Aarenau/Scheibenschachen
Aarauer Ortsbürger bauen 36 Wohnungen für 16 Millionen

Die Ortsbürgergemeinde Aarau baut drei Mehrfamilienhäuser mit 36 Wohnungen. Im 16-Millionen-Projekt ist die Sanierung des historischen Schützenhauses inbegriffen.

Hermann Rauber
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Der gefrorene Boden war schwer anzustechen: Jolanda Urech (5. von links) und das Spaten-Team.chris iseli

Der gefrorene Boden war schwer anzustechen: Jolanda Urech (5. von links) und das Spaten-Team.chris iseli

Chris Iseli

Startschuss für eine weitere Bauetappe in der Aarenau: Die Ortsbürgergemeinde Aarau investiert 14,76 Millionen Franken in drei Mehrfamilienhäuser mit 36 Wohnungen. Dies passe «einwandfrei zu unserer innovativen und modernen Kantonshauptstadt», sagte Stadtpräsidentin Jolanda Urech am Spatenstich, der gestern bei Schneetreiben und eisigen Temperaturen auf dem Baufeld 2 im östlichen Scheibenschachen zelebriert wurde.

Es war der Wille der Aarauer Ortsbürger, auf dem eigenen Land auch selber zu investieren. Man setze mit der Überbauung auf «hochwertigen und nachhaltigen Wohnraum, der die unterschiedlichsten Zielgruppen anspricht», betonte Jolanda Urech. Das zeigt die breite Palette, die von 1,5 bis 5,5 Zimmern reicht und deshalb den Bedürfnissen von Familien, Paaren oder Alleinstehenden entgegenkommen wird. Der Bezug der neuen Wohnungen ist für das vierte Quartal des Jahres 2018 geplant, die Vermietung erfolgt in eigener Regie, nämlich über die Sektion Liegenschaften der Ortsbürgergutsverwaltung der Stadt Aarau.

1,3 Mio. Fr. für das Schützenhaus

Zum Baufeld 2 gehört auch das historische Schützenhaus von 1924, das nach einem Entscheid der Ortsbürger erhalten und sanft saniert werden wird. Eingebaut wird ein Quartier-Bistro, das als Scharnier zwischen dem alten und neuen Scheibenschachen dienen soll. Für dieses Unterfangen macht die Ortsbürgergemeinde 1,3 Millionen Franken locker. Für das unter Denkmalschutz stehende Schützenhaus rechnet man mit einer Bauzeit von gut einem Jahr und mit dem Bezug bereits im Frühling 2018.

Die künftigen Mehrfamilienhäuser mit dem Schützenhaus sollen laut der Stadtpräsidentin «verbindend wirken, Brücken schlagen und Menschen miteinander vernetzen». Damit unterstreiche Aarau seine «hohe Wohn- und Lebensqualität», die weit über die Stadt- und Kantonsgrenze hinaus bekannt sei. Dieser gute Ruf sei eine Ehre und bestätige zugleich, dass «unsere einst verträumte Kleinstadt längst trendig und urban geworden ist», stellte Jolanda Urech fest, bevor sie die obligate Schaufel und den Helm zum Spatenstich in die Hand respektive auf den Kopf nahm.

Erfolg nach 18 Jahren

Strahlen durfte an diesem Wintertag auch Bertram Ernst von der Architektengemeinschaft ernst niklaus fausch. Diese hatte bereits 1999 einen Wettbewerb für die Überbauung der Aarenau im Rahmen von Europlan gewonnen, ohne Aussicht auf eine Realisierung. Nach fast 18 Jahren komme man jetzt doch noch zum Zuge, und zwar mit einem «ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Projekt». Die Aufteilung auf drei Häuser erlaube für jede Wohnung eine «mehrfache Ausrichtung» und Balkone, die das Ausmass einer «Gartenlaube» hätten. Ein besonderes Anliegen war dem Architekten die sinnvolle Integration des Schützenhauses. Mit der denkmalpflegerisch sorgfältigen Restaurierung und dem Umbau der einstigen «Trinkstube» für die Schützen in ein öffentliches Bistro schliesse sich der Kreis auf sinnvolle Weise.

Der Spatenstich ist auch für die Ortsbürgergemeinde Aarau eine Premiere. Sie besitzt zwar Eigentum in der Wohnzeile D in der Telli, die Rolle als alleinige Bauherrin in dieser Branche aber ist ein Novum. Und es ist gut möglich, dass die Ortsbürger auch auf dem Baufeld 6 ein zweites Mal im gleichen Umfang investieren. Ein entsprechender Projektierungskredit soll noch im laufenden Jahr der Gemeindeversammlung vorgelegt werden.

Aarenau-Entwicklung: Das Volk musste das Schützenhaus retten

Das Aarauer Schützenhaus im Scheibenschachen kann auf eine fast hundert Jahre alte und bewegte Geschichte zurückblicken. Entstanden ist der markante Bau mit dem Spitzhelm und der halbrunden Säulenhalle im Umfeld des Eidgenössischen Schützenfestes 1924. Er sollte damals den Stolz der Stadtschützen über die erfolgreiche Durchführung des Grossanlasses äusserlich sichtbar dokumentieren.
1994 fiel die Anlage mit dem Auszug der Schützen in die Regionale Schiessanlage Lostorf in Buchs an die Grundeigentümerin, an die Ortsbürgergemeinde Aarau, heim.

Gleichzeitig begann die Planung für eine Überbauung dieser «letzten grossen Landreserve» der Stadt, die 2006 in einen Gestaltungsplan mit Sondernutzungsvorschriften mündete. 2008 sorgte der Stadtrat im Rahmen einer ersten Bauetappe in der Aarenau mit dem Antrag, die gesamte Schiessanlage inklusive Schützenhaus abzubrechen, für Aufregung. Erst im Rahmen einer Referendumsabstimmung an der Urne konnte der historische Zeitzeuge quasi in letzter Stunde vor dem Abbruchhammer gerettet werden, bei einer sagenhaften Beteiligung von 68,24 Prozent notabene. Nach Jahren der Zwischennutzung beschlossen die Ortsbürger im Juni 2016, das Haus zu sanieren und in ein Quartier-Bistro mit Sommernutzung umzugestalten.

Seit 2011 steht das Schützenhaus unter kantonalem Denkmalschutz, und zwar als kulturhistorische Erinnerung an das Schiesswesen am Standort Aarau und mit einer «ereignisgeschichtlichen Bedeutung», mit dem Bezug zum «Eidgenössischen» von 1924 nämlich. (HR)

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