In ihrem Wohnort im aargauischen Suhr sei mitten im Dorf ein Bordell betrieben worden. „Dieses Haus, in dem sich Frauen aufhielten und in dem Männer ein und aus gingen, zog mich magisch an“, erzählte die Wahlberlinerin am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Später, als Filmstudentin, lebte Volpe selber im Zürcher Rotlichtviertel. „Obwohl die Prostituierten dort Frauen waren wie meine Freundinnen und ich, lebten sie in einer Parallelwelt, von der ich nichts wusste“.

Um der Welt des käuflichen Sex’ näher zu kommen, entschloss sich die damals 22-jährige Studentin, als Sextelefonistin zu arbeiten. Wider Erwarten seien die Kunden oft keine einsamen Freaks gewesen, „sondern gebundene oder verheiratete Männer und Familienväter“.

Recherche im Zürcher Rotlichtmilieu

„Wenn der Service zu Ende war, habe ich versucht, sie in ein Gespräch zu verwickeln". Da habe sie gemerkt, wie gross oft das Bedürfnis der Männer gewesen sei, über Beziehungsprobleme oder Schwierigkeiten im Bett zu sprechen.

Für ihren ersten Kinospielfilm „Traumland“ recherchierte die 43-jährige Regisseurin intensiv im Zürcher Rotlichtmilieu: "Je tiefer ich in diese Welt eintauchte, desto mehr Fragen hatte ich an die Welt ausserhalb, an die Gesellschaft."

Das Drama mit Filmgrössen wie Ursina Lardi, Stefan Kurt oder Bettina Stucky in den Hauptrollen, ist in mehreren Kategorien für den Schweizer Filmpreis nominiert, darunter in der Sparte "Bester Spielfilm". „Traumland“ startet am 20. Februar in den Deutschschweizer Kinos.

Regisseurin Volpe zeigte sich an den Solothurner Filmtagen überglücklich über die Nominationen. "Das bringt dem Film und dem Thema die nötige Aufmerksamkeit."