Die einen hätten in der Telli gerne eine Autobahn, die anderen eine Sackgasse oder einen Pfosten in der Strasse.

Die einen freuten sich über Velostreifen und fussgängerfreundliche Zonen, die Autofahrer fühlten sich schikaniert und wollen die schlecht erzogenen Fussgänger büssen.

Die einen nickten anerkennend, die anderen jammerten und schimpften.

Einig waren sich Stadtrat Werner Schib, Verkehrsplaner Daniel Rudin und die Mehrheit des Publikums beim Infoanlass zum Erschliessungsplan der Tellistrasse am Donnerstagabend im Gemeinschaftszentrum Telli nur in einem Punkt: So, wie es heute ist, ist es nicht gut.

Von Hauptverkehrsachse zu Quartiersammelstrasse

Die Absicht der Stadt ist klar: Die Tellistrasse soll von der Hauptverkehrsachse zur Quartiersammelstrasse werden. Zu stark ist heute die Trennwirkung, zu schnell fahren die Autos, zu schlecht ist die Querbarkeit für Velofahrer und Fussgänger.

Eine Quartiersammelstrasse – so sieht es das Konzept aus dem Jahr 2007 vor, so wurde es im Vorprojekt samt Mitwirkungsverfahren 2010 vorgestellt, so steht es im Verkehrsrichtplan.

Jetzt liegt der durch den Kanton vorgeprüfte Erschliessungsplan gemeinsam mit dem für die Neumattstrasse öffentlich auf, das Mitwirkungsverfahren läuft noch bis zum 16. April.

Durchgangsverkehr reduzieren

Rudin skizzierte, was der Erschliessungsplan für die vier Strassenabschnitte Telliring, Zentrumsbereich, Tellisiedlung und Zugangsbereich Staffeleggstrasse für bauliche Massnahmen vorsieht (siehe Visualisierungen).

Mit diesen Aufwertungen soll die Strasse vom Durchgangsverkehr entlastet werden, so, wie es die Stadt den Tellianern schon mit der Eröffnung der Staffelegg-Umfahrung versprochen hatte.

Seither habe sich die Belastung bereits von 18 000 Fahrzeugen pro Tag auf 15 000 reduziert, so Rudin. In Anbetracht der Entwicklung der Telli für Wohnen, Arbeiten und Freizeitaktivitäten müsse der Durchgangsverkehr aber weiter reduziert werden. «15000 Fahrzeuge müssen die Obergrenze sein.»

Tellisiedlung: Beim Kreisel Delfterstrasse dosiert eine Lichtsignalanlage den Verkehr. Beidseitig gibt es Velostreifen, von der Staffelegg her eine separate Busspur, die Haltestellen werden jeweils vor den Kreisel verlegt.

Kreisel Delfterstrasse

Tellisiedlung: Beim Kreisel Delfterstrasse dosiert eine Lichtsignalanlage den Verkehr. Beidseitig gibt es Velostreifen, von der Staffelegg her eine separate Busspur, die Haltestellen werden jeweils vor den Kreisel verlegt.

Ein Ärgernis: Bushaltestelle auf der Strasse

Diese Obergrenze – nur ein Punkt, der die Zuhörer in Rage brachte: Das Projekt bringe bloss ein paar Verkehrsbehinderungsmassnahmen, vom Verkehr entlastet würde das Quartier aber nicht.

Was es brauche, sei eine Sackgasse. Einer fragte, wo denn der Mehrverkehr durchgeleitet würde, und ob es das Ziel sei, einfach die anderen Quartiere damit zu bestrafen.

Andere ärgerten sich ob der auf die Strasse verlegten Bushaltestellen, das würde die Strasse erst recht verstopfen.

Tellisiedlung: Beim Kreisel Delfterstrasse dosiert eine Lichtsignalanlage den Verkehr. Beidseitig gibt es Velostreifen, von der Staffelegg her eine separate Busspur, die Haltestellen werden jeweils vor den Kreisel verlegt.

Telliring: Bus hält auf der Strasse

Tellisiedlung: Beim Kreisel Delfterstrasse dosiert eine Lichtsignalanlage den Verkehr. Beidseitig gibt es Velostreifen, von der Staffelegg her eine separate Busspur, die Haltestellen werden jeweils vor den Kreisel verlegt.

Wieder andere sorgten sich darum, dass auch Polizei und Ambulanz im Stau stecken bleiben würden, und die Gewerbetreibenden malten gar den Teufel an die Wand und sprachen von Firmenschliessungen.

Eine knappe Stunde lang prasselten Vorwürfe und Fragen auf Verkehrsplaner Rudin ein, der eine Antwort nach der anderen lieferte: Nein, eine Sackgasse sei natürlich nicht machbar, und ja, der Mehrverkehr betreffe andere Hauptstrassen.

Aber das sei eine Grundsatzfrage, die sich jeder selber stellen müsse: «Keiner will den Verkehr, aber jeder will mit seinem Auto von A nach B fahren.»

Zum Bus sagte er, nur durch diese Bevorzugung könne gewährleistet werden, dass der Bus nicht im Stau stecken bleibe. Das garantiere auch die separate Busspur, notabene auch durch Polizei und Ambulanz befahrbar.

«Fehler ist vor Jahren passiert»

«Heute wurde viel über Details gesprochen, und alle haben ein bisschen Recht», sagte ein Zuhörer zum Schluss der Diskussion. «Der grosse Fehler ist aber vor Jahren passiert, als man den Beschluss gefasst hat, daraus eine Quartierstrasse zu machen.»

Stadtrat Schib schliesslich betonte noch einmal, der Stadtrat wolle den Tellianern eine Strasse geben, die sie nicht mehr als Autobahn empfinden. «Aber wenn Sie als Tellianer finden, das Projekt sei unbrauchbar, dann nehmen wir das so entgegen.»