Aarau
Aarauer Taxifahrer verdienen wegen Schliessung der «Kettenbrücke» weniger

Seit einem Monat ist der Aarauer Club Kettenbrücke (KBA) Geschichte. Das Volk tanzt inzwischen anderswo – und das spüren die Aarauer Taxifahrer: Seit der KBA-Schliessung ist der Umsatz am Wochenende um 10 bis 20 Prozent gesunken.

Pascal Meier
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Sibylle Zuber von Top-Bahnhof-Taxi hat seit der Schliessung des KBA am Wochenende rund 10 Prozent weniger Einnahmen.

Sibylle Zuber von Top-Bahnhof-Taxi hat seit der Schliessung des KBA am Wochenende rund 10 Prozent weniger Einnahmen.

Pascal Meier

Weniger «wilde» Taxis am Wochenende

Sie gelten als die «Wilden» im Aarauer Taxigewerbe, sind meist nur in den lukrativen Abendstunden des Wochenendes auf Kundenfang und deshalb bei den städtischen Taxifahrern unbeliebt: Auswärtige Taxifahrer, die keine Konzession der Stadt haben. Diese können zwar in Aarau verkehren, nicht aber die Taxi-Standplätze nutzen und dürfen ihre Fahrgäste nur auf Bestellung abholen.

Die Realität sieht oft anders aus: Vor allem am Wochenende würden «wilde» Taxifahrer die Stadt regelrecht nach Laufkundschaft abgrasen, kritisieren Aarauer Taxiunternehmen und sind deshalb schon mehrfach bei der Stadtpolizei vorstellig geworden. «Diese Taxi-Firmen bieten nicht wie wir an sieben Tagen die Woche einen 24-Stunden-Service, sondern picken nur die lukrativen Zeitfenster heraus», sagt Sibylle Zuber, Geschäftsführerin von Top-Bahnhof-Taxi. «Das ist ein grosses Ärgernis.»

Seit der Schliessung der «Kettenbrücke» hat sich dieses Problem nun etwas entschärft. «Es ist zwar noch früh für eine Bilanz, doch ich habe den Eindruck, als wilderten am Wochenende weniger auswärtige Taxis in Aarau», sagt Zuber. Diese Einschätzung teilt Erkan Cöcelli, Chef von City-Taxi: «Es sind spürbar weniger ‹fremde› Taxis unterwegs.»

Die Stadtpolizei will dies so noch nicht bestätigen. «Der Club Kettenbrücke ist erst ein paar Wochen geschlossen und eine Beurteilung deshalb noch zu früh», sagt Polizeichef Daniel Ringier. «Wir verstehen jedoch den Ärger der Taxifahrer und führen deshalb weiterhin Stichproben durch.» (pi)

Taxifahrer: «Umsatz ist eingebrochen»

Diese einschneidende Änderung im Aarauer Nachtleben bekommen vor allem die Taxifahrer zu spüren. «Am Wochenende ist unser Umsatz um 10 bis 20 Prozent eingebrochen», sagt Franky Schwammberger, Chef von Aare & Piccolo-Taxi. Schwammbergers Mitbewerber in der Stadt sprechen von ähnlich hohen Einbussen: Rund 10 Prozent sind es bei Top-Bahnhof-Taxi, wie Geschäftsführerin Sibylle Zuber auf Anfrage erklärt.

Auch bei City-Taxi fliesst seit dem Aus der «Kettenbrücke» am Wochenende rund 20 Prozent weniger Geld in die Kasse. «Das KBA hat am Freitag- und Samstagabend insgesamt bis 1500 Leute angezogen», sagt Erkan Cöcelli, Chef von City-Taxi. «Weil mit dem KBA auch das ‹Opium› geschlossen wurde, ist unter der Woche der Umsatz ebenfalls zurückgegangen.»

Einbussen nicht gravierend

Die Aarauer Taxi-Fahrer spüren damit die KBA-Schliessung stark, dramatisch ist die Situation aber nicht, wie die befragten Firmen festhalten. «Wir setzen nun am Wochenende situativ einen Fahrer weniger ein als früher», sagt Franky Schwammberger – und hält fest: «Auch wenn Freitag- und Samstagabende lukrativ sind, macht das Wochenende nur einen Teil des Wochenumsatzes aus.»

Ähnlich tönt es bei anderen Taxi-Unternehmern, die in der Stadt eine Betriebsbewilligung haben. Weil diese sieben Tage die Woche rund um die Uhr unterwegs sind, relativieren sich die Einbussen am Wochenende. «Wir haben zudem viele Stammkunden und sind nicht auf Laufkundschaft am Wochenende angewiesen», sagt Sibylle Zuber. «Stärker dürften nun jedoch jene auswärtigen Taxifahrer leiden, die ohne städtische Konzession am Weekend ihre Runden bei der ‹Kettenbrücke› gedreht haben und nach Partygängern Ausschau hielten.»