Stellen Sie sich vor: Eben haben Sie alles für ein gemütliches Essen mit Freunden im Aarauer Stadtzentrum eingekauft. Angefangen beim Salat zur Vorspeise aus dem Gemüseladen, gefolgt von einem einheimischen Braten vom Metzger, gewürzt mit Spezialitäten aus dem Gewürzladen, Pasta aus dem Italienergeschäft als Beilage und das Ganze begleitet von einer feinen Flasche Wein vom Weinhändler. Zum Dessert ein Kuchen aus der Backform des Koch- und Backgeschäfts mit Fairtrade-Schoggi aus dem Weltladen, Biomehl aus dem Chornlade und garniert mit unverpackten Nüssen. Den Tisch gedeckt mit Servietten und Kerzen aus den Chrämerliläden, in der Mitte steht ein Strauss aus dem Blumengeschäft. Besorgt haben Sie das alles an einem freien Nachmittag, wobei Sie zusätzlich ein paar neue Schuhe erstanden und sich mit einem guten Freund zum Kaffee verabredet haben. In der Beiz konnten Sie mit Ihrem Bekannten gleich noch die spannenden Neuigkeiten zur neuen Buslinie an den Stadtrand und der wiedereröffneten Flussbadi diskutieren, welche Sie vorhin auf Ihrer Einkaufstour erfahren hatten. 

Gut gelaunt fangen Sie dann zu Hause an, das Menu für den geplanten Besuch zu kochen und freuen sich über den guten Sound der neuen CD aus dem Plattenladen, die im Hintergrund läuft. Das Essen ist fast fertig und der Tisch ist gedeckt, fehlen nur noch die Freunde zum Znacht, welche hoffentlich bald vor der Türe stehen werden. Doch es kommt niemand. Die Klingel bleibt stumm. Sie warten.

Langsam dämmert es Ihnen, dass Sie gar nicht in der Stadt waren um Ihre Kommissionen zu erledigen, denn all die vielen kleinen, vielseitigen, schönen und gemütlichen Läden des Zentrums sind mittlerweile geschlossen. Die Schaufenster sind leer, von innen verklebt. Zum Vermieten sind die Lokale erst gar nicht mehr ausgeschrieben, es hatte schlicht keinen Sinn mehr, weil ein neuer Laden spätestens nach ein paar Monaten wieder dicht machte.

Schweissgebadet wachen Sie auf. Zum Glück war es ein Traum, ein Albtraum! In Ihrer geliebten Innenstadt ist immer noch alles beim Alten. Aber, wenn Sie nicht in der Stadt gewesen sind, haben Sie auch den guten Freund nicht getroffen. Schade! Und wie war das mit der Flussbadi und der neuen Buslinie an den Stadtrand?

Leider kommt das bis anhin auch nur in Ihren Träumen vor. 

Es wird also niemand kommen, um mit Ihnen gemütlich zu essen und zu plaudern. Es bleibt Ihnen daher nichts anderes übrig, als sich eine Pizza liefern zu lassen. Eine halbe Stunde später klingelt es doch noch an der Haustüre. Der Lieferant kommt Ihnen von irgendwoher bekannt vor. Es ist tatsächlich ein alter Bekannter aus der Schulzeit. Plötzlich kommen Sie ins Gespräch und erfahren, dass er auch wieder in der Gegend wohnt. Sie verabreden sich auf ein Feierabendbier in der Stadt, diesmal aber im echten Leben!

Wer weiss, vielleicht laden Sie Ihren alten und wieder getroffenen Bekannten bald einmal zum Essen ein, welches Sie im Stadtzentrum gekauft haben. Hoffentlich sind dann die mit viel Herzblut geführten, originellen und für die Lebendigkeit dieser Stadt so wichtigen Läden noch da. Sie machen Freude und Freunde. Nutzen wir sie!

Impressionen aus der Aarauer Altstadt: