Es war eine rührende Weihnachtsgeschichte. Eine Online-Sammelaktion für den tschechischen Strassenmusiker Robert Partel, der seit Jahren in der Igelweid und am Aarauer Bahnhof singt, brachte innert weniger Wochen 7000 Franken ein.

Initiiert wurde die Sammlung von einem Geschwisterpaar aus Unterentfelden. Sie wollten Robert die Rückkehr zu seiner Familie in Karlsbad ermöglichen und erreichen, dass der Lebensunterhalt in Tschechien für einige Monate gesichert ist.

Zu Hause solle sich der gesundheitlich angeschlagene 43-Jährige – er leidet unter Depressionen und Epilepsie – erholen können. Kurz vor Weihnachten reiste der arbeitslose Klempner heim. Nur zwei Monate später sitzt er jetzt aber wieder in der Bahnhof-Unterführung. Dort ist er einer az-Leserin aufgefallen.

«Im Gespräch hat er mir erklärt, dass ihm das gesammelte Geld tranchenweise ausbezahlt werde, er nun wieder jeweils für zwei Wochen nach Aarau komme und dann für zwei Wochen nach Hause zurückkehre», so die Leserin. «Mithin frage ich mich, ob das im Sinn der Sammelaktion war. Nach meiner Einschätzung macht das keinen Sinn, weil ja die Bahnfahrtkarte auch nicht gratis ist.»

1000 Franken pro Monat

Andrea Mäder hat die Sammelaktion gemeinsam mit ihrem Bruder lanciert. Zu Roberts Rückkehr sagt sie: «Er hat meinen Bruder vor seiner Anreise darüber in Kenntnis gesetzt. Auch wir waren etwas erstaunt, dass er bereits wieder nach Aarau zurückkehren möchte.»

Für Menschen mit Depressionen sei es aber wichtig, eine Aufgabe zu haben. «Weil Robert zu Hause noch nicht arbeiten kann, fehle ihm solch eine Aufgabe, wie er sagt. Das habe ihm nach zwei Monaten in Karlsbad aufs Gemüt geschlagen.»

Robert habe den Geschwistern Mäder weiter gesagt, dass ihm die Strassenmusik etwas Struktur im Alltag gebe, da seine Frau und seine Söhne jeweils den ganzen Tag in der Schule oder bei der Arbeit seien.

«Es ist jedenfalls nicht so, dass Robert das ganze Spendengeld schon ausgegeben hätte», sagt Mäder. «Er hat noch nicht den gesamten Betrag ausbezahlt bekommen. Dieser wird ihm in Raten überwiesen, pro Monat etwa 1000 Franken.»

Weiter sagte Robert den Geschwistern, es gehe ihm nach einigen Behandlungen in Tschechien gesundheitlich besser, vor allem, was die Epilepsie betrifft. Er darf auch wieder Auto fahren, jedenfalls ist er dieses Mal mit dem Auto angereist und übernacht auch in diesem.

«Wir verstehen, dass es für einige Spender seltsam wirken mag, dass Robert schon wieder hier ist», sagt Andrea Mäder.

«Seine Erläuterung, dass ihm die Strassenmusik guttut, können wir aber nachvollziehen.»

Sie und ihr Bruder hätten zwar für Robert Spenden gesammelt. «Wir können und wollen ihm die Rückkehr nach Aarau aber nicht verbieten. Die Art und Weise wie er sein Leben nun weiter gestaltet, liegt vollständig in seinen Händen.»