Dampfbahn

Aargauer Furka-Freunden fehlt das Geld: «Es sah dramatisch aus, selbst Eichenbalken sind verfault»

Die Aargauer Frondienstler wollen schon seit Jahren einen Unterstand in Realp für die originalgetreu renovierten Wagen der Furka-Dampfbahn. Ihre Hoffnungen erlitten nun einen argen Dämpfer: Der Dachverband stoppt wegen Geldmangels alle nicht betriebsnötigen Projekte.

Mit Freude und Sorge blickt die Aargauer Sektion im Verein Furka-Bergstrecke in die Zukunft. Gut läuft es in der Aarauer Werkstatt an der Rohrerstrasse. Dank ein paar Zuzügern haben die Frondienstler letztes Jahr rekordverdächtige 10 000 Stunden Arbeit geleistet, sagt Werkstattleiter Werner Beer. Das Problem der Aargauer: Der Dachverband stoppt wegen Geldmangels alle nicht betriebsnötigen Projekte. Dazu gehört der Neubau einer Remise in Realp für rund 2,5 Millionen Franken. Ohne diese stehen die wunderschön und originalgetreu renovierten Wagen aus dem Aargau den langen, harten Winter im Freien.

Kosten für Planung bezahlen

Die jahrealten Hoffnungen der Aargauer auf die neue Halle erlitten durch den Finanzierungsstopp zuerst einen argen Dämpfer. Doch jetzt nehmen sie das Heft selber in die Hand und bezahlen die Planungskosten. "Die Baubewilligung liegt vor, die Finanzierung fehlt noch", erklärt Beer. Wenn 75 Prozent der Gelder gesichert sind, teils auch durch Darlehen, kann der Bau beginnen. Obwohl die dringende Suche nach Sponsoren und Geldgebern weiter läuft, hofft der Werkstattleiter, die 70 Meter lange Halle könne 2018 und 2019 gebaut werden. Danach könnten die vier ganzen Züge von Oktober bis Ende Mai endlich wintersicher abgestellt werden. Die Remise ist oberhalb von Realp vorgesehen, nahe beim Bahnhof der Furka-Dampfbahn.

Es zischt, dampft und pfeift: Eindrücke von der Dampfbahnfahrt am Furkapass – neben den Geleisen und aus dem Führerstand.

Es zischt, dampft und pfeift: Eindrücke von der Dampfbahnfahrt am Furkapass – neben den Geleisen und aus dem Führerstand.

(Juni 2015)

Ziele des neuen Präsidenten

Zu den Prioritäten des neuen Präsidenten Hans Fellmann aus Gränichen gehört die Finanzierung der Remise. Man wolle Firmen, Sponsoren und Stiftungen für die Dampfbahn begeistern, betont er. Als weitere grosse Aufgabe sieht er den Erhalt der ideal eingerichteten Werkstätte im alten Schlachthaus der Stadt Aarau. Der Vertrag laufe nur noch bis 2021, mit jeweils nur einjähriger Verlängerung. "Für den Erhalt der Werkstatt werde ich mich einsetzen", verspricht Fellmann, der als langjähriger Gemeindeammann von Gränichen viel politische Erfahrung hat. Präsident ist er erst seit Anfang März – als Nachfolger von Kurt Baumann aus Baden-Rütihof. Diesen traf ein tragisches Schicksal: Nach der Begrüssung zur Arbeitswoche auf der Furka-Bergstrecke sank er im letzten Herbst plötzlich zusammen, von einem Hirnschlag getroffen. Bereits auf dem Weg zur Besserung, starb der erst 67-jährige Kurt Baumann überraschend in der Reha. Ganz in seinem Sinne haben seine Familie und die Sektion Aargau der DFB in ihren Todesanzeigen zur Spende für die Remise aufgerufen.

Unter dem Bergwetter gelitten

Der jetzt in Aarau revidierte Vierachser mit Nummer AB 4453 kam letzten Sommer nach 16 Jahren im harten Bergeinsatz zurück. Die Konstruktion ist bei allen Wagen aus Holz, das durch eindringendes Wasser vermodert. "Es sah teils dramatisch aus, selbst Eichenbalken sind verfault", betont Werkstattleiter Werner Beer. Fahrgestell und alle brauchbaren Teile von Oberbau und Dach werden erneut verwendet, alles andere wird ganz oder teilweise ersetzt, durch die fachlich versierten rund 70 Frondienstler. Sie arbeiten präzis und mit viel Liebe zum Detail, die Wagenwerkstatt Aarau hat längst den Ruf als Kompetenzzentrum für historische Bahnwagen. Der im Aufbau stehende Wagen hat eine gepolsterte 1. Klasse und ist knapp 15 Meter lang. Schon in Vorbereitung sind ein Hilfswagen mit Dienstabteil und ein weiterer Vierachser der 2. Klasse mit den schönen Holzbänken.

"Von der Technik bin ich fasziniert, wir generieren immer wieder neues Wissen", sagt Werner Beer, der als Herz und Hirn der Werkstätte Aargau alles organisiert, leitet und mit einem bewundernswerten Tatendrang überall auch selber zupackt. Für den Betrieb der Furka-Dampfbahn, dieses Jahr vom 24. Juni bis 8. Oktober, leisten die Aargauer einen lebenswichtigen Beitrag.

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