Aarau
Aaraus Altstadt ist zu eng - Maienzug-Vorabend dehnt sich aus

In Aaraus Altstadtgassen wird es beim «Beizlifest» jedes Jahr enger. Um Platz zu schaffen, soll das der Maienzug auch in der Vorderen Vorstadt stattfinden.

Sabine Kuster
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Bühnen, Bars, Besucher: Es ist eng am Maienzugvorabend.AZ Archiv

Bühnen, Bars, Besucher: Es ist eng am Maienzugvorabend.AZ Archiv

Eine Krise gab es am Maienzug-Vorabend noch nie und irgendwie denkt während der schönsten Stunden in der Hauptstadt auch niemand daran.

Die Maienzugkommission setzt sich seit 2012 dennoch mit der Sicherheit am «Zapfestreich» auseinander, der längst nicht mehr nur aus dem Umzug der Kadetten besteht. In den Altstadtgassen wird es jedes Jahr enger.

In der buchstäblichen Stosszeit zwischen 21 und 23.30 Uhr am Donnerstag vor dem Maienzug befinden sich zeitweise pro Quadratmeter fünf Personen und mehr im Bereich Metzgergasse/Pelzgasse/Kronengasse/Laurenzentorgasse. Dies sagte Stadträtin Regina Jäggi im Februar anlässlich einer Anfrage im Einwohnerrat.

Capri-Wirt macht erstmals mit

Nun versucht die Maienzug-Kommission den Festbetrieb in die Peripherie der Altstadt auszudehnen: Verstärkt soll der Graben in Beschlag genommen und neu auch an der Vorderen Vorstadt gewirtet und musiziert werden.

Capri-Wirt Vincenzo Bubba macht zum ersten Mal mit und hat eine Band und Festgarnitur für 100 Sitzplätze bestellt. «Ich will das mal ausprobieren», sagt er. Teilweise belebt ist die Vordere Vorstadt schon seit neun Jahren: Das Weinfassrollen findet dort statt.

Dichtes Gedränge in den Gassen der Aarauer Altstadt am Maienzug-Vorabend
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Dichtes Gedränge in den Gassen der Aarauer Altstadt am Maienzug-Vorabend
Dichtes Gedränge in den Gassen der Aarauer Altstadt am Maienzug-Vorabend
Dichtes Gedränge in den Gassen der Aarauer Altstadt am Maienzug-Vorabend

Dichtes Gedränge in den Gassen der Aarauer Altstadt am Maienzug-Vorabend

Christoph Voellmy

Um das Gedränge in der Altstadt zusätzlich zu lichten, bekommen nun auch jene Wirte ausserhalb einen Zustupf, wenn sie eine Band engagieren. Bisher war das jenen im Kern vorbehalten. Dafür mussten diese Betriebe mit 650 Franken auch fast doppelt so viel Standgebühren bezahlen, wie jene ausserhalb.

Dieses Tarifmodell wird nun geändert: Neu spielt es keine Rolle, wo die Beiz steht. Die Wirte bezahlen laut Gewerbepolizist Hans Umbricht je nach der Länge ihrer Bar in der jeweiligen Gasse. Bis fünf Meter sind es 350 Franken, ab zehn Meter kostet es 1250 Franken, dazwischen bezahlt man 750 Franken.

«Ich finde das fair», sagt Peter Speck von der Metzgerei. Er muss nun 100 Franken mehr bezahlen, sagt aber: «Wenn der Abend nicht komplett verregnet ist, liegt das drin.»

Sein Betrieb nimmt nicht nur aus Tradition teil, es lohne sich auch. Pickwick-Wirt Roland Gubler muss deutlich mehr bezahlen, doch er findet ebenfalls: «Für uns geht es auf.»

Er wünscht sich aber, es würden mehr Wirte Sitzplätze anbieten: «Der Vorabend ist nicht nur für die Jungen. Es ist schade, wenn die Besucher in Alt und Jung gespalten werden, weil im Kern die Sitzplätze fehlen.»

Beim neuen Tarif-Modell geht es nicht nur um eine gerechtere Kosten-Verteilung, sondern auch darum, dass der Vorabend nicht weiter Kredit bei der Stadt aufnehmen muss.

In den letzten vier Jahren habe sich ein Defizit von insgesamt 5000 Franken angesammelt, sagt Martin Ammeter, zuständig für den Vorabend in der Maienzugkommission.

«Das ist nicht viel, aber die Einnahmen müssen die Kosten für Reinigung, Wasser, Strom und das Polizeiaufgebot abdecken», sagt Ammeter. Rund 40 000 Franken beträgt das Vorabend-Budget – ein Dutzend Stadtpolizisten inklusive.

Vorabend soll nicht mehr wachsen

Grundsätzlich will die Stadt am Vorabend nichts ändern, er ist ein fester Bestandteil des Maienzugs geworden.

Auch Martin Ammeter sagt, ein Plakettenverkauf, um die Anzahl Besucher zu reduzieren, komme für die Maienzugkommission nicht infrage.

Wenn das Fest trotz der jetzigen Massnahmen weiter wächst, müsse man noch mal über die Bücher, so Ammeter. Und Regina Jäggi sagte in ihrer Antwort im Einwohnerrat: «In den kommenden Jahren sind im Sicherheitsbereich weiterhin Bemühungen notwendig.»