Katholiken

Aaraus neuer Priester verkaufte früher Damenmode

Gestern vor seiner neuen Wirkungsstätte: Pfarrer Gregor Tolusso.

Gestern vor seiner neuen Wirkungsstätte: Pfarrer Gregor Tolusso.

Nach dreijährigem Interregnum beginnt heute Gregor Tolusso als katholischer Stadtpfarrer und leitender Priester.

«Mensch, Christ, Priester.» Oder: «Seelsorge, Mitarbeiter, Administration.» Der 51-jährige Gregor Tolusso liebt Aufzählungen. Er ist ab heute katholischer Stadtpfarrer und leitender Priester im Pastoralraum Region Aarau (21 000 Katholiken, fünf Pfarreien). Die Aarauer Katholiken hatten seit dem Wegzug von Pfarrer Thomas Jenelten über drei Jahre lang keinen ordentlichen Leiter.

Gregor Tolusso kommt aus Bern – mit einem kurzzeitigen Umweg über den Norden Indonesiens. Dort war der begeisterte Taucher (270 Tauchgänge) in den Ferien. Neben dem Tauchen ist er Segler – nicht auf dem Meer, sondern auf dem Vierwaldstättersee.

Mit 20 Jahren schon Chef

Tolusso ist in Willisau aufgewachsen. Sein Grossvater kam 1910 als italienischer Steinmetz ins Luzerner Hinterland. Die Tolussos sind heute eine Grösse in der Innerschweizer Stein-Industrie. Der Bruder des neuen Pfarrers führt das Unternehmen.

Vor seiner Zeit bei der Kirche war Gregor Tolusso ebenfalls Geschäftsführer. Nach der KV-Lehre, während 6,5 Jahren, im Modehaus Korner. «Es hat mir enorm gefallen, als junge Person so viel Verantwortung zu übernehmen», sagt Tolusso.

«In die Tiefe des Lebens gehen»

Im Alter von 26 Jahren kam die Neuorientierung. Was waren die Motive für den Ausstieg aus dem Geschäftsleben? Er sagt heute: «Vom Leben anderes und mehr erwarten als Umsatzsteigerung und Gewinnoptimierung. Nicht an der Oberfläche der Bekleidung bleiben, sondern in die Tiefe des Lebens gehen.»

Tolusso studierte in Luzern und Chur. Im Bündnerland erlebte er die Zeiten des Kirchenkampfs unter Bischof Haas. Tolusso wurde 1996 zum Priester geweiht. Er arbeitete 6½ Jahre in Zug – als Pastoralassistent, Diakon und Priester. 2001 wechselte er in die Stadtberner Dreifaltigkeitspfarrei. «Im Herz, emotional, war es nicht einfach, Bern jetzt zu verlassen», erklärt Tolusso.

Aber mit 51 Jahren sei es Zeit, nochmals etwas Neues zu wagen. Und Bischof Felix habe seinem Wunsch entsprochen. In Bern hatte Tolusso das Privileg, 2006 und 2008 bei der Innenrenovation der Dreifaltigkeitskirche dabei zu sein. Ein 2,5-Millionen-Projekt. «Es ist uns ein grossartiges Werk gelungen», schwärmt Tolusso. «Die Kirche hat eine enorme Strahlkraft.» Mit viel abstrakter Malerei. «Das Göttliche übersteigt unser Vorstellungsvermögen.»

Ökumene sehr wichtig

In Aarau will Gregor Tolusso in den ersten 100 Tagen primär zuhören und zusehen. Er ist froh, dass er hier auf eine schlanke Verwaltung trifft. Als Stadtpfarrer ist er Chef von zehn Angestellte. Er hat unter anderem einen mitarbeitenden Priester: Adrian Bolzern, der neben seiner Tätigkeit in Aarau zu 50 Prozent (bisher 30) Schweizer Zirkusseelsorger ist.

Gregor Tolusso wohnt in einer Neubauwohnung an der Mühlemattstrasse – in unmittelbarer Nachbarschaft der Neuapostolischen Kirche (NAK). Er sagt: «Ökumene in gegenseitigem Respekt ist mir sehr wichtig.»

Einsetzung von Pfarrer Gregor Tolusso am kommenden Sonntag, 10 Uhr in der Kirche der Pfarrei Peter und Paul.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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