Transsexualität
Aaraus Stadtentwicklerin, die sich als Trans-Frau outete, hat nun gekündigt

Aaraus Stadtentwicklerin, die sich letzten August als Trans-Frau outete, hat nun gekündigt. Sie war seit letztem Oktober krankgeschrieben.

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Nina Stieger nach dem Outing. Efu

Nina Stieger nach dem Outing. Efu

Es sah aus wie ein Happy End: Im August outete sich Aaraus Stadtentwicklerin Nina Stieger als Trans-Frau. Der Stadtrat stand hinter ihr und meldete: «Als bewährte Mitarbeiterin wird Frau Stieger ihre bisherigen Funktionen (...) weiterhin ausüben.»

Doch seit Oktober ist die Stadtentwicklerin «krankgeschrieben», nun hat sie gekündigt. Die Stadt schreibt: «Der Stadtrat bedauert diesen Schritt und dankt ihr für die wertvolle und engagierte Mitarbeit.» Weiter will im Rathaus niemand dazu Stellung nehmen und auch Nina Stieger gibt keine Auskunft – so ist es vereinbart.

Am Mittwoch dieser Woche publizierte swissinfo.ch jedoch ein Porträt von Stieger. Darin sagt sie, sie habe am Ende nur noch ein Standbein gehabt: die Arbeit. Aber das sei auch gefallen. «Ich dachte, wir seien eine moderne, zivilisierte Gesellschaft. Das ist teilweise nicht so», sagt Stieger vieldeutig.

Gegenüber der «Nordwestschweiz» hatte sie im August gesagt, eine Bekannte hätte sie gewarnt, dass man ein Coming-out in Aarau nicht durchstehen könne. Doch Stieger hielt damals dagegen und sagte, ihre Mitarbeiter hätten dies sehr gut aufgenommen, und auch Stadtammann Marcel Guignard unterstütze sie.

Niklaus Flütsch, Gynäkologe mit einer Sprechstunde für Transsexuelle am Triemlispital in Zürich und selbst geouteter Trans-Mann, sagt: «Bei einem Coming-out gibt man sein Innerstes preis und ist verwundbar. Das schlägt auf die Psyche.» Flütsch selbst wechselte seine Anstellung nach dem Outing. Er sagt: «Nicht das Coming-out ist eine psychische Belastung, sondern das Umfeld, wenn es einen nicht trägt.»