Aarau/Mellingen
Baustelle über den reissenden Fluten: «Die Brücke selber ist noch nicht in Gefahr»

In Aarau wird die neue Kettenbrücke («Pont Neuf») gebaut, in Mellingen die Reussbrücke der Umfahrung. Wie geht der Kanton mit den Wassermassen um, die unter den Baustellen hindurchrauschen?

Nadja Rohner, Mathias Küng
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Hochwasser nach starkem Regen: Die Bauarbeiten an der neuen Kettenbrücke.

Hochwasser nach starkem Regen: Die Bauarbeiten an der neuen Kettenbrücke.

Larissa Gassmann / Aargauer Zeitung

Auch am Mittwoch standen trotz strömendem Regen die grössten Fans der Aarauer Brückenbaustelle (für den Ersatz der Kettenbrücke, Projektname «Pont Neuf») neben der Baustelle. Denn obwohl die Aare tost und bedrohlich hoch an den Spundwänden und Pfeilern leckt, ist die Baustelle noch in Betrieb. Projektleiter David Probst: «Aktuell sind für die Aarebrücke mit ihrem Leergerüst keine Massnahmen notwendig – wenn sich etwas ändert, kann es sein, dass die Arbeitenden von der Baustelle abgezogen werden und die Brücke gesperrt werden muss.» Die Brücke selber mit dem Leergerüst sei aber «noch nicht in Gefahr». Die Situation wurde und werde vor Ort beobachtet, sowohl von der Stadtpolizei als auch von der Feuerwehr Aarau. Ein Notfallkonzept habe man bereits vor Start der Bauarbeiten erstellt. Es sei gewährleistet, dass weder für die Arbeiter auf der Baustelle noch für die Nutzer der Hilfsbrücke ein Risiko vorhanden sei.

Die Baustelle "Pont Neuf" in Aarau am 13. Juli, kurz nach dem Mittag.

Larissa Gassmann

Probst weiter: «Für die nächsten Tage sind intensive und andauernde Niederschläge vorausgesagt. Gemäss den Prognosen des Bundesamts für Umwelt sollte die Murgenthaler-Bedingung – Abfluss der Aare in Murgenthal weniger als 850 Kubikmeter pro Sekunde – eingehalten werden können. Allerdings sind die Jura-Seen voll und die Böden wassergesättigt. Es könnte sein, dass die 850 Kubikmeter pro Sekunde überschritten werden, je nachdem, wie stark die Niederschläge über dem Emmental und im Übrigen Einzugsgebiet der Aare zwischen Bielersee und Aarau niedergehen.»

In Melligen wird seit letzter Woche nicht mehr in Flussnähe gearbeitet

In Mellingen ist für den Bau der neuen Reussbrücke Projektleiter Josef Korbonits zuständig. Er sagt: «Trotz der grossen Abflussmengen kam es bis dato zu keinen nennenswerten Schäden. Die Spundwandkästen, welche für den Bau der Flusspfeiler erstellt werden mussten, wurden in Folge der grossen Wassermassen geflutet. Die Spundwandkästen sind auf ein solches Ereignis dimensioniert und können nach Ende des Hochwassers wieder leergepumpt werden.»

In Flussnähe werde in Mellingen schon seit vergangenem Freitag nicht mehr gearbeitet. Als Vorwarnung dienen laut Korbonits die «Hydrologischen Daten und Vorhersagen» des Bundesamtes für Umwelt. «Daraus lässt sich erkennen, mit welcher Abflussmenge in den kommenden Stunden/Tagen zu rechnen ist. Weiter werden die Abflussmengen der Messstationen in der Region Luzern herangezogen. Man weiss, dass die Wassermassen rund zwei Stunden später in Mellingen eintreffen. So können die Bauarbeiten rechtzeitig eingestellt und allfälliges Baumaterial in Sicherheit gebracht werden.»

Der Projektleiter betont: «Bei Baustellen im, am und über dem Wasser besteht immer ein gewisses Gefahrenpotenzial. Neben grossen Wassermengen kann auch Schwemmholz zu Schäden führen. Für die Bauarbeiten an der Umfahrung Mellingen wurde vor Inangriffnahme der Bauarbeiten definiert, wie im Falle eines Hochwassers zu reagieren ist.»