Aarau/Suhr
Weinkellereien setzen auf Solar, Emmi auf Fernwärme: Unternehmen der Region machen in Sachen Nachhaltigkeit vorwärts

Wie grosse Produktionsbetriebe durch Investitionen in erneuerbare Energien grüner werden.

Nadja Rohner
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Die Weinkellereien Aarau AG hat neu die grösste Fotovoltaikanlage der Region.

Die Weinkellereien Aarau AG hat neu die grösste Fotovoltaikanlage der Region.

Zvg / Aargauer Zeitung

Die Region Aarau wird grüner: Gleich mehrere grosse Unternehmen haben in den letzten Tagen Anlagen für eine nachhaltige Produktion eingeweiht. Gestern war die grösste Solaranlage der Region Aarau an der Reihe. Sie befindet sich auf dem Dach der Weinkellereien Aarau AG; ihre knapp 1000 Module haben eine Fläche von 1676 Quadratmetern.

Neue Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Weinkellereien Aarau AG.

Neue Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Weinkellereien Aarau AG.

Zvg / Aargauer Zeitung

«Es wurmt mich schon etwas, dass die grösste Solaranlage in Aarau nicht von der Stadt betrieben wird, sondern von einem Privaten», scherzte Vizestadtpräsident und Energie-Ressortvorsteher Werner Schib in seinem Grusswort. Wobei er in Aussicht stellte, dass die Stadt selber für 2022 rund 600'000 Franken für neue Fotovoltaikanlagen ins Budget gestellt hat.

Vizestadtpräsident Werner Schib.

Vizestadtpräsident Werner Schib.

Valentin Hehli / AAR

Mit der Jahresstromproduktion von zirka 301'000 Kilowattstunden kann die Weinkellereien AG etwa die Hälfte ihres Bedarfs decken. Die andere soll künftig ebenfalls aus Solarstrom, allerdings eingekauftem, stammen.

Die freisinnige Stadt- und Grossrätin Suzanne Marclay-Merz sprach von einem «Vorzeigeprojekt mit Vorbildcharakter». Im Gegensatz zu ihrem Ratskollegen Schib finde sie es «toll, dass ein privates Unternehmen ohne staatlichen Zwang Verantwortung übernimmt».

Ulrich R. Stucky, CEO Weinkellereien Aarau AG.

Ulrich R. Stucky, CEO Weinkellereien Aarau AG.

Valentin Hehli / AAR

Bereits seit ein paar Jahren setzt die Weinkellereien Aarau AG auf Fernkälte. «Nachhaltigkeit ist für uns das höchste der Gefühle», sagte CEO Ulrich Stucky. Und zwar dreierlei Nachhaltigkeit: soziale («unsere 60 Mitarbeitenden sind im Schnitt mehr als 15 Jahre bei uns»), ökonomische («alles, was wir erwirtschaften, wird reinvestiert») und eben ökologische Nachhaltigkeit.

Bis zum 150-Jahr-Jubiläum der Firma im 2023 sollen die Gebäude CO2-neutral sein, bis 2030 auch die Mobilität. Mit der neuen Fotovoltaikanlage der Firma Ampere Dynamic Schweiz lassen sich nun rund 55 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Emmi setzt in Suhr auf Fernwärme

Grüner wurde auch die Emmi, die in Suhr ihren drittgrössten Schweizer Produktionsstandort führt. Durch die Umstellung auf Fernwärme können die CO2-Emissionen hier um mehr als 5000 Tonnen pro Jahr gesenkt werden.

Genutzt wird die Abwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs, aus welcher Frischdampf generiert wird. Ein Teil wird für die Stromproduktion verwendet, ein Teil geht als Prozessdampf ins Fernwärmenetz. Nach rund fünfjähriger Planungs- und Realisierungszeit sei der Anschluss an das Dampfleitungsnetz der Fernwärme Wynenfeld AG (FEWAG) nun vollzogen, teilt das Unternehmen mit.

Am Mittwoch wurde der Anschluss der Emmi an das Fern-Dampfleitungsnetz der Fernwärme Wynenfeld AG (FEWAG) im Beisein der Projektpartner sowie Vertreter der Gemeinde feierlich vollzogen.

Am Mittwoch wurde der Anschluss der Emmi an das Fern-Dampfleitungsnetz der Fernwärme Wynenfeld AG (FEWAG) im Beisein der Projektpartner sowie Vertreter der Gemeinde feierlich vollzogen.

Thomi Studhalter / Emmi

Die FEWAG bedient bereits seit den 1980er-Jahren die Migros-Betriebe im Wynenfeld. Um Emmi anschliessen zu können, musste die Dampfleitung um gut zwei Kilometer verlängert werden. Gleichzeitig wurde neu eine Heisswasserleitung verlegt. Das nützt nicht nur der Emmi: Auch mehrere Quartiere können neu mit Fernwärme versorgt werden.

Auch Mälzerei produziert Energie selber

Erst letzte Woche ist in Möriken-Wildegg die grösste Schweizer Mälzerei eröffnet worden, auf deren Dach die AEW Energie eine Fotovoltaikanlage realisiert hat. Sie produziert jährlich 150'000 Kilowattstunden Strom, der direkt in den Mälzereibetrieb fliesst und deren Strombedarf deckt. Etwa die Hälfte des produzierten Stroms wird laut einer Medienmitteilung der AEW ins Netz eingespeist und reicht für die Versorgung von 15 Vierpersonenhaushalten.

Stefan Roth, Professor

Stefan Roth, Professor

Valentin Hehli / AAR

Solarenergie habe ein «riesiges Mengenpotenzial», die «tiefsten Stromentstehungskosten» – und doch lassen sich die Investitionen am Markt nicht refinanzieren. Das erklärte Stefan Roth, Professor für erneuerbare Energien an der Fachhochschule Nordwestschweiz, bei der Einweihung der Weinkellereien-Solaranlage, und sprach vom «Dilemma der Strommarktliberalisierung».

Es gehe nicht schnell genug voran mit dem Bau neuer Solaranlagen. Weinkellereien-CEO Stucky, der von «Klimakatastrophe» spricht, findet: «Schade, haben es noch nicht alle eingesehen. Wir schon. Und wir werden die Nachhaltigkeit mit Vehemenz weitertreiben.»

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