Nächtliches Tanzvergnügen

Aarauer Stadtrat bewilligt Tanz-Demo, um ihr den Zündstoff zu nehmen

Ausschnitt vom Plakat zur Tanz-Demo am 22. September in Aarau.

Ausschnitt vom Plakat zur Tanz-Demo am 22. September in Aarau.

Am 22. September kämpfen die Nachttänzer_innen mit einer Tanz-Demo für autonome Jugend- und Kulturzentren sowie Freiräume, in dem man sich entfalten kann und nicht an den Status Quo angepasst ist. Nur vereinzelte Politiker äusserten sich zum Anlass.

Ohne dass sich die Gruppe «Nachttänzer_innen» um eine Bewilligung für die Demonstration am Samstag gekümmert hat, wurde der Anlass von der Stadt bewilligt. Daniel Ringier, der Präsident der Stadtpolizei  hatte mit ihnen E-Mail-Kontakt aufgenommen. «Er schrieb uns eine Mail mit einer vorgeschlagenen Route. Er würde diese Route bewilligen», berichten die Nachttänzer_innen gegenüber der az.

Sie wurden darauf hingewiesen, dass sie die Route nicht verlassen, keine Bauabsperrungen verschieben, keine Gewalt gegen andere Menschen ausüben und keine Sachbeschädigung begehen dürften.

Die Nachttänzer lehnten dankend ab

«Wir schrieben ihm zurück, dass wir seine Mail dankend zur Kenntnis nehmen würden, uns aber nicht dazu verpflichtet sähen, uns an sein vorgeschlagenes Konzept zu halten», erzählen sie. Daraufhin wurde der Anlass trotzdem bewilligt.

«Er meinte dann auch noch, wir sollten den Weg des konstruktiven Dialoges wählen und wollte sich mit uns treffen. Da wir generell weder um eine Bewilligung gebeten haben, noch etwas mit der Polizei zu tun haben möchten, lehnten wir dieses Angebot dankend ab», erklären die Nachttänzer.

Illegal oder legal ist egal

Nun ist die Tanz-Demo legal. Den Nachttänzer_innen ging es aber nicht um legal oder illegal. «Wir ziehen den Anlass durch und richten uns nicht danach, was die Polizei uns vorschreibt. Die vorgegebenen Systemkonventionen sind genau der Punk, den wir kritisieren, und deshalb bewegen wir uns auch ausserhalb von diesen. Deswegen sind uns auch Dinge wie illegal oder legal egal.»

Die Liste der Teilnehmer_innen wächst weiterhin stark. Auf Facebook sind es nun über 700 Anmeldungen. «Unser Anlass findet grossen Anklang bei vielen, vor allem eher bei jüngeren Menschen. Das bestätigt uns in unserem Vorhaben», sagen die Nachttänzer_innen.

Durch schlechte Kritik oder andere Meinungen lassen sich die Nachttänzer_innen nicht beirren. «Wie nehmen uns nur den Freiraum, der eigentlich allen zustehen sollte. Deswegen legen wir auch Wert darauf, dass ein Freiraum von allen Nutzer_innen mitgestaltet wird.»

Der Entscheid der Stadt ist mutig

Beat Krättli (SVP) aus dem Einwohnerrat Aarau findet selber auch, dass Aarau immer mehr eingeschränkt wird, vor allem in der Altstadt - und dies für alle, nicht nur für die Jugendlichen. Mit einem Brecheisen an die Sache heranzugehen und eine illegale Party zu veranstalten, sei aber der falsche Ansatz, sagt er gegenüber der az.

Mutig findet er vor allem, die Entscheidung des Stadtrates, die Party zu bewilligen. «Der Ansatz, den der Stadtrat gewählt hat, ist sehr interessant. Durch die Bewilligung nimmt er der Party den Zündstoff und die Schärfe.» Der Stadtrat müsse nun aber hoffen, dass der Anlass ohne Zwischenfälle über die Bühne gehe, damit der Entscheid nicht in die Kritik gerät.

Stadtrat wollte Anlass nicht unterbinden

Stadtrat Lukas Pfisterer (FDP) ist für das Ressort Bildung und Jugend zuständig. Er sagt gegenüber der az: «Alle Jugendlichen haben die Möglichkeit sich für etwas einzusetzen und sich zu engagieren, schwierig wird es nur, wenn man sich nicht an die Regeln hält». Es sei falsch, mit Illegalität Freiheit erkämpfen zu wollen. «Die Stadt hat den Anlass bewilligt, weil er sonst verhindert werden müsste», erklärt er.

Lukas Pfisterer ist der Ansicht, dass es genügend verschiedene Jugendangebote gibt, die man brauchen darf. Man müsse sich aber an die Regeln halten. Wer das nicht will, hat ein grundsätzliches Problem. «Die Rechnung geht nicht auf, wenn man sich nicht an den Staat halten, aber das Kantigelände für eine Demonstration benutzen will».

Marcel Guignard, der Stadtamman von Aarau, wollte sich zu der Tanz-Demo nicht äussern. Weitere Mitglieder des Stadtrates haben zum Anlass noch keine Stellung bezogen.

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