Torfeld Süd

Aarauer Stadion: Hanspeter Thür fordert neue Varianten – und kritisiert die Bauherrin

Ex-Datenschützer Hanspeter Thür mischt sich in die Aarauer Stadiondebatte ein.

Ex-Datenschützer Hanspeter Thür mischt sich in die Aarauer Stadiondebatte ein.

Hanspeter Thür (Grüne) plädiert für eine Öffnung der Stadion-Diskussion. Der Stadtrat-Kandidat schaltet sich nun in die Diskussion ums Stadion Torfeld-Süd ein.

Er war Grossrat und Nationalrat. Er hat schon wichtige politische Entscheide herbeigeführt. Das will Hanspeter Thür (68, Grüne) künftig auch in Aarau tun. Er kandidiert für den Stadtrat – und setzt jetzt im Wahlkampf einen ersten Akzent. Thürs Text, den die az nachfolgend im Wortlaut abdruckt, trägt den Titel «Einige Überlegungen zur Situation des Fussballstadions im Torfeld Süd». Hanspeter Thür schreibt:

Vorbemerkungen

Ich habe für das Stadion gestimmt, obwohl ich damals die vorgesehene Mantelnutzung in Zweifel zog. Heute bin ich dezidiert der Auffassung, dass an den Stadtrand keine neuen Einkaufstempel gehören, einerseits, weil kein Bedürfnis besteht und andererseits weil neue Angebote nur bestehende in der Altstadt konkurrieren. Deshalb fand die HRS in den letzten zehn Jahren keinen Ankermieter, obwohl sie wegen der Einsprachen mehr Zeit hatte.

Was ist zu tun, nachdem offenbar das Konzept Mantelnutzung nicht umsetzbar ist? Ist der neue Vorschlag mit einer Quersubventionierung durch die Errichtung von drei Wohntürmen innert nützlicher Frist realisierbar? Das bezweifle ich aus folgenden Gründen:

Juristische Ausgangslage des neuen Vorschlags

Das derzeit zur Diskussion stehende Projekt unterscheidet sich vom bisherigen mit Mantelnutzung in entscheidendem Masse. Ich gehe deshalb davon aus, dass über den finanziellen Beitrag der Stadt erneut eine Volksabstimmung erforderlich ist.

Da das neue Projekt praktisch ausschliesslich durch die öffentliche Hand bezahlt würde, wäre nach meiner Auffassung auch eine öffentliche Ausschreibung nötig.

Torfeld Süd – Das Stadionprojekt in seiner neuen Form:

Da auf einem Nachbargrundstück drei Wohntürme geplant sind, ist eine Zonenplanänderung unumgänglich.

Bei allen drei Schritten ist mit Widerstand und Einsprachen zu rechnen. Die HRS ist gemäss ihren Aussagen erst bereit, das Stadion zu bauen, wenn rechtsgültige Baubewilligungen für die Wohntürme vorliegen.

Das heisst: Bis eine öffentliche Ausschreibung, eine Zonenplanänderung, eine neue Volksabstimmung und eine gültige Baubewilligung für ein Projekt Torfeld Süd durchgeführt worden sind, dürften mehrere – mindestens fünf – Jahre verstreichen. Es ist damit zu rechnen, dass die ersten Spiele im Torfeld Süd vielleicht erst in zehn Jahren eventuell sogar später – wenn überhaupt – stattfinden werden.

Gibt es Alternativen?

Im Rahmen der Machbarkeitsüberprüfung wurden 2006 neben dem Torfeld Süd der Standort «Brestenegg» (südlich Wynecenter) und die Obermatte am Stadtrand von Aarau, südlich der Tennisanlagen im Dreieck zwischen Suhre, Schnellstrasse und Eisenbahnlinie evaluiert. Das Terrain gehört zur Gemeinde Buchs, ist aber nach der Fusion mit Rohr vollständig im Eigentum der Einwohnergemeinde Aarau/Rohr und liegt in der Zone für öffentliche Bauten. Die Obermatte wurde nicht weiter verfolgt, weil eine Quersubventionierung über die Mantelnutzung nicht möglich war und das Projekt für die Stadt rund 10 Millionen Franken teurer gewesen wäre.

Hier soll das neue Aarauer Stadion gebaut werden: Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd.

Hier soll das neue Aarauer Stadion gebaut werden: Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd.

(Herbst 2016)

Ist die Finanzierung über die Wohntürme eine Alternative?

Zwei Dinge stören mich beim Vorschlag der HRS: Zum einen möchte ich die städtebauliche Diskussion darüber, ob und wie im Torfeld Süd verdichtet werden soll, bzw. ob die vorgeschlagenen Wohntürme akzeptablen und günstigen Wohnraum bieten, nicht mit der Stadionfrage verknüpfen. Es gilt zu vermeiden, dass am Ende jeder, der das Stadion will, auch die Wohntürme schlucken muss, bzw. jeder, der die Wohntürme nicht will, auch gegen das Stadion stimmen muss, obwohl er eigentlich dafür wäre. Zum andern passt mir der Druck der HRS nicht, die mit dem Stadion erst beginnen will, wenn eine rechtskräftige Baubewilligung für die Wohntürme vorliegt.

«Es gilt zu vermeiden, dass am Ende jeder, der das Stadion will, auch die Wohntürme schlucken muss», fordert Hanspeter Thür. zvg

«Es gilt zu vermeiden, dass am Ende jeder, der das Stadion will, auch die Wohntürme schlucken muss», fordert Hanspeter Thür. zvg

Gibt es alternative Finanzierungen?

Wie man es dreht und wendet: Das Stadion wird ohne Quersubventionierung teurer, nicht 10 Millionen Franken – (zum Beispiel, weil auch 8000 Plätze genügen) – aber vielleicht 6 oder 7 Millionen Franken. Ich bin nun klar der Meinung, dass die Differenz nicht von der Stadt zu berappen wäre. Dabei kann man sich am Finanzierungsmodell des Projekts «Alte Reithalle» orientieren: Bei einem Investitionsbedarf von 20 Millionen Franken erwartet man private Sponsoren, die 4 bis 6 Millionen Franken bringen. Eine vergleichbare Finanzierung müsste auch bei einem Fussballstadion möglich sein!

Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen

Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen

Vorschlag für das weitere Vorgehen

Angesichts der juristischen Ausgangslage beim neuen Projekt Torfeld Süd ist man auf den Ausgangspunkt zurückgeworfen. Nicht auszuschliessen ist, dass man damit wieder in einer Sackgasse landet, (zum Beispiel, wenn die HRS die Bedingungen nicht akzeptiert). Auf jeden Fall wird dieser Weg Jahre in Anspruch nehmen. Deshalb plädiere ich dafür, dass im jetzigen Zeitpunkt auch alternative Standorte ins Auge gefasst und weiter bearbeitet werden: Varianten, die nicht vom Goodwill der HRS abhängig sind und eventuell rascher realisiert werden können. Kurz: Wer das Fussballstadion rasch will, muss heute Varianten ins Spiel bringen.(az)

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