Der Name Robert Partel ist wenigen ein Begriff. Das dazugehörige Gesicht kennen aber die meisten, die regelmässig in Aarau unterwegs sind. Partel, am Freitag 43 Jahre alt geworden, sitzt mit Mundharmonika und Gitarre am Bahnhof oder in der Innenstadt, bei der Igelweid.

Immer an seiner Seite: Partels 19-jährige Hündin Bara und eine Tasche mit all seinen Habseligkeiten. Der Tscheche ist einer dieser Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und doch mittendrin. Einer, der zum Stadtbild gehört und doch gerne übersehen wird. Aber er scheint den Aarauern nicht egal zu sein: Mehrere Leute aus der Region wollen dem Mann Hilfe zukommen lassen.

Zu ihnen gehört Andrea Mäder. Die Unterentfelderin hat Robert Partel schon oft gesehen, und die Begegnungen liessen sie nicht los. «Mir hat er immer sehr leidgetan, ich gab ihm oft etwas Geld», sagt sie.

Schliesslich hätten sie und ihr Bruder das Gespräch mit dem Strassenmusiker gesucht. Sein Schicksal rührte die Geschwister. Partel stammt aus Karlsbad. Seine Frau, eine Kassiererin, lebt mit den beiden Söhnen im Teenager-Alter dort. Nur alle paar Wochen kann der ehemalige Klempner seine Familie besuchen, wenn er mit seiner Musik genügend Geld verdient hat.

«Die restliche Zeit lebt er hier in Aarau als Obdachloser und muss im Freien schlafen», erzählt Mäder. «Robert leidet an Epilepsie und schweren Depressionen. Vom tschechischen Staat kann er jedoch keine finanzielle Unterstützung erwarten. Die täglichen Medikamente muss er selber bezahlen.» Mäder und ihr Bruder sind überzeugt: «Robert hat eine gute Seele. Er würde gerne arbeiten. In Tschechien hat er aber wegen seiner Krankheit keine Chance auf eine Stelle. Das ist der Grund dafür, dass er tagein, tagaus in der Bahnhofunterführung sitzt und wortwörtlich um sein Leben singt.»

Weil Mäder in ihrem Umfeld festgestellt hat, dass Partel «schon fast ein Stadt-Original ist», setzt sie nun auf die Finanzkraft der Masse. Sie hat am Dienstag die Online-Sammelaktion «Hilfe für Robert & Bara» auf der Crowdfunding-Plattform «generosity.com» gestartet – «Mit dem Einverständnis von Robert», betont sie.

Bereits über 60 Personen haben insgesamt mehr als 2700 Franken gespendet – meist Kleinbeträge von 20 bis 50 Franken. Das Ziel: 4200 Franken. «Damit wäre der Lebensunterhalt für die Familie in Tschechien sechs Monate lang gesichert. Robert könnte dann dort bleiben und muss nicht trotz seiner angeschlagenen Gesundheit mitten im Winter in Aarau auf der Strasse leben», sagt Mäder, die in der Kommunikationsbranche arbeitet.

Aber wer garantiert, dass das Geld auch wirklich sinnvoll eingesetzt wird? «Wir haben uns das anfangs gar nicht überlegt», gesteht Mäder. Vom Erfolg der Aktion überrascht – auf Facebook wurde der Spendenaufruf schon 1600 Mal geteilt – hätten sie und ihr Bruder nun das Vorgehen beschlossen: «Wenn wir die 4200 Franken beisammen haben, sitzen wir mit Robert zusammen und besprechen, wozu er es am dringendsten benötigt», sagt sie. «Wir werden ihm sicher nicht einfach fünf Tausendernoten in die Hand drücken. Schliesslich vertrauen uns sehr viele Leute ihr Geld an – da ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass es sinnvoll eingesetzt wird.»

Wenn die Aktion erfolgreich ist und sich genügend Spender finden, kann die Online-Spendenaktion beliebig verlängert werden. «Robert sagt, er wolle aufhören, sobald sein älterer Sohn seine Ausbildung abgeschlossen hat und etwas zum Familieneinkommen beitragen kann», sagt Mäder.

Die Geschwister Mäder sind nicht die Einzigen, die sich für Robert Partel einsetzen. Kürzlich erreichte die Aarauer az-Redaktion ein Leserbrief. Der Absender bat um Hilfe für den Strassenmusiker. «Ich sehe ihn seit einigen Monaten fast jeden Abend am Bahnhof und wechsle mit ihm ein paar Worte», schreibt der Leser. Man merke schnell, dass Partel «eine ganz liebe Person ist» und alles, was er sage, wahr sei.

Seine gesundheitlichen Probleme würden ihn plagen, und mit den 20 bis 30 Franken, die Partel pro Tag einnehme, könne er seine Behandlungskosten kaum bezahlen. Die tschechische Krankenkasse übernehme sie nur teilweise. Andrea Mäder stimmt dem zu. «Der Mann ist sichtlich krank und lebt mit seinem alten Hund auf der Strasse. Er hat unsere Hilfe dringend nötig.»

Sie ist erfreut darüber, dass sich auch andere für Robert Partel einsetzen. Am Freitag postete sie auf der Crowdfunding-Plattform, dass Partel Geburtstag habe. Prompt brachten einige Leser dem Strassenmusiker Kuchen.