Aarau
Aargauer Altstädte lancieren eine gemeinsame Marktoffensive

Die Altstädte im Kanton Aargau wollen ihre Kräfte bündeln, um mehr Besucher anzulocken und mehr Umsatz zu generieren. Im Naturama in Aarau haben Vertreter der Städte von Aarburg bis Zofingen eine IG Altstadt gegründet.

Hubert Keller
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Mit der Sanierung der Gassen hat die Altstadt Aarau viel an Attraktivität gewonnen, der Druck auf die Detailhändel hat deshalb nicht abegnommen.

Mit der Sanierung der Gassen hat die Altstadt Aarau viel an Attraktivität gewonnen, der Druck auf die Detailhändel hat deshalb nicht abegnommen.

Jiri Vurma

Die Aargauer Altstädte sind schön, schaffen Emotionalität und Identität, sie liegen im Trend zunehmender Urbanität, sie sind Orte der Zugehörigkeit und der Begegnung. Doch sie verlieren an Kaufkraft, die Detaillisten in der Stadtmitte stehen unter Druck, viele kämpfen ums Überleben.

Das Problem ist erkannt, doch bis jetzt wurde mehr lamentiert und analysiert als gehandelt. Vertreter Aargauer Altstädte von Laufenburg bis Aarburg und Zofingen bis Brugg beschlossen an einem Meeting am Samstag im Naturama in Aarau dies zu ändern. Eingeladen hatte Aargau Services Standortförderung, eine Abteilung des Departements Volkswirtschaft und Inneres. Das grosse Interesse bewies, wie stark das Problem unter den Nägeln brennt. Die rund 45 Teilnehmenden vertraten zwölf Ortschaften und viele touristische und gewerbliche Organisationen sowie Politik und Verwaltung.

Ihre Auslegeordnung zeigte nicht nur Problemfelder, sondern auch Chancen auf. Diese sollen genutzt werden, gemeinsam: Beschlossen wurde die Gründung einer «IG Altstadt», die gemeinsame Promotions- und Marketingthemen lanciert und bewirtschaftet. «Die Aargauer Altstädte sollen vom Notstandsgebiet zum Standort- und Wirtschaftsfaktor werden», sagte Marcel Suter, Präsident der Aarauer Detaillistenvereinigung Zentrum, etwas provokant. «Die Altstädte, die wie die Schlösser typisch sind für den Aargau, wollen wir zu einer starken Marke entwickeln und gemeinsam promoten.»

In kurzen Gruppengesprächen suchten die Teilnehmenden nach praktischen Inputs zuhanden der Kerngruppe, die mit Oliver Bachmann (Aargauer Standortförderung), Marcel Suter (Detaillistenvereinigung Aarau) und Andreas Burri (Wirtschaftsstelle Aarau) gebildet wurde.

Die Touristiker, im Aargau bereits gut vernetzt, wurden konkret und schlugen Themenschwerpunkte vor, die gemeinsam bearbeitet werden können, zum Beispiel Brugg mit den Römern oder Zurzach mit der Therme und der heiligen Verena. Eine Gast-Altstadt könnte jeweils an der Aargauer Messe Aarau AMA teilnehmen, ein Foxtrail durch die Aargauer Altstädte führen.

Die Leute aus den Verwaltungen sorgten sich bereits um die Finanzen, die für das Projekt generiert werden sollen. Das Gewerbe will das emotionale Einkaufserlebnis Altstadt entwickeln. Die Politik setzte sich mit dem Einkaufsverhalten und dem Problem auseinander, dass das, was man sagt, selten übereinstimmt mit dem, was man macht. Das Bewusstsein der Einwohner müsse mit einer Kommunikationsoffensive geschärft werden

Politik, Denkmalpflege, Gewerbe, Bewohner und Grundeigentümer sollten, so eine weitere Forderung der Politik, an einen Tisch gebracht werden. Und in «Gassenclubs», wie sie Paul Hasler (Netzwerk Altstadt) vorschlug, könnten Bewohner, Mieter und Eigentümer, Wirte und Ladeninhaber in den Strassen und Quartieren ihre Interessen und Differenzen austarieren.