Aarau/Suhr
Die Stadt will ihrem Bach Sorge tragen – für 4,5 Millionen Franken

Hauptziel des Grossprojekts ist der Hochwasserschutz. Durch besseres Abfliessen des Stadtbachs in Aarau und Suhr werde auch die ökologische Vielfalt gefördert, so der Stadtrat. Der Kredit dafür kommt im Mai vor den Einwohnerrat.

Daniel Vizentini
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Gereinigt wird der Stadtbach immer wieder: Hier ein altes Bild von 2014, als vor dem Abtragen von abgelagertem Geschiebe zuerst die Fische in Sicherheit gebracht wurden. Für ein besseres Abfliessen des Bachs sind nun aber grössere Massnahmen nötig.

Gereinigt wird der Stadtbach immer wieder: Hier ein altes Bild von 2014, als vor dem Abtragen von abgelagertem Geschiebe zuerst die Fische in Sicherheit gebracht wurden. Für ein besseres Abfliessen des Bachs sind nun aber grössere Massnahmen nötig.

Chris Iseli (28.4.2014)

Seinen Stadtbach pflegt Aarau schon seit 800 Jahren: Damals als künstliche Trinkwasserzufuhr von Suhr bis nach Aarau gebaut, hat der Stadtbach heute vor allem eine hohe Bedeutung für die Umwelt und das Stadtklima – oder auch für das Ambiente der Wohnquartiere entlang der Bachstrasse und der Altstadt, wo der Stadtbach teilweise offen fliesst.

Wegen der Hochwassergefahr nahe beim Bahnhof, der Innenstadt oder in Suhr besteht nun aber grösserer Handlungsbedarf. Ein «Gesamtprojekt Hochwasserschutz Stadtbach Aarau/Suhr» wurde schon vor Jahren erarbeitet und wird laut Stadtrat etwa bei Bauarbeiten an Strassen oder Werkleitungen immer mitberücksichtigt. Doch der Stadtrat warnt: Das Projekt macht nur Sinn, wenn es komplett umgesetzt wird. Werden nur punktuell Massnahmen getroffen, könnte dies gar zu einer Erhöhung der Hochwassergefahr führen.

Um das Gesamtprojekt nun zu verwirklichen, beantragt der Stadtrat dem Einwohnerrat einen Kredit von 4,155 Millionen Franken. Total kostet das Projekt über 4,5 Millionen, doch zusammen mit dem Sanierungsvorhaben der Vorderen Vorstadt wurden bereits 393'000 Franken bewilligt. Über den Restkredit wird der Einwohnerrat an der Sitzung vom 10. Mai entscheiden.

Eine Million Franken allein für den Eingriff beim Regierungsgebäude

Unterteilt ist das Projekt in zwölf Bachabschnitte. Am teuersten ist der Eingriff im Bereich Obere Vorstadt: Neue Bachleitungen mit erweitertem Querschnitt und dadurch grösserem Abflussvermögen – auch unter dem Aargauerplatz beim Regierungsgebäude – sowie der Umbau der Bachschalte Behmen kosten allein über eine Million Franken. Der Wasserspiegel wird dadurch abgesenkt und es werden Abflussreserven geschaffen.

Am zweitteuersten ist der Eingriff am Herzogplatz (beim Quartierladen im «Gönhard»): Der Abfluss des Bachs muss dort verbessert werden, um den Rückstau abzufangen, denn an der Imhofstrasse kurz vor dem Brügglifeld muss eine Regenwasserentlastung deaktiviert werden. Über 800'000 Franken kostet diese Massnahme.

Ein Fussgängersteg in Suhr könnte wegfallen

Weitere Eingriffe betreffen «moderate Ufererhöhungen» an der Bachstrasse in Suhr – laut Kreditantrag «voraussichtlich im Rahmen einer umfassenden Strassensanierung» – und allgemein eine Absenkung und Verbreiterung der Sohle, wo der Bach offen fliesst, oder breitere Rohre, wo er eingedolt ist.

Ein Abriss eines Fussgängerstegs beim Salamanderweg in Suhr (ungefähr auf der Höhe Lerchenweg) steht noch zur Debatte. Weil der gesamte Bach – auch auf Suhrer Gemeindegebiet – Aarau gehört, hat die Stadt die Hoheit über solche Entscheide.

Offengelegt wird der Bach eigentlich nur beim ehemaligen IBA-Gebäude zwischen Adolf-Jenny-Strasse und Hinterer Bahnhofstrasse: Die «marode Deckenplatte» wird dort entfernt. Zwischen Asylstrasse und Haldenbachweg, kurz bevor der Stadtbach in die Aare fliesst, ist auch von einem sechs Meter langen, oberflächlichen Abflusskorridor die Rede.

In der Altstadt fliesst der Bach offen an der Strasse. Im Projekt steht kein Wort von einer Offenlegung der Bachs auch an der Vorderen Vorstadt.

In der Altstadt fliesst der Bach offen an der Strasse. Im Projekt steht kein Wort von einer Offenlegung der Bachs auch an der Vorderen Vorstadt.

Luis Hartl (2.8.2016)

Im Kreditantrag steht nichts über die mögliche Offenlegung des Bachs an der Vorderen Vorstadt, falls die Strasse doch noch anders gestaltet wird, als der Stadtrat es sich wünscht (Asphalt statt Pflastersteine). Nur «Erneuerung der Stadtbachleitungen» heisst es in dem Bereich.

Das Hochwasserschutzprojekt ist eines der Legislaturziele der Stadt. Sie erwartet dadurch auch einen ökologischen Mehrwert.