Aarau

Aarauer Kantischüler holte Olympiabronze in Philosophie

Der Rang ist für Leonard Bregenzer sekundär. Spannend findet er die Diskussion über philosophische Themen. HHS

Der Rang ist für Leonard Bregenzer sekundär. Spannend findet er die Diskussion über philosophische Themen. HHS

«Der Tod ist nichts, was uns betrifft.» Darüber philosophierte Maturand Leonard Bregenzer. Der 20-jährige nahm an der Philosophie-Olympiade in Luzern teil - und gewann die Bronzemedaille.

Erst vor kurzem hat Leonard Bregenzer seinen 20.Geburtstag gefeiert. Was er nach der Matur machen will, weiss er ganz genau: «Ich will unbedingt Philosophie studieren.» Durchaus im Bewusstsein, dass er mit Philosophie nicht so leicht viel Geld verdienen wird. Auch Biologie wäre für ihn infrage gekommen. «Aber Philosophie», sagt er, «interessiert mich einfach so sehr.»

Der Rang bedeutet nicht viel

Eben erst hat er den Beweis erbracht, dass er in dem Fach, das ihn begeistert, auch wirklich gut ist. An der 7. Schweizer Philosophie-Olympiade in Luzern wurde er Anfang April mit der Bronzemedaille ausgezeichnet. Dabei bedeutet der Rang dem Kantonsschüler nicht allzu viel: «Das Beste war, mit Leuten aus der ganzen Schweiz zu diskutieren, die sich für Philosophie interessieren.»

Es sagte ihm zu, ein Wochenende lang mit Gleichgesinnten Texte zu lesen, zu analysieren und Begriffe zu diskutieren. Die Leidenschaft dafür, sei wohl in seinem Elternhaus geweckt worden, meint er. Sein Vater habe viel diskutiert, das selbstständige Denken gefördert.

Ein Satz von Epikur

An dem Wochenende in Luzern aber musste er vor allem zeigen, dass er fähig ist, eine philosophische Abhandlung zu schreiben. Vier Stunden lang hatte er Zeit, einen Text zu verfassen, der folgenden Kriterien genügen sollte: zusammenhängend und widerspruchsfrei argumentieren (Kohärenz), Behauptungen begründen (Überzeugungskraft der Argumentation), das Thema einordnen (philosophisches Wissen), das eigene Denken zum Ausdruck bringen (Originalität) und schliesslich den direkten Bezug zum Thema wahren (Relevanz).

Vier Themen standen für den Essay zur Auswahl: «Der Tod ist nichts, was uns betrifft» (Epikur), «Wie lässt sich Umweltschutz begründen?», «Nimm an, dass es logische Gesetze, moralische Gesetze und Naturgesetze gibt. Inwiefern unterscheiden sie sich voneinander?» oder «Verspricht eine Person, etwas zu tun, so hat sie die Pflicht, es zu tun. Hat eine Person die Pflicht, so kann sie es tun. Aber einige Menschen versprechen etwas, das sie nicht halten können. Wie ist das möglich?». Bregenzer hatte sich für das erste Thema entschieden.

Dafür erhielt er Bronze

«Zuerst habe ich versucht, den Begriff zu klären», erklärt Bregenzer sein Vorgehen. In wenigen Worten fasst er zusammen, was er der Jury in einem ganzen Essay darzulegen versuchte. Er habe sich auf drei Aspekte konzentriert, sagt er. Auf den eigenen Tod, den einer nahestehenden Person und den Tod eines Fremden. Danach sei er der Frage nachgegangen, inwiefern einen der Tod betreffe: Soll er traurig machen? Muss man sich deswegen im Voraus Sorgen machen?

«Kein Tod ist es wert», findet er, «dass man sich deswegen im Voraus Sorgen macht.» Das lohne sich nicht und erschwere das Leben unnötig. Sorgen, meint der Zwanzigjährige, würden einen lebensunfähig machen. Auch Trauer mache weder beim eigenen Tod noch bei dem einer fremden Person Sinn. Wichtig sei Trauern indessen beim Tod eines nahestehenden Menschen: «Trauer hilft, die Lücke, die durch den Tod entsteht, wieder zu schliessen.»

Der Jury in Luzern war Bregenzers Essay eine Bronzemedaille wert.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1