Politiksimulation
Aarauer Kantischüler beschliessen Hooligan-Gesetz - mit Pascale Bruderer

Politische Bildung In der Alten Kantonsschule Aarau wird diese Woche politisiert. 250 Schüler nehmen einen Tag lang die Rolle von Parlamentariern ein und simulieren detailgetreue Nationalrats- und Ständeratsdebatten.

Elia Diehl
Merken
Drucken
Teilen
Nationalratsabstimmung mit Pascal Bruderer in der Aula der Alten Kanti Aarau. Chris Iseli

Nationalratsabstimmung mit Pascal Bruderer in der Aula der Alten Kanti Aarau. Chris Iseli

Die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer schlüpfte gestern nach vier Jahren wieder in die Rolle der höchsten Schweizerin. Als Nationalratspräsidentin nahm sie in Aarau an einem politischen Rollenspiel von Schülerinnen und Schülern der Alten Kanti teil. Drei Klassen simulierten mit einem neuen Lehrmittel die Entstehung des Bundesgesetzes zur Wahrung der inneren Sicherheit, bekannt als Hooligangesetz. Dabei sollten die Jugendlichen das politische Argumentieren, Verhandeln und die Suche nach Kompromissen hautnah miterleben.

Ständerätin Pascale Bruderer und zahlreiche Kantischüler simulieren Politik.

Ständerätin Pascale Bruderer und zahlreiche Kantischüler simulieren Politik.

Chris Iseli

Alle erhielten im Vorfeld Rollen von National- und Ständeräten, Lobbyisten und Verbandsvertretern zugeteilt. Bei der inhaltlichen Gestaltung waren sie jedoch frei. «Ich dachte erst, wir kriegen einfach etwas vorgesetzt», sagte eine Schülerin. So arbeiteten die Fraktionen und Kommissionen aber eigenständig Änderungsanträge und deren Begründungen aus. Die Schüler gingen mit grosser Ernsthaftigkeit ans Werk, was zu hitzigen Diskussionen führte. «Das macht Spass – und Lust auf mehr», sagte eine Schülerin danach. Die 18-jährige Ständeratspräsidentin Rebecca Meier gefiel der Blick hinter die Kulissen: «Es ist alles viel komplizierter, als ich dachte. Es stecken viele Diskussionen und Zeit dahinter.»

Linke drohten mit Referendum

Vom Ernst der Jugendlichen angesteckt, eröffnete Pascale Bruderer die erste Nationalratssitzung in der Aula der Alten Kanti stilecht mit einer Glocke. Schnell fanden die Schüler in ihre politischen Rollen. Sie kämpften mit harten Bandagen, die Debatten standen jenen in Bern in nichts nach. «Sie argumentierten kürzer und klarer als wir», lobte Pascal Bruderer, es gab auch keine Wiederholungen von Argumenten. Die Schüler hätten also gut zugehört, während es im Nationalrat häufiger zur Aneinanderreihung von Monologen käme.

Die Glocke darf natürlich nicht fehlen.

Die Glocke darf natürlich nicht fehlen.

Chris Iseli

Von insgesamt 12 Änderungsanträgen in beiden Kammern wurden gestern in der Vernehmlassung nur drei angenommen. Am aktivsten war die SP als hartnäckiger Gegner des Gesetzes. Wie auch die Grünen vermochte sie mit ihren Anträgen die Ratsmehrheit nie für sich zu gewinnen, weder im National- noch im Ständerat. Die Linken hatten sichtlich frustriert kein Interesse mehr an einer guten Lösung und bedienten sich einer auch in Bern üblichen Taktik: Enthaltungen. Dazu liessen sie es bei keiner Wortmeldung aus, mit einem späteren Referendum zu drohen.

Die Bürgerlichen und Mitteparteien zeigten sich unbeeindruckt, signalisierten anfangs allerdings Kompromissbereitschaft. Nach mehrfachem Hin und Her zwischen den Kammern riss in der zweiten Runde der Differenzbereinigung der Geduldsfaden. So sagte der SVP-Fraktionssprecher im Nationalrat: «Es wurde nun genug auf die Pauke geschlagen, die Linken sollten endlich einlenken.» Prompt wurde die letzte Differenz deutlich bereinigt und das Gesetz genehmigt. Der SP-Fraktionssprecher, ganz in der Rolle gefangen, sagte darauf laut zu den Parteikollegen: «So, jetzt gibt es halt ein Referendum.»