Bahnhof Aarau
Aarauer Politiker: «Situation beim Bahnhof ist eine Katastrophe»

Politiker des Bezirks Aarau ärgern sich über das Verhalten von SBB und der Stadt. Gegenseitig schieben diese sich die Schuld an den nächtlichen Gleisüberquerungen zu. Keiner will für klare Signalisationen am Bahnhof Aarau zuständig sein.

Sarah Künzli
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Grossratskandidaten kritisieren die Verantwortungslosigkeit der SBB und der Stadt.
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«Typisch, dass man die Schuld dem anderen gibt», FDP-Grossratskandidat Michel Meyer.
«Bitte keine bürokratischen Ausreden», CVP-Grossratskandidat Werner Schib.
«Die Signalisationen müssen auf den neusten Stand gebracht werden», SVP-Grossratskandidatin Susanne Heuberger.

Grossratskandidaten kritisieren die Verantwortungslosigkeit der SBB und der Stadt.

zvg/key

Jugendliche klettern über Absperrungen und laufen über Gleise

Für die mehrheitlich jungen Leute, die am letzten Samstag gegen zwei Uhr nachts den Zug nach Hause nehmen wollten, schien es kein Weg zu ihren Zügen zu geben. Die gewöhnlichen Wege zu den Perrons schienen durch Metallgitter oder durch die Baustellen versperrt. Es gab keine Wegweiser. Um den Zug nicht zu verpassen kam es zu waghalsigen Aktionen: Sie kletterten über die Metallgitter, sprangen vom Obergeschoss über das Geländer oder rannten über die Gleise.

Wegweiser müssen auch in der Nacht sichtbar sein

Auch für den CVP-Grossratskandidaten Werner Schib steht fest: «Die SBB und die Stadt müssen das Problem umgehend gemeinsam lösen. Bitte keine bürokratischen Ausreden»

Werner Schib stört sich besonders am Verhalten der SBB. «Es ist ihre Pflicht dafür zu sorgen, dass die Leute sicher zu den Perrons gelangen können. Die SBB hat dafür zu sorgen, dass ihre Fahrgäste nicht Gleise überqueren, weil sie die Treppeneingänge zur Unterführung nicht finden. Sie hat deshalb für eine gute Signalisierung zu sorgen und trägt die Hauptverantwortung», sagt er gegenüber der az.

Als Lösung für das Problem könne er sich grosse orange leuchtende Pfeile als Markierung für den Weg zu den Abgängen in die Unterführungen vorstellen. «Es darf aber nicht heraus kommen wie bei der Bahnhofuhr, wo man nach Einbruch der Dunkelheit die Zeit gar nicht sieht! Allenfalls muss die SBB auch Personal einsetzen, das in diesen Stunden den Weg weist», schlägt Werner Schib vor.

Untersuchung der SBB bringt wenig Erkenntnis

Auch wenn die Frage, wer für die Signalisation zuständig ist, noch nicht geklärt ist, überprüft die SBB heute Nacht die Geschehnisse vom Samstag. Auf die Aufnahmen der Überwachungsvideos habe nur die Polizei Zugriff, sagt Lea Meyer, Mediensprecherin der SBB. Am Freitag wird die SBB mit den Zuständigen der Stadt Gespräche führen.

Die Gespräche, die geplant sind, seien nötig, findet Susanne Heuberger, Grossratskandidatin der SVP. «Durch den Bau des Busbahnhofes ist die Situation am Bahnhof schlecht. Die Signalisationen müssen auf den neusten Stand gebracht werden, wer auch immer dafür verantwortlich ist. Die Leute sind darauf angewiesen», sagt sie.

Auch Michel Meyer findet die momentane Situation eine Katastrophe. Dass die SBB die Situation heute Nacht begutachten will, ist ihm unverständlich: «Der meiste Pendlerverkehr spät nachts ist an einem Freitag beziehungsweise Samstagabend zu erwarten, an welchem auch Nachtzüge verkehren. Eine Begutachtung an diesen Abenden würde wohl wesentlich mehr Erkenntnisse bringen», kritisiert er die geplanten Untersuchungen der SBB.