Aarau
Aarauer Spitex will rentieren dürfen – und ihren Kunden mehr bieten

Der Spitex-Verein Aarau plant die Gründung eines privatwirtschaftlichen Geschäftszweiges. Zurzeit ist er nämlich an die Leistungsvereinbarung mit der Stadt gebunden.

Hubert Keller
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Pia Baur, Geschäftsführerin Spitex Aarau: «Unsere Kunden wünschen oft Leistungen, die über die Leistungsvereinbarung hinausgehen.»

Pia Baur, Geschäftsführerin Spitex Aarau: «Unsere Kunden wünschen oft Leistungen, die über die Leistungsvereinbarung hinausgehen.»

zvg

Benötigt ein Patient nach einem Spitalaufenthalt zu Hause rund um die Uhr Betreuung, kann ihm diese die Spitex Aarau nicht bieten, auch wenn er dafür bezahlen würde. Die Spitex Aarau ist an die mit der Stadt ausgehandelte Leistungsvereinbarung gebunden, welche die Betreuung auf zwei Stunden pro Tag beschränkt. Was die Spitex Aarau in diesem Fall machen kann: sie vermittelt – mit einer Privat-Spitex wie jener in Lenzburg.

«Unsere Kunden wünschen sehr oft Leistungen, die über die Leistungsvereinbarung hinausgehen», erklärt die Geschäftsführerin der Spitex Aarau, Pia Baur. Die Spitex Aarau will auch diesen Wünschen gerecht werden und plant daher die Erweiterung des Angebots über die gesetzlichen Leistungen hinaus.

Der Leistungsauftrag ist eingeschränkt, da die Spitex eine Non-Profit-Gesellschaft ist. Ihr Auftrag ist primär die Pflege. In welchem Umfang diese geboten werden kann, bestimmen die Geldgeber, somit Krankenkasse und Stadt. Letztere trägt das Defizit, das durch Leistungen entsteht, die von der Krankenkasse nicht oder nicht vollständig gedeckt sind. Beratung, Betreuung und Begleitung sind Leistungen, die von den Krankenkassen nur teilweise anerkannt werden, die gehören daher nicht zum Grundauftrag der Spitex.

«Es ist doch absurd, dass die Spitex als Non-Profit-Institution primär jenen Teil der Leistungen abdeckt, der nicht rentiert, und den rentablen Teil privatwirtschaftlich organisierten Spitex-Firmen überlassen muss», sagt Roman Baur, der das Projekt betreut.

Baur und Baur, die Namensverwandtschaft kommt nicht von ungefähr: Pia Baur und Roman Baur sind verheiratet. «Die Idee einer privaten Spitex in Aarau entstand am Küchentisch», sagt Roman Baur, der Geschäftsleitungsmitglied und Berater bei Innovage.ch ist. Innovage vereint qualifizierte Menschen mit Führungs-, Verwaltungs- oder Beratungserfahrung, die pensioniert sind oder kurz davor stehen. Sie setzen in Teams ihr Wissen unentgeltlich für öffentliche und gemeinnützige Anliegen ein.

Profit zugunsten alter Menschen

«Wir Beraterinnen und Berater der regionalen Innovage-Netzwerke setzen unsere Kompetenzen in vielen öffentlichen und gemeinnützigen Projekten ein, die wir aus eigener Initiative oder, wie im Fall der Spitex Aarau, im Auftragsverhältnis entwickeln», erklärt Roman Baur.

Er ist überzeugt: Die Spitex soll auch dort tätig sein, wo es kostendeckend ist oder sogar rentiert. Sie soll einen umfassenden Service anbieten, so wie ihn die Kunden vielfach auch wünschen. Es gibt 52 Non-Profit-Spitex-Organisationen im Kanton, 70 private Spitex-Organisationen arbeiten gewinnorientiert. «Der Gewinn, den wir mit dem Geschäftszweig Privat-Spitex erwirtschaften möchten, würde jedoch nicht in private Taschen fliessen, sondern zugunsten betagter und pflegebedürftiger Menschen in Aarau eingesetzt werden», sagt Pia Baur. Auch in Laufenburg ist man daran, ein solches Modell umzusetzen. In Städten wie Bern, Burgdorf und Liestal funktioniert es bereits.

Vorläufig werden die Arbeiten so weit vorangetrieben, dass im Oktober der Entscheid im Spitex-Verein gefällt werden kann. Nach einem Probebetrieb würde voraussichtlich im ersten Quartal 2015 der definitive Betrieb aufgenommen.

Können sich nur gut betuchte Klienten die zusätzlichen Betreuungsangebote der Privat-Spitex leisten? «Das ist schon heute so», sagt Roman Baur. Oft seien es aber auch die Angehörigen, die bei einer Privat-Spitex Leistungen einkaufen, sei es, weil sie sich entlasten wollen oder wegen ihres Wohnorts den betagten Verwandten nicht beistehen können.

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