Buchs/Suhr

Aargauer Heimatschutz erhebt Einsprache gegen Kleinwasser-Kraftwerke

Die Wuhre im Lochergrien ist noch am besten erhalten, der Heimatschutz will wenigstens diese erhalten.

Die Wuhre im Lochergrien ist noch am besten erhalten, der Heimatschutz will wenigstens diese erhalten.

Der Heimatschutz ist gegen die Kleinwasserkraftwerke in Buchs und Suhr. Die Wuhren sollen geschützt bleiben, so seine Haltung. Dagegen will die IBAarau mehrere Kleinwasserkraftwerke bauen.

Dass die fünf Wuhren an der Suhre in Buchs und Suhr für Kleinwasserkraftwerke geopfert werden sollen, passt dem Aargauer Heimatschutz nicht. Gegen die Revision der Nutzungsordnung, welche zum Ziel hat, den kommunalen Schutz dieser Kulturobjekte aufzuheben, hat er Einsprache erhoben. Wie sich die IBA Kraftwerke AG, welche unter anderem mit dem Wasserstrom aus der Suhre die Energieziele der Stadt Aarau umsetzen will, dazu stellt, war nicht zu erfahren. (Wuhre steht übrigens für Wehr, bezeichnet aber darüber hinaus das Bewässerungssystem der Wuhren.)

Wie Ammann Urs Affolter erklärt, hofft der Gemeinderat, die Angelegenheit bis in zwei Monaten abzuhandeln. Der Aargauer Heimatschutz könnte sich allenfalls damit abfinden, dass nur ein Wehr erhalten bleibt, nämlich jenes im Lochergrien. Dies war von Henri Leuzinger, Geschäftsführer beim Aargauer Heimatschutz in Brugg, zu erfahren. Die Wuhre im Lochergrien ist nicht nur am besten erhalten, sondern auch industriegeschichtlich von besonderer Bedeutung.

Heimatschutz gegen Naturstrom

Heimatschutz, Naturschutz, Naturstrom? «Immer geht es um die Abwägung von Interessen», sagt Gemeindeammann Urs Affolter. Bis vor wenigen Jahren standen die Interessen der Natur im Vordergrund. Niemand wagte es, sie infrage zu stellen.

Um 2005 plante der Kanton, die Stauwehre an der Suhre und der Wyna abzubrechen, um die beiden Flüsse auf der ganzen Länge hindernisfrei zu vernetzen. Denn die heutigen Verbauungen können die Fische nur abwärts, nicht aber aufwärts überwinden. Mit dem Vorhaben der IBAarau, an insgesamt sechs Standorten (inklusive Muhen) Kleinwasserkraftwerke zu bauen, wurden solche Pläne, die ausschliesslich naturschützerische Anliegen zum Ziel hatten, aufgegeben, zumal die Kraftwerkprojekte vorsehen, dass Unter- und Oberwasser mit einer technischen Aufstiegshilfe für die Fische vernetzt werden. Flussabwärts könnten die Fische die Anlagen unbeschadet durch die Wasserkraftschnecken passieren.

Umweltverbände in Schöftland

In Schöftland, wo die Gemeinde ein Kleinwasserkraftwerk bauen will, sehen das die Umweltverbände anders: Gegen den «unverständlichen Entscheid» des Kantons, der das Projekt bewilligt hat, haben Aqua Viva, WWF Aargau und WWF Schweiz Beschwerde eingereicht (die az berichtete). Sie fordern statt des neuen Kraftwerks den Rückbau der alten Anlage und die naturnahe Gestaltung der Suhre.

WWF gegen Suhre-Kleinkraftwerk: Aqua Viva und der WWF haben beim Regierungsrat Beschwerde gegen das Kleinkraftwerk in Schöftland.

WWF gegen Suhre-Kleinkraftwerk: Aqua Viva und der WWF haben beim Regierungsrat Beschwerde gegen das Kleinkraftwerk in Schöftland.

Im Unterlauf der Suhre überlassen die Umweltverbände das Feld dem Heimatschutz, der sich in Schöftland wenig Chancen ausrechnete. Dafür umso mehr in Buchs, wo sich Geschäftsführer Leuzinger daran stört, dass der kommunale Schutz für die Kulturobjekte der Wuhren plötzlich nicht mehr gelten soll.

Unterschiedliche und wechselnde Interessen führten schon immer zu Konflikten. In vorindustrieller Zeit wurde das Wasser von Suhre, Wyna und Stadtbach nicht nur zur Bewässerung der Matten, sondern auch als Antriebsenergie genutzt. «Wem das Wasser zu welchen Zeiten zur Verfügung stehen sollte, musste immer wieder neu ausgehandelt werden», weiss Dorfhistoriker Josef Albisser. Bis um 1940 prägten die Wässermatten die Tallandschaften der beiden Flüsse. Mit dem Anbauplan Wahlen während des Krieges wurde die Suhre 1941 über weite Strecken kanalisiert. Die Bewässerungsgräben wurden eingeebnet, das Wiesland zu Ackerland umgepflügt. Die einzigartige Landschaft der Wässermatten fiel der Melioration zum Opfer.

Dass die Stauwehre als Kulturobjekte unter Schutz gestellt wurden, hinderte diese allerdings nicht daran, mehr und mehr zu zerfallen. Dies brachte auch Josef Albisser, der die Anlagen bis ins Detail dokumentiert hat, zur Einsicht, dass «es keinen Sinn macht, sie zu erhalten».

Die Wuhren sind in schlechtem Zustand. Möglicherweise hat auch dies den Heimatschutz bewogen, einen Eventualantrag zu stellen, gemäss dem man sich mit der Erhaltung der Wuhre Lochergrien zufrieden geben könnte.

Setzt sich der Heimatschutz mit seinem Eventualantrag in Buchs durch, könnten in Buchs, Suhr und Muhen statt der sechs noch fünf Kleinwasserkraftwerke realisiert werden. Ob sich die IBAarau damit abfindet, darüber schweigt sich das regionale Energieunternehmen in Anbetracht des laufenden Verfahrens noch aus.

Bis auf das Lochergrien könnten die Staustufen, die für die Fische flussaufwärts unüberwindliche Hindernisse darstellen, eliminiert werden, was im Sinne des Naturschutzes wäre. Für das Lochergrien müsste, sofern dies technisch möglich ist, eine andere Lösung gefunden werden.

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