Aarau

«Aarefische» sind aktuell Landratten und doch Stars

Willy Bolliger (links hinten) während der TV-Aufzeichnungen im Februar im Hallenbad Telli.

Willy Bolliger (links hinten) während der TV-Aufzeichnungen im Februar im Hallenbad Telli.

Einer der grössten Aarauer Sportvereine hat heute Abend einen nationalen TV-Auftritt.

Ein Lichtblick in schwierigen Zeiten: Am Samstagabend (19.20 Uhr) steht der Schwimmclub Aarefisch Aarau für 90 Sekunden im nationalen Rampenlicht. Nach der Ziehung der Lottozahlen strahlt das SRF einen Kurzfilm über die Verwendung von Swisslos-Geldern aus. Die «Aarefisch» haben in den letzten Jahren mehrmals Beiträge aus dem Fonds bekommen, was kräftig mitgeholfen hat, damit sich der Verein unter anderem eine eigene Zeitmessanlage leisten konnte. «Nun müssen wir nicht mehr für jeden Wettkampf aufwendig eine Anlage anmieten, erklärt Willy Bolliger, Präsident des Schwimmclubs.

Verein hat ein Budget von fast einer Million Franken

Die «Aarefisch» sind in der Szene eine grosse Nummer. Sie beschäftigten drei vollamtlich tätige Profi-Trainer, haben ein Budget von rund 960000 Franken und führen jährlich etwa 280 Schwimmkurse mit rund 2000 Teilnehmern durch. Aarau gehört zu den Top 8 Nachwuchsstützpunkten fürs Schwimmen in der gesamten Schweiz und war in den letzten Jahren an den Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften jeweils unter den drei besten Vereinen.

Im Moment ist das Vereinsleben weitgehend lahmgelegt. Es wird weder geschwommen noch ins Wasser gesprungen. «Wir dürfen wegen Corona nicht im Wasser trainieren», erklärt Willy Bolliger. Die Hallenbäder sind geschlossen. Die Elitesportler trainieren mit individuellem Programm jeden Tag drei bis vier Stunden an Land, um sich fit zu halten. Neben den sportlichen gibt es auch finanzielle Herausforderungen: Wegen des Ausfalls der täglichen Schwimmkurse und des Intensivkurses während der Frühlingsferien fehlen wesentliche Einnahmen. «Wir mussten für alle Angestellten des Vereins Kurzarbeit anmelden», sagt ­Bolliger.

Die Aufnahmen für den TV-Film sind zum Glück bereits im Februar gemacht worden. Im Hallenbad Telli. Der Fokus lag auf den jüngsten Sportlern ­(Mini-Talents) und den Elite-­Schwimmern (interviewt wird Dario Wickihalter, Mitglied der Junioren-Nationalmannschaft).

Expansion Richtung Brugg und Traglufthalle in Suhr

Der Schwimmclub Aarefisch hat grosse Projekte: Er wird im Juli 2021 in der Badi Schachen die Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften durchführen. «Das ist der grösste Anlass in der Schweiz im Schwimmbereich», erklärt Bolliger.

Die «Aarefisch» haben sich dafür bereits die Unterstützung des Zivilschutzes (ZSO Aare Region) gesichert. Er wird im Freibad die Tribüne auf- und abbauen.

Zudem will sich der Verein vermehrt auch Richtung Brugg orientieren, wo es zwar ein Hallenbad, aber keinen Schwimmclub hat. «Wir wollen dort Fuss fassen», so Bolliger.

Weil das Angebot an gedecktem Wasser im Raum Aarau ohnehin schon relativ klein ist und zudem das Hallenbad Telli bald saniert werden muss, ist das Projekt einer Traglufthalle in der Badi Suhr für die «Aarefisch» überlebenswichtig. «Der Bedarf nach neuem Wasser in den Wintermonaten ist mehr als ausgewiesen», sagt Bolliger. Aktuell läuft das Verfahren für einen Baugesuchsvorentscheid. Und da gibt es erfreuliche Nachrichten: Die einzige Einsprache ist zurückgezogen worden. Es fehlt nun noch die Zustimmung des Kantons, weil mit der Halle der Gewässerabstand zur Suhre in einem kleinen Bereich unterschritten würde.

Eine grössere Herausforderung dürfte die Finanzierung des 2,9 Millionen Franken teuren Projektes werden, die primär durch die 17 Gemeinden des Verbandes «Aarau Regio» sichergestellt werden soll.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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