Aarau

Aarauer Partyvolk soll bis 6 Uhr feiern dürfen

Aarauer Clubs, wie etwa der Boiler, müssen um 4 Uhr die Pforten schliessen.

Aarauer Clubs, wie etwa der Boiler, müssen um 4 Uhr die Pforten schliessen.

Eine Projektgruppe will mit verlängerten Öffnungszeiten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Aarauer Nachleben attraktiver machen und das Lärmproblem lösen. Die Initianten schlagen dem Stadtrat eine Testphase vor.

Gestern Donnerstag ist beim Stadtrat ein Projektvorschlag für Club-Öffnungszeiten an den Wochenenden bis 6 Uhr eingegangen. Aktuell müssen die Aarauer Clubs um 4 Uhr schliessen. Hinter dem Papier steckt die Gruppe «Eine attraktive Stadt für Junge und Junggebliebene», die sich im Rahmen der von der Stadt angestossenen Gespräche «Runder Tisch Altstadt Aarau» gebildet hat. Das Anliegen basiert auf der Annahme, dass das Partyvolk vermehrt in Städte abwandert, in denen die Clubs bis 6 Uhr oder noch länger geöffnet haben. Die Angst der Gruppe: «Ohne Anpassungen an das veränderte Ausgangsverhalten wird das Aarauer Nachtleben langfristig zum Erliegen kommen.»

Zusammen mit Marco Salvini, dem Projektleiter Stadtentwicklung Aarau, haben die Mitglieder der Gruppe zwei Vorschläge erarbeitet, mit denen sie «die Aarauer Altstadt für junge und jung gebliebene Menschen beleben und attraktiv sowie anregend gestalten» wollen. Das geht aus dem Schreiben an den Stadtrat hervor. Unterschrieben haben dieses der Club-Betreiber und frühere Pro-Aarau-Stadtrat Michael Ganz, Dominic Zimmerli, ein weiteres Urgestein der Aarauer Clubszene, sowie drei junge Freisinnige (Einwohnerrätin Olivia Müller, Pascal Benz und Einwohnerrat Silvano Ammann).

Dreimonatige Testphase

Vorerst während einer Testphase von drei Monaten sollen die Clubs die Möglichkeit haben, ihre Öffnungszeiten freitags und samstags bis 6 Uhr zu verlängern. Die Gruppe ist überzeugt, dass sich mit einer solchen Verlängerung das Lärmproblem verringern lässt. Ihre Argumentation: Schliessen die Clubs um 4 Uhr, sammeln sich die nächtlichen Partygänger ausserhalb der Clubs und müssen teilweise noch Stunden warten, bis sie mit dem öV heimfahren können. Die Möglichkeit dagegen, bis 6 Uhr feiern zu können, lockere den Abgang des Partyvolkes. Das wiederum beruhige die Altstadt.

Die Gruppe schlägt dem Stadtrat vor, die Testphase von einer Arbeitsgruppe begleiten zu lassen. Dieser könnten Vertreter der Gruppe und der teilnehmenden Clubs, Anwohner und Club-Besucher sowie die Stadtpolizei und das Stadtbauamt angehören.

Ausdrücklich unterstützt wird die Testphase, wie die dem Stadtrat übergebenen Unterlagen zeigen, von den Betreibern mehrerer Lokale. Es sind dies der «Boiler Club», der «Utopia Club», das Jugendkulturhaus Flösserplatz, die «Laguna-Bar», der «3. Stock» respektive die «Krone». Nicht dabei ist das «Les Amis». Aus einem einfachen Grund: «Wir wurden nicht angefragt», so Georgios Antoniadis gegenüber der az, «weil wir ein ganz anderes Publikum und Bedürfnis haben.»

«Jugendbewilligungen»

Der zweite Vorschlag der Gruppe zielt darauf ab, dass Jugendliche den öffentlichen Raum einfach und schnell für private Veranstaltungen nutzen können. Der Gruppe schwebt das Zürcher Modell der «Jugendbewilligungen» vor. In der Stadt Zürich können 18- bis 25-Jährige, die eine Freiluftparty auf öffentlichem Grund organisieren wollen, ein Gesuch stellen. Das Fest darf nicht kommerziell sein, und eine Person muss die Verantwortung für den Anlass übernehmen sowie Vorkehrungen für die Sicherheit treffen. Die Party darf nicht mehr als 400 Personen anziehen, die Anwohner dürfen nicht durch Lärm belästigt werden, und der Ort ist sauber zu verlassen. Anfänglich war das Gesuch gratis. Seit 2013 kostet es 100 Franken.

Die Erfahrungen, welche die jungen Menschen bei solchen Gelegenheiten sammeln können, glaubt die Gruppe, würden ihnen helfen und sie ermutigen, «Aarau künftig professionell und ideell mit kreativen und populären Aktivitäten zu bereichern».

Meistgesehen

Artboard 1