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Einsatz
Aarauer Stadtpolizei rettet Entenfamilie vor Zuggeleisen – leider nicht ganz erfolgreich

Das Video eines nicht ganz alltäglichen Polizeieinsatzes beim Bahnhof Aarau amüsiert die Nutzer der Plattform Tiktok. Allerdings wurden bei der Aktion Mutter und Küken getrennt.

Simone Morger
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Alle Frühjahre wieder verirren sich da und dort Entenfamilien an gefährliche Orte. Am Montag mussten eine Stadtpolizistin und ein Stadtpolizist in Aarau eine Entenmutter mit ihren Jungen davon abhalten, beim Gais-Kreisel die Zuggeleise zu überqueren.

Keine allzu leichte Aufgabe. Die Vogelmutter war aufgrund der polizeilichen Massnahme verständlicherweise in Aufruhr und die Polizisten bekamen Hilfe von Passanten. Das zeigt ein Video, das ein Nutzer am Montag auf die Social-Media-Plattform Tiktok gestellt hat.

Die Entenmutter und ihre Küken – noch vereint.

Die Entenmutter und ihre Küken – noch vereint.

Stadtpolizei Aarau

Was dann passierte, ist nicht auf dem Video zu sehen: Die Entenmutter flog davon und liess ihre Küken zurück, wie Daniel Ringier, Sprecher der Stadtpolizei Aarau sagt. Die Polizei brachte die jungen Wasservögel deswegen zur Pflegestation des Natur- und Vogelschutzvereins Oftringen.

«Hände weg von Jungvögeln!»

Urs Meyer, Leiter der Vogelpflegestation des Vereins in Oftringen, lobt den Einsatz der Stadtpolizei. Er sagt aber auch: «Mit mehr Zeit hätte man das anders machen können.» Will heissen: Die Küken zum nächsten Gewässer transportieren – gehend, damit die Mutter immer in der Nähe bleiben kann. Denn das würde sie tun und die Küken würden in einem solchen Fall auch nach ihr rufen.

Allerdings könne es länger gehen, bis die Mutter am Wasser wieder zu ihren Küken zurückkehrt. Meyer ist klar, dass der Polizei die Zeit fehlt, einen halben Tag am Aareufer auszuharren. Und auch der Natur- und Vogelschutzverein hat keine Kapazitäten für solche Aktionen.

Für telefonische Beratungen in ähnlichen Fällen nehme man sich aber gern Zeit. Denn: «Man greift oft viel zu schnell ein», sagt Urs Meyer. Selbst wenn ein Jungvogel scheinbar verloren wirkt, müsse man die Situation erst länger beobachten. Meistens würde die Mutter zurückkehren. Meyer sagt deshalb: «Hände weg von Jungvögeln!» Besser, man greife stattdessen zum Telefon. Die Vogelexperten aus Oftringen etwa sind unter 079 568 95 03 erreichbar.

Es kommt laut Urs Meyer regelmässig vor, dass im Frühling Entenküken ohne Mutter in Oftringen abgegeben werden. Denn die Enten brüten an allen möglichen und unmöglichen Orten und kommen den Menschen deshalb öfter in die Quere als andere Vögel.

Die Aarauer Entenküken werden in der Wasservogelpflegestation des Oftringer Vereins in Walterswil gepflegt. Ein bis zwei Monate dauert es, bis sie selbstständig überleben und wieder frei gelassen werden können.