein.

Für eine Registrierung braucht es keine Blutabnahme, sondern nur eine Mundschleimhautprobe, die zu Hause mit einem Wattestäbchen entnommen werden kann. Anhand dieser Probe werden die Gewebemerkmale bestimmt. Weiter muss ein Fragebogen ausgefüllt werden.

*Name geändert