Städteranking
Aarauer sind empört über das schlechte Ranking ihrer Stadt

In einer Meinungsumfrage schneidet die Stadt Aarau auf der Skala der beliebtesten Städte in der Schweiz auf dem letzten Platz ab. Dies erregt die Aarauer Gemüter und in ihren Kommentaren lassen sie ihren Gedanken freien Lauf.

Christine Fürst
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Luftaufnahme der Stadt Aarau

Luftaufnahme der Stadt Aarau

«Aarau ist klein aber fein, hat Charme. Wem's nicht passt, soll zu Hause bleiben!» oder «Aarau ist unter den Kleinstädtchen ganz sicher eines der schöneren». Viele Kommentatoren lassen ihre Gedanken freien Lauf, wenn es darum geht, sich für ihr Städtchen Aarau einzusetzen. Der schlechteste Platz im Ranking der beliebtesten Städte der Schweiz geht den Aarauern nahe. Doch in der Kommentar-Liste zum Artikel finden sich auch einige kritische Stimmen.

Zum schlechten Abschneiden der Stadt Aarau lancierte die az eine Umfrage und daraus geht vor allem eines hervor: Die meisten Aarauer glauben, dass die Umfrage-Teilnehmer noch nie in Aarau waren und aus diesem Grund die Stadt nur schlecht bewerten können.

az-Umfrage bringt knappes Resultat

An der az-Umfrage haben 396 Personen teilgenommen. Auf die Frage, wie beliebt Aarau bei den az-Lesern ist, antworten 42 Prozent: «Aarau ist weder Stadt noch Dorf - etwas Undefinierbares dazwischen, mit einer katastrophalen Verkehrsführung und einem mangelhaften kulinarischen Angebot.» Knapp dahinter sprechen sich 37 Prozent für die Stadt aus. Sie sagen: «Ich finde Aarau ein tolles Städtchen, das sich in den letzten Jahren sehr gemacht hat.»

Nur gerade 21 Prozent sprechen sich dafür aus, dass man Aarau nicht mir grossen Zentren wie Bern oder Zürich vergleichen könne.

Repräsentativität wird in Frage gestellt

Die meisten Kommentatoren bezweifeln die Repräsentativität der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Isopublic. Für die Rangliste der beliebtesten Städte wurden 1056 Personen in der Deutschschweiz und in der Romandie befragt.

So meint Kommentator Hans Vögtlin: «Solche Umfragen mit x-beliebigen Personen nach dem Beliebtheitsgrad einer Stadt, Ortschaft allgemein oder eines Kantons sind völlig ohne Aussagekraft.» Eine objektive Wahrheit könne nie zustande kommen. Christian Emmenegger fügt an, dass man ein Städtchen wie Aarau nicht mit Zürich oder Bern vergleichen könne.

In den Kommentaren gibt es vor allem zwei Punkte, über die heftig diskutiert wird: Einerseits den Bahnhof Aarau und andererseits die Verkehrsführung in und durch die Stadt.

Dubiose Gestalten am Bahnhof Aarau

Als erstes erwähnt Roswitta Steiner den Aarauer Bahnhof. Sie sagt, dass für sie dieses Ranking verständlich sei, ein Grund dafür sind ihre Ängste, wenn sie abends im Aarauer Bahnhof ankomme und von dubiosen Gestalten umgeben sei. Sie schlägt vor, den Bahnhof für alle, die nicht an- oder abreisen zu sperren. Beat Meier ergänzt, die Situation am Bahnhof sei untragbar geworden. Trotzdem habe Aarau den letzten Platz nicht verdient.

Andreas Gasser betont die Vorteile: «Man hat vor allem viele Schandflecken - wie den alten Bahnhof - beseitigt und gar ein Prunkstück erstellt.» Weil der Aarauer Bahnhof stark frequentiert sei, erhöhe sich zudem die Wahrscheinlichkeit, komische Gestalten anzutreffen.

Verkehrsführung wird kritisiert

Zum Verkehr äussern sich mehr Kommentatoren: Marianne G. sagt, dass man sich weder als Fussgänger noch als Autofahrer wohl fühle und dass man Ehrenrunden drehen müsse, um aus der Stadt heraus zu finden. D. Steiner sagt, dass die Verkehrsführung in den letzten Jahren immer schrecklicher wurde und überhaupt keinen Sinn mache.

Demgegenüber spricht Dani Gerber von einer «perfekten Verkehrsanbindung. Man habe alles, was man brauche in der eigenen Stadt und in den letzten Jahren habe sich Aarau in allen Bereichen entwickelt.» S Chris empfiehlt, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuss nach Aarau zu gehen.

Auch einige ironische Kommentare zur Erklärung der schlechten Platzierung finden Einzug in die Liste: «Ich glaube, das hat damit zu tun, dass die Aarauer so schlechte Autofahrer sind und zu viel Rüeblitorte essen.» Und Uff versucht die Situation mit den weissen Socken zu erklären.

Was sagt der Aarauer Stadtammann dazu? Er glaubt, dass die meisten Leute, denen die Aargauer Kantonshauptstadt nicht gefällt, noch gar nie da waren. «In Umfragen, bei denen differenziert nach Bildung, Erschliessung, wirtschaftlichen Faktoren und Kultur gefragt wird, schneidet Aarau meist sehr gut ab», sagte Marcel Guignard gegenüber dem Sonntagsblick.